Mainzer „Biotech“-Campus gefährdet: Gegner wollen Prestigeprojekt verhindern

Es ist möglicherweise eines der wichtigsten Projekte für die Zukunft von Mainz: An der Saarstraße sollen 30 Hektar Land für die Ansiedlung von Biotech-Firmen geschaffen werden. Doch gegen diese Pläne der Stadt hat sich bereits Widerstand formiert.

Mainzer „Biotech“-Campus gefährdet: Gegner wollen Prestigeprojekt verhindern

Mit dem Impfstoffhersteller Biontech hat Mainz inzwischen ein Milliarden-Unternehmen in der Stadt. In Zukunft will die Stadt noch mehr Firmen und Start-ups aus dem „Biotech“-Sektor ansiedeln. Hierfür strebt sie ein sogenanntes Biotech-Areal an. Für den Bau eines solchen Areals sollen 50 Hektar Ackerland an der Saarstraße gegenüber dem neuen Unicampus geschaffen werden. Davon sollen 30 Hektar bebaut werden. Doch nun regt sich Widerstand. Aktivisten aus sechs verschiedenen Umwelt- und Klimaschutzinitiativen wollen das Projekt verhindern.

Bedrohung von Luftqualität und Artenvielfalt

Bei einer gemeinsamen Veranstaltung gingen die Aktivisten mit ihren Plänen an die Öffentlichkeit und äußerten ihre Bedenken bezüglich des Areals. Wie Marcel Weloe, promovierter Chemiker, sagte, sei der Bau des Areals mit dem Wegfall einer wichtigen „Kaltluftentstehungsfläche und Kaltluftleitbahn“ verbunden. Die Kaltluftschneisen seien maßgeblich für die Senkung der Temperatur in anderen Mainzer Stadtteilen und besonders in der Innenstadt. Ein weiteres Thema seien die Frischluftschneisen, die durch den Bau massiv beschränkt würden. Gerade sie seien aber äußerst wichtig, um der Luftverschmutzung in der Stadt entgegenzuwirken, so Weloe.

„Das stellt eine erhebliche Einschränkung des Lebensraums für die Tiere dar“, sagt Gerhard Weitmann, der sich auf den Bau des Areals bezog. Populationen von Feldhamstern und -hasen seien schon jetzt stark bedroht. Dies würde sich verschlimmern, sobald der Bau beginne. Besondere Verantwortung habe Mainz für die Feldhamster, da es noch günstige Populationen bei uns gebe, so Weitmann. Für die Tiere stellten die Menschenmassen, die bei Mainz 05-Heimspielen das Stadion über die Feldwege erreichen, große Risiken dar, weil dies Scheuchwirkungen auf die Lebewesen zur Folge habe. Wenn in diesem Gebiet zusätzlich das Biotech-Areal realisiert wird, werde der Lebensraum der Tiere erheblich weiter eingeschränkt.

Einschnitt in Naherholungsgebiet und Landwirtschaft

Bedenken an dem Projekt kommen auch von Mainzer Landwirten. So meint der Gonsenheimer Bauer, Alfred Zimmermann, das zu bebauende Gelände sei „nicht verwuchert und sehr gepflegt bewirtschaftet, was für die Stadt Mainz eine kostenlose Landschaftspflege bedeutet und zu einem sehr stark genutztem Naherholungsgebiet beiträgt“. In der Vergangenheit seien bereits einige Maßnahmen getroffen worden, um die gute Bodenqualität des Ackers beizubehalten und die Frischluftzufuhr in die Innenstadt zu ermöglichen. Dies bestätige das Potenzial des Stück Landes für die Landwirtschaft. Zudem würden die Zufahrtsmöglichkeiten zu den umliegenden Feldern weiter beschränkt werden, obwohl „die Landwirtschaft schon heute nicht mehr in der Lage ist, unsere Bevölkerung komplett zu versorgen“, so der Gonsenheimer Bauer. Ebenfalls fließe aufgrund des neu entstandenen Unicampus gegenüber dem Ackerland keine Kaltluft mehr ab, wodurch Obstbau jetzt schon nicht mehr möglich sei.

Hans-Georg Frischkorn von der Initiative MainzZero kritisiert das Vorhaben, einen Biotech-Campus zu erschaffen, da „das Konzept die Bedürfnisse der Mitarbeiter*innen völlig verkennt“. Menschen bräuchten eine lebhafte Umgebung mit Restaurants, Cafés und Geschäften, wenn sie nach Feierabend ihre Büros verlassen. Ein weiterer Kritikpunkt seinerseits sei die Versiegelung freier Flächen. Stattdessen könne man bereits versiegelte Bereiche und ungenutzte Gebäude für das geplante Biotech-Areal verwenden. Hier gehe die Schweiz mit gutem Beispiel voran und zeige, dass dies eine Alternative aufzeigt.

Forderungen an die Politik

Die gemeinsamen Forderungen von Landwirten und Aktivisten trägt Edith Heller von MainzZero und Workers for Future an die Politik vor. Des Weiteren schlagen die Kritiker Alternativstandorte vor, die bereits versiegelt sind, wie das Nestle-Gebiet oder manche freie Flächen auf dem Messegelände Mainz-Hechtsheim. „Festzuhalten bleibt, dass im Koalitionsvertrag der Ampelfraktion eine weitere Versiegelung ausgeschlossen wurde. Dies ist aus unserer Sicht dringend einzuhalten“, erklärt Edith Heller.

Wie die Vertreter der Bürgerinitiativen glauben, gebe es eine gute Chance, das Projekt zu verhindern. Sie fordern, mit der Entscheidung über die Bebauung des Planungsgebiets bis nach der Oberbürgermeisterwahl zu warten.

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