Maskenpflicht: Wenn der Alltag zur Hölle wird

Für Johanna aus Mainz wurde der Alltag mit Mund-Nasen-Bedeckung zur Qual. Doch ohne Maske hat sich die Situation für sie nicht verbessert - nur verändert.

Maskenpflicht: Wenn der Alltag zur Hölle wird

Johanna (34)* aus Mainz leidet an einer schweren Lungenkrankheit. Was für andere Menschen selbstverständlich ist, wird für sie schnell anstrengend. Telefonieren zum Beispiel: Als Johanna uns von dem berichtet, was sie derzeit durchmacht, muss sie oft nach wenigen Worten wieder einatmen.

Ende April trat die Maskenpflicht in ganz Deutschland in Kraft. Zunächst hielt sich Johanna an die Maßnahme. Doch wegen ihrer Erkrankung kam Johanna irgendwann an einen Punkt, an dem sie nicht mehr konnte. „Mir war am Anfang nicht klar, dass die Maske ein Problem für mich ist“, sagt sie gegenüber Merkurist. „An heißen Tagen bekam ich durch die Maske nur schlecht Luft.“ Die Folge: „Ich war fix und fertig, egal wie ich mich auch angestrengt habe, ich hatte das Gefühl, dass kein Sauerstoff bei mir ankam.“ Panikattacken hätten sie bis an den Rand der Ohnmacht gebracht, berichtet Johanna. Eine Ärztin befreite sie per Attest von der Maskenpflicht, doch nun kamen andere Probleme auf Johanna zu.

„Die Menschen reagieren direkt aggressiv auf mich.“ - Johanna (34)

Die 34-Jährige übt ihren Beruf an verschiedenen Standorten aus - hat täglich Kontakt zu Kunden. „Manchmal brauche ich von Zuhause aus 15 Minuten zur Arbeit, an manchen Tagen auch bis zu 60 Minuten“, erklärt sie. Weil sie auf den Bus angewiesen ist, wird sie dort immer wieder ruppig angesprochen. „Viele Leute denken wohl, ich wäre Corona-Leugnerin und würde mich deshalb nicht an die Maskenpflicht halten.“ Oft würden Fahrgäste vom Busfahrer verlangen, dass Johanna aus dem Bus geworfen wird. Sie sagt: „Die Menschen reagieren direkt aggressiv auf mich. Ich versuche immer, den Mindestabstand einzuhalten, aber in einem vollen Bus ist das nun mal nicht immer möglich.“

Zoff im Bus, Ärger beim Einkauf

Busfahrer hätten auch schon häufig mit ihr diskutiert; dass Johanna ihr Attest immer bei sich führt, würde trotzdem nicht jede Situation entspannen können. „Ich habe solche Anfeindungen teilweise drei oder vier Mal in der Woche erlebt und das nicht nur im Bus.“ Vor wenigen Tagen wollte Johanna Klamotten kaufen, doch dann wurde sie des Ladens verwiesen. Als sie ihr Attest vorzeigte und versuchte, die Situation zu erklären, habe eine Mitarbeiterin geantwortet: „Wir haben Hausrecht, Sie müssen den Laden verlassen.“

Inzwischen sagt Johanna: „Ich versuche, Menschen derzeit so gut es geht zu meiden. Es wird einfach direkt auf Leute losgeschossen - das empfinde ich als respektlos. Johannas sehnlichster Wunsch: „Toleranz. Ich weiß, es gibt Menschen, die die Masken ablehnen, weil sie keine Lust darauf haben. Aber es gibt auch Menschen in meiner Situation - ich habe keine andere Wahl.“

*Name von der Redaktion geändert. (df)

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