Steht das „Crazy“ vor dem Aus?

Mindestens seit 40 Jahren gibt es das Bordell „Crazy“ am Mainzer Hauptbahnhof. Laut einem Bericht der „Allgemeinen Zeitung“ könnte sich das bald aber ändern. Was die Stadt Mainz sagt.

Steht das „Crazy“ vor dem Aus?

Für die einen gehört es zum Mainzer Stadtbild, für andere ist es ein Ärgernis: das Bordell „Crazy“ am Mainzer Hauptbahnhof. Laut „Allgemeiner Zeitung“ (AZ) befindet es sich dort schon mindestens seit Anfang der 70er-Jahre - und ebenfalls laut AZ vielleicht nicht mehr lange.

Wie die Zeitung berichtet, seien die Tage des Bordells „mit großer Wahrscheinlichkeit gezählt“. Der Grund: Es läge keine Betriebserlaubnis mehr vor. Das bestätigt auch die Stadt Mainz gegenüber Merkurist. „Das Crazy hat aus unserer Sicht nach der Änderung des Prostitutionsschutzgesetzes keine gültige Betriebserlaubnis mehr. Folglich kann diese nicht abgelaufen sein. Das Crazy hat keine Erlaubnis erhalten“, so Stadt-Pressesprecher Ralf Peterhanwahr.

Neues Bundesgesetz als Grundlage

Zudem bestätigt er die Information der AZ, dass das Ordnungsamt dem aktuellen Betreiber im Dezember 2019 eine Schließungsverfügung mit Sofortvollzug zugesendet habe. Die Frist läuft am 31. Januar ab. Kommt der Betreiber der Aufforderung nicht nach, droht ihm ein Zwangsgeld in Höhe von 20.000 Euro.

Das Prostitutionsschutzgesetz trat am 1. Juli 2017 in Kraft und regelt seitdem die rechtlichen Pflichten und Ansprüche von Prostituierten, Bordellbetreibern und den vollziehenden Behörden. Nach einem Abschnitt in Paragraph 14 ist Bordellen die Erlaubnis zu versagen, „wenn die örtliche Lage des Gewerbes dem öffentlichen Interesse widerspricht“. Vor allem, wenn sich das Bordell im Sperrbezirk befindet, was laut Peterhanwahr zutrifft. „Darüber hinaus ist die Erlaubnis zu versagen, wenn sich dadurch eine Gefährdung der Jugend befürchten lässt.“ Aufgrund dieser gesetzlichen Neuregelung sei die Stadt Mainz jetzt tätig geworden.

Anwalt will Eilantrag stellen

Doch warum erst jetzt, wenn das Bundesgesetz doch schon vor zweieinhalb Jahren in Kraft trat? „Um die neue Gesetzgebung de facto umzusetzen, galt es zunächst, gesetzliche Melde- und Antragsfristen für aktuelle Betreiber von Bordellbetrieben zu beachten, welche das Gesetz vorgab“, so Peterhanwahr. Zudem habe man auf der Basis der neuen Gesetzgebung erst einmal die „personelle und infrastrukturelle Grundausstattung“ im Standes-, Rechts- und Ordnungsamt schaffen müssen, „um das breit angelegte Aufgabengebiet zu bearbeiten“. Diese Zuständigkeit habe es in dem Amt zuvor nicht gegeben.

Doch was sagt die andere Seite? Die „Allgemeine Zeitung“ zitiert den Anwalt des Betreibers, der nicht namentlich genannt werden wolle. Er berufe sich auf einen „Bestandsschutz“, weil sich das Bordell seit Jahrzehnten an Ort und Stelle befinde. Außerdem sei der Sperrbezirk erst 1986 und damit nach der Eröffnung des Bordells eingeführt worden. Laut AZ will der Anwalt einen Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht stellen, um eine aufschiebende Wirkung der Verordnung zu erreichen.

Die Stadt sieht das anders: „Der sogenannte Bestandsschutz hat aus unserer Sicht lediglich etwaige Auswirkungen auf das Baurecht; nicht aber im Bereich des Prostituiertenschutzrechtes“, so Peterhanwahr. Laut ihm liegt ein Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht bisher nicht vor. (df)

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