Ärger in der Mainzer Neustadt: Mann wirft brennende Kippen aus dem Fenster

Nachdem ihm mehrfach eine aus dem Fenster geworfene Zigarettenkippe vor der Nase landete, reichte ein Merkurist-Leser Beschwerde beim Mainzer Ordnungsamt ein – ohne Erfolg. Merkurist hat jetzt noch einmal genauer nachgefragt.

Ärger in der Mainzer Neustadt: Mann wirft brennende Kippen aus dem Fenster

Wer Zigarettenstummel einfach auf den Boden wirft, verschmutzt nicht nur die Umwelt, sondern begeht auch eine Ordnungswidrigkeit. Ob diese jedoch tatsächlich geahndet wird, ist die andere Frage. Selbst, wenn man erwischt wird, beträgt das dafür fällige Verwarnungsgeld in Mainz nur 20 Euro. Doch wie verhält es sich, wenn aus dem Fenster geworfene Zigarettenkippen vor den Füßen von Passanten landen – und sogar noch brennen? Genau das ist einem Merkurist-Leser schon mehrmals in der Mainzer Neustadt passiert.

„Vor ein paar Jahren ist mir zweimal auf dem Weg vom Bahnhof nach Hause eine brennende Zigarette vor der Nase gelandet“, berichtet unser Leser. „Beim ersten Mal war ich irritiert, beim zweiten Mal verärgert.“ Daraufhin hätte er angefangen, die Stelle im Kaiser-Wilhelm-Ring genauer zu beobachten. Anscheinend handele es sich beim Zigarettenwerfer um einen Mann, der häufiger am Fenster rauchen und die Zigarettenkippen im Anschluss auf den Gehweg werfen würde. Angesprochen habe unser Leser den Mann nicht, nicht zuletzt wegen der „unfreundlichen“ Ausstrahlung des Rauchers. An die Hausverwaltung hätte er sich auch nicht wenden können, da er selbst in einem anderen Haus wohnt. Daher habe er sich an Polizei und Ordnungsamt gewandt.

Das sagt die Polizei

Die Briefe, in denen unser Leser das Ordnungsamt über den Vorfall informiert hatte, seien alle unbeantwortet geblieben. Auch nach mehreren Anrufen beim Amt sei keine Änderung eingetreten. Sogar bei der Polizei hätte er es versucht. Dort hätte er jedoch die Rückmeldung bekommen, dass man nichts für ihn tun könne, wenn es keine Geschädigten gibt. Aber stimmt das wirklich? Merkurist hat jetzt bei den beiden Stellen nachgefragt.

Zuständig ist in diesem Fall tatsächlich das Ordnungsamt – zumindest, solange keine Straftat wie Körperverletzung besteht. Dann sei es möglich, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Aber auch vorher könne die Polizei Unterstützung anbieten, erläutert Polizeisprecher Matthias Bockius – zum Beispiel in Form einer Unterlassungsaufforderung oder auch eines Personalienaustauschs zur Einleitung eines zivilrechtlichen Verfahrens nach etwaiger Sachbeschädigung. Zu einer telefonischen Beschwerde unseres Lesers sei in der zuständigen Polizeidirektion Mainz 2 jedoch nichts bekannt.

Gefährderansprache vom Ordnungsamt

Anders beim Ordnungsamt: Auf Anfrage bestätigt ein Sprecher der Stadt Mainz, dass im Dezember 2019 sowie im Mai 2020 entsprechende Beschwerden eingingen. In beiden Fällen habe der Zentrale Vollzugs- und Ermittlungsdienst (ZVE) eine Gefährderansprache an den Verursacher ausgesprochen. Da der ZVE vor Ort keine direkten Verstöße feststellen konnte und der Betroffene zudem jegliche Vorwürfe bestritten habe, seien jedoch kein Bußgeld verhängt worden.

„Da nach unserer Vorsprache keine weiteren Beschwerden eingegangen sind, ging das Ordnungsamt davon aus, dass die Vorsprache den Bürger zu einem rechtskonformen Verhalten veranlasst hat“, so ein Sprecher der Stadt. Und die unbeantworteten Briefe? Das könne jetzt nicht mehr nachvollzogen werden, vor allem, da das Ordnungsamt insbesondere im Mai 2020 hauptsächlich mit dem Vollzug der Corona-Bekämpfungsmaßnahmen beschäftigt gewesen sei. Aufgrund des aktuellen Hinweises wolle man jetzt jedoch noch einmal beim Betroffenen vorsprechen und ihm „eindringlich die möglichen Folgen seines Handelns vor Augen führen.“ Von einem Bußgeld ist weiterhin keine Rede.

Ob die erneute Ansprache dazu führt, dass bald keine Zigaretten mehr auf den Gehweg im Kaiser-Wilhelm-Ring fliegen, ist fraglich. Einen Tipp will Polizeisprecher Matthias Bockius für diesen und zukünftige Fälle jedoch mit auf den Weg geben: „Einfach mal ansprechen!“ Meistens würde ein persönliches Gespräch noch viel besser wirken als der Weg über die Ämter.

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