Wo Klopp und die Kanzlerin essen: Mainzer Lokal „Como Lario“ wird 60

Seinen 60. Geburtstag feiert das Mainzer Lokal Como Lario da Bruno am 1. März. Gründer Bruno Bellini hat viele Geschichten aus all den Jahren zu erzählen: Von Pizza als Neuheit in Mainz und Bundeskanzler-Besuchen im Bleichenviertel.

Wo Klopp und die Kanzlerin essen: Mainzer Lokal „Como Lario“ wird 60

Völlig unscheinbar kommt das kleine italienische Restaurant Como Lario da Bruno in der Neubrunnenstraße daher, dabei ist es eine der wohl traditionsreichsten Gaststätten in Mainz und Treffpunkt für Promis aus Politik, Sport und Unterhaltung. Am 1. März feiern Restaurantgründer Bruno Bellini und seine Familie den 60. Geburtstag des Mainzer Lokals.

Während mehrere Generationen von Mainzern inzwischen selbstverständlich „zum Bruno“ gehen, wie es in Mainz heißt, schlug Bellini und seinem Como Lario zur Eröffnung 1962 noch dezente Skepsis der Bevölkerung entgegen. „Die Pizza war zu dieser Zeit für viele Mainzer noch etwas völlig Neues. Aber die ‘belegten Pfannkuchen’, wie sie sie nannten, sprachen sich schnell rum in der Stadt“, erinnert sich Bruno Bellini im Gespräch mit Merkurist. Angeblich soll Bellinis Como Lario sogar das erste italienische Restaurant der Stadt gewesen sein.

Stil hat sich nicht verändert

Heute ist Bruno Bellini 84 Jahre alt. Um sein Restaurant kümmern sich schon seit Jahren sein Sohn Piero und Cousin Fausto – ein echter Familienbetrieb eben. Die Einrichtung des Como Lario ist jedoch wie früher geblieben: unspektakulär, sogar sein bisschen aus der Zeit gefallen – und das ist auch so gewollt. „Wir haben versucht, die Einrichtung bisher so originalgetreu wie möglich zu halten“, erklärt Bruno Bellinis Sohn Piero. „Nur Kleinigkeiten haben wir verändert: mal ein neuer Tisch, ein paar neue Stühle und renoviert haben wir in den letzten 60 Jahren natürlich auch einige Male.“ Im Grunde genommen sieht es im Como Lario aber immer noch so aus wie damals, als die Mainzer die Pizza noch für einen Pfannkuchen hielten.

Im Lauf der vergangenen Jahrzehnte waren es aber nicht nur Mainzer, die Bellinis Restaurant besuchten. So kam der spätere Bundeskanzler Helmut Kohl schon zum Essen ins Como Lario, als er noch rheinland-pfälzischer Ministerpräsident war. Später als Kanzler oder Kanzler a.D. ließ es sich der Ludwigshafener auch nicht nehmen, seine Pizza und sein Bier dort zu sich zu nehmen. „Er kam auch mal ohne Bodyguards zu uns und hatte sogar seine Stammecke“, erinnert sich Bruno Bellini.

Extra geschlossen wurde das Como Lario während der Kanzlerbesuche nicht, Kohl aß inmitten der anderen Besucher. „Wir haben den Tisch neben seinem freigehalten und wenn andere Kunden kamen und ein Foto mit ihm machen wollten, haben wir die Fotowünsche gesammelt und erst mal gewartet. Wenn Herr Kohl fertig war mit dem Essen, konnten die Gäste dann auch ein Bild mit ihm machen, wenn er es auch wollte“, sagt Piero Bellini. Kohl besuchte das Como Lario auch für Treffen mit politischen Weggefährten, ein anderes Mal wurde er im Mainzer Restaurant interviewt. Zu den prominenten Besuchern von Bruno Bellinis Restaurant gehören auch andere Politgrüßen wie Ex-Kanzlerin Angela Merkel oder der SPD-Politiker Rudolf Scharping.

Heidel, Klopp und Merkel kamen auch schon

Auch Mainzer Prominente wie mehrere Oberbürgermeister, Mainz 05-Manager Christian Heidel oder Welttrainer Jürgen Klopp gingen ins Como Lario. Wie auf den vielen Bildern mit den mehr oder weniger berühmten Gästen des Restaurants zu sehen ist, ließ sich Klopp auch nach dem Ende seiner Trainerzeit bei Mainz 05 im Jahr 2008 hin und wieder im Como Lario blicken. Selbst eine der Töchter des bekannten kubanischen Revolutionärs Che Guevara besuchte das Lokal in der Neubrunnenstraße schon mal. „Ich habe sie während eines Aufenthalts in Kuba kennengelernt und sie zu mir eingeladen, sollte sie mal nach Mainz kommen“, sagt Bruno Bellini. Eines Tages nahm sie die Einladung an, wie auch Bilder im Restaurant zeigen.

Doch was ist eigentlich das Geheimnis der Familie Bellini und ihrem Como Lario? Bruno sagt: „Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen, die Restaurant-Besucher wissen es zu schätzen, wenn man seine Gerichte zu einem fairen Preis für beide Seiten anbietet.“ Und Sohn Piero ergänzt: „Wir setzen bei uns auf Qualität: Der Teig für die Pasta wird bei uns natürlich selbstgemacht, die Soßen selbstverständlich auch. Ich glaube, den Gästen schmeckt es einfach bei uns und gerade Ältere mögen es, dass der Laden immer noch ein bisschen wie früher aussieht.“

Wie geht es weiter?

Den 60. Geburtstag des Como Lario da Bruno werden sie am 1. März nicht groß feiern, sagen die Bellinis. Eine Gläschen Prosecco und eine Rose für die Besucher vielleicht, aber keine große Party. Sie selbst werden in einem ruhigeren Moment vielleicht auch mal mit anstoßen. Auf was? Etwa auf die nächsten 60 Jahre Como Lario? „Wer weiß?“, sagt Piero Bellini, „Meine 15-jährige Tochter hat mir schon mal gesagt, dass sie das Restaurant gerne weiterführen möchte. Sie ist noch jung und soll sich das überlegen, aber eventuell kommt es ja so.“

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