Theodor-Heuss-Brücke: Könnte Einfädeln für Entlastung sorgen?

Die Theodor-Heuss-Brücke überqueren täglich tausende Autos und Busse. Vor allem im Berufsverkehr staut es sich deshalb oft. Einige Autofahrer glauben, dass mit dem Reißverschlussverfahren lange Staus verhindert werden könnten.

Theodor-Heuss-Brücke: Könnte Einfädeln für Entlastung sorgen?

Von 6:30 Uhr bis 9:30 Uhr herrscht Hochbetrieb auf der Theodor-Heuss-Brücke. Im morgendlichen Berufsverkehr reihen sich Autos an Autos, die es teilweise nur im Schneckentempo über die Brücke schaffen. Viele Autofahrer müssen deshalb längere Fahrzeiten einplanen, um rechtzeitig an ihren Arbeitsplatz zu kommen. Oft beginnt der Stau auf Mainzer Seite aber schon in den Straßen vor der Brücke. Doch könnte beispielsweise das sogenannte Reißverschlussverfahren helfen, die langen Wartezeiten zu reduzieren? Dies fragtMerkurist-Leser Christoph in seinem Snip: „Morgens über den Rhein (Theodor Heuss): Wie und wo fädelt man richtig ein - wenn überhaupt?“

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Die Straßenverkehrsordnung (StVO) beschreibt das Reißverschlussverfahren wie folgt: „Ist auf Straßen mit mehreren Fahrstreifen für eine Richtung das durchgehende Befahren eines Fahrstreifens nicht möglich oder endet ein Fahrstreifen, ist den am Weiterfahren gehinderten Fahrzeugen der Übergang auf den benachbarten Fahrstreifen in der Weise zu ermöglichen, dass sich diese Fahrzeuge unmittelbar vor Beginn der Verengung jeweils im Wechsel nach einem auf dem durchgehenden Fahrstreifen fahrenden Fahrzeug einordnen können.“ Doch trifft das auch auf die Fahrspuren auf der Theodor-Heuss-Brücke zu? Die Mainzer Polizei verneint: „Das ist keine klassische Stelle für das Reißverschlussverfahren, weil es dort eine Linksabbiegespur gibt, auf die man sich frühzeitig einordnen sollte.“

Dies bestätigt auch der Verkehrsexperte Hans-Ulrich Sander vom TÜV Rheinland: „Das Reißverschlussverfahren (RVV) gilt immer da, wo eine Fahrspur zu Ende ist oder wo ein Verkehrszeichen es anordnet.“ Beides liegt auf der Brücke aber nicht vor. Bei einem reinen Spurwechsel gelte das RVV demnach nicht, so Sander. „Derjenige, der bereits auf der Spur fährt, hat vor dem, der wechselt, Vorrang.“ Wenn man ein ortskundiger Fahrer sei, solle man deshalb beim reinen Spurwechsel besser weit vorausschauend fahren und früh die richtige Spur wählen.

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Doch könnte das Verfahren eine Chance für die Straßen sein, die noch vor der Theodor-Heuss-Brücke liegen? Laut Leser Christoph beginnt der Stau schon hinter der Einmündung der Kaiserstraße auf die Rheinstraße. „Da fahren dann viele erst mal auf den rechten Fahrstreifen, um schneller über die Kreuzung mit der Großen Bleiche zu kommen.“ Somit werde auf der ganzen Strecke von Große Bleiche bis Bauerngasse eingefädelt. Dadurch entstünden oft gefährlichen Situationen. „Durch Markierung oder Signalgebung müsste den Autofahrern angezeigt werden, dass Einfädeln ganz vorne gewünscht und richtig ist, damit alle schnell weiter kommen könne. Vielleicht auch eine zeitabhängige Fahrbahnfreischaltung, so dass bis zum Hilton zwei der drei Fahrspuren morgens für die Brückenüberquerung reserviert sind“, so Christoph.

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Was die Stadt dazu sagt

Dass es jeden Morgen zu erheblichem Verkehrsaufkommen rund um die Theodor-Heuss-Brücke kommt, weiß auch die Stadt Mainz. Eine Bevorzugung der Autofahrer, die über die Brücke wollen, werde es aber nicht geben, so der Pressesprecher der Stadt Mainz Ralf Peterhanwahr. „Wir müssen allen Verkehrsteilnehmern gerecht werden und können daher keine Spuren für Autofahrer reservieren, die über die Brücke fahren wollen.“ Um auf die Brücke aufzufahren und nach Wiesbaden zu kommen, müssten die Autofahrer am besten die mittlere Spur vor dem Hilton Hotel nehmen.

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