So sah die Kaiserstraße früher aus

Könnt Ihr Euch die Mainzer Kaiserstraße mit Straßenbahnen vorstellen? Ohne Autos? Oder sogar ohne Christuskirche? Wir zeigen Euch, wie die Kaiserstraße Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts aussah.

So sah die Kaiserstraße früher aus

Sie ist eine der wichtigsten Verkehrsachsen in Mainz: die Kaiserstraße. Sie verbindet den Hauptbahnhof mit dem Rhein, trennt Altstadt und Neustadt und hat mit der Christuskirche eines der bekanntesten Wahrzeichen von Mainz in ihrer Mitte. Doch für viele ist die Kaiserstraße nicht mehr so schön, wie sie einmal war. Bereits vor zwei Jahren gab es Kritik daran, wie sich die Straße verändert habe (wir berichteten). „Die Kaiserstraße entwickelt sich zum Schandfleck der Stadt“, kritisierte ein Leser in seinem Snip. Die Gründe: nächtliche Rasereien und Drogenhandel an der „Haschwiese“. Doch auch baulich hat sich die Straße im Laufe der Zeit verändert. Wir zeigen Euch Bilder von früher.

Vor 1900

Ab dem Jahr 1873 entstand die von Eduard Kreyßig (1830–1897) angelegte Mainzer Neustadt. Die Kaiserstraße sollte das alte Mainz mit dem neuen Mainz verknüpfen und hieß ab 1880 noch „Boulevard“. Acht Jahre später wurde sie zu Ehren von Kaiser Wilhelm I. in „Kaiserstraße“ umbenannt. Zwar gab es schon eine parkähnliche Grünanlage, doch die Christuskirche fehlte noch.

Ab 1900

Ihr Wahrzeichen bekam die Kaiserstraße schließlich um die Jahrhundertwende: Von 1896 bis 1903 wurde die Christuskirche erbaut. Ab 1904 fuhr zum ersten Mal eine elektrische Mainzer Straßenbahn vom Höfchen über die Kaiserstraße bis nach Mombach.

Ab 1945

Durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg wurden auch in der Kaiserstraße viele Gebäude zerstört, andere Prachtbauten aus der Zeit um 1900 stehen dagegen noch. Auch die Christuskirche wurde zerstört und von 1952 bis 1954 wieder aufgebaut. Zur 2000-Jahr-Feier der Stadt Mainz im Jahr 1962 stiftete der Unternehmer Hans Klenk den gleichnamigen Brunnen vor der Kirche.

1991

Ein einmaliger Anblick bot sich im Jahr 1991 vor der Christuskirche. Wegen des Irak-Kriegs entschieden sich die Verantwortlichen, die Fastnacht ausfallen zu lassen. „Wer jetzt noch Fastnacht feiert, macht sich ethisch und moralisch unmöglich“, sagte der damalige MCV-Präsident Rudi Henkel.

Doch nicht nur die Fastnachter waren von den Ereignissen im Irak berührt, auch Studenten zeigten ihren Unmut darüber. Auf dem Platz vor der Christuskirche regte sich im Januar 1991 Widerstand gegen den Krieg. Hunderte Holzkreuze wurden auf der Grünanlage aufgestellt. Wie die Allgemeine Zeitung am 26. Januar 1991 berichtete, hatten Pädagogikstudenten der Uni hier ein „symbolisches Gräberfeld“ errichtet.

2018

Die Christuskirche mit ihrer 80 Meter hohen Kuppel ist ohnehin ein echter Blickfang - im Jahr 2018 noch mehr. Denn aus den Fenstern der Kuppel leuchtete es blau. Grund dafür war die Ausstellung „Das Schwebende Labyrinth“.

(df)

Logo