Die Mainzer Stadtwerke AG (MSW) hat im Geschäftsjahr 2025 einen Jahresüberschuss von rund 18,3 Millionen Euro erzielt. Das teilte das Unternehmen bei der Vorstellung des Geschäftsberichts mit. Trotz Herausforderungen wie schwankenden Märkten und Krisen konnte das Ergebnis des Vorjahres damit übertroffen werden.
Der Gewinn wurde nach Abzug von Steuern und Abgaben berechnet. Darin bereits berücksichtigt sind der Ausgleich des Nahverkehrsverlustes der Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) von 33 Millionen Euro sowie Zahlungen an die Stadt Mainz. „Wir haben damit das gute Ergebnis aus dem Vorjahr noch einmal übertreffen können“, erläuterte Vorstandsvorsitzender Daniel Gahr. Die Eigenkapitalquote der Stadtwerke liegt bei 41,9 Prozent, was in der Branche als sehr guter Wert gilt. Laut der Aufsichtsratsvorsitzenden Sylvia Köbler-Gross ist eine solide Finanzausstattung notwendig, „um die immensen Zukunftsaufgaben angehen zu können“.
Gleichzeitig stiegen die Verbindlichkeiten um 40 Mio. Euro. Wenn es weiter so geht - und die Stadtwerke stehen vor eine Reihe gewaltiger Investitionen - könnte der Überschuss bald zerronnen sein. Karten
Weniger Fahrgäste, neue Fahrzeuge
Im Bereich Mobilität beförderte die Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) im Jahr 2025 rund 56 Millionen Fahrgäste. Das ist ein leichter Rückgang im Vergleich zu 2024 mit 56,8 Millionen, der auf umfangreiche Bauarbeiten und den damit verbundenen Schienenersatzverkehr zurückzuführen ist. Die Stadtwerke erwarten nach Abschluss der Arbeiten wieder steigende Fahrgastzahlen.
Gleichzeitig wird in die Flotte investiert: 22 neue Straßenbahnen und 42 neue Dieselbusse sind bestellt. Ab Ende 2026 sollen zudem 23 neue Batteriebusse bisherige Fahrzeuge ersetzen. Die Stadtwerke setzen voll auf E-Mobilität. Experimente mit Wasserstoff hätten laut Stadtwerke Boss Daniel Gahr bisher nicht zu erwünschten Ergebnissen geführt.
Das Fahrradvermietsystem meinRad verzeichnete 2025 mit rund 325.000 Fahrten ein Plus von über 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Verzögerung beim Taubertsbergbad
Die Sanierung des Mainzer Taubertsbergbads verzögert sich. Grund ist die Insolvenz des Generalunternehmers im November 2025. Die Mainzer Stadtwerke haben die Fertigstellung nun in Eigenregie übernommen. Nach aktuellem Zeitplan soll das Sport- und Familienbad nach den Sommerferien für Schulen und Vereine öffnen. Die Öffentlichkeit kann das Bad und den neuen Spa-Bereich voraussichtlich ab Herbst 2026 nutzen. Das Freibad besuchten 2025 rund 97.000 Gäste.
Auch der Ausbau erneuerbarer Energien wird vorangetrieben. Die rund 330 Anlagen, an denen die MSW beteiligt ist, erzeugten 2025 genug Strom für den Jahresverbrauch von etwa 180.000 Haushalten. Im rheinhessischen Lonsheim wurde zudem ein neuer Solarpark eröffnet. Weitere Investitionen flossen in den Ausbau der Strom-, Gas- und Wassernetze sowie in die Entwicklung des Mainzer Zollhafens, die nun fast abgeschlossen ist. Im Heiligkreuz-Areal gingen die Entwicklungen laut Gahr jedoch noch voran.
Netzausbau weiter großes Thema
Die Mainzer Netze GmbH betreibt die Strom-, Gas- und Trinkwassernetze in Mainz sowie im westlichen Rhein-Main-Gebiet und drei Wasserwerke in Hof Schönau, Eich und auf der Petersaue. Zu den Aufgaben der 597 Beschäftigten zählen: Planung, Bau, Betrieb und Instandhaltung der Versorgungsleitungen und -anlagen für Strom, Gas und Trinkwasser, der Straßenbeleuchtungs-, Kommunikations- und Sicherheitsinfrastruktur sowie der Infrastruktur des Industriehafens und der Hafenbahn Mainz. Das Stromnetzgebiet erstreckt sich von Ingelheim über Mainz bis nach Biebesheim am Rhein im Landkreis Groß-Gerau. Rund 550.000 Bürger werden in diesem Gebiet mit Elektrizität versorgt. Etwa 272.000 Menschen beziehen Trinkwasser aus den Wasserwerken. Das Gasnetz erstreckt sich über acht Kommunen – von Wackernheim über Mainz bis Nauheim – mit etwa 39.800 Anschlüssen. Die Mainzer Netze GmbH betreibt rund 26.500 Lichtpunkte in der Landeshauptstadt Mainz und Amöneburg, Kastel und Kostheim (AKK).
Auch hier stehen die Stadtwerke vor gewaltigen Herausforderugen. Denn die regulatorischen und gesetzlichen Änderungen und die damit verbundenen Anforderungen für Netzbetreiber nehmen zu. Gleichzeitig sind Investitionen in Millionenhöhe erforderlich, um die Infrastruktur für Energie- und Wasserversorgung weiter auszubauen, instand zu halten und zu digitalisieren sowie ihre Sicherheit und Resilienz zu gewährleisten. Es bleibt somit spannend, ob die Stadtwerke in Zukunft weiterhin Überschüsse ausweisen können - das Korsett wird immer enger.