Fast 700 Prozent mehr Grundsteuer - wie kommt es zu diesem Wert?

Könnte die Grundsteuer für Hausbesitzer in Mainz um astronomische 683 Prozentpunkte steigen? Das legt zumindest eine Rechnung des Bundes der Steuerzahler nahe. Was es damit auf sich hat.

Fast 700 Prozent mehr Grundsteuer - wie kommt es zu diesem Wert?

683 Prozent - diese Zahl hat gerade Hausbesitzer und Mieter in Mainz aufhorchen lassen. Um so viel Prozentpunkte könnte die Grundsteuer für Grundstücke in Mainz steigen. Die Betonung liegt auf dem Wort „könnte“, denn der Wert beruht auf einer Modellrechnung des Bundes der Steuerzahler.

Doch warum hat der Verein diese überhaupt angefertigt? Grund dafür ist die geplante Grundsteuerreform, über die derzeit im Bundestag beraten wird. Bis 31. Dezember soll der Entwurf stehen. Die neu berechnete Grundsteuer soll ab dem 1. Januar 2025 gezahlt werden. Ziel ist unter anderem, dass das System vereinfacht werde, so Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) im Bundestag. Grund für die Reform sind veraltete Bewertungsgrundlagen, künftig sollen statt 30 Kriterien, die zur Berechnung nötig sind, nur noch fünf bis acht eine Rolle spielen.

„Das Mainzer Beispiel ist außergewöhnlich“

Für die Modellrechnung hat der Bund der Steuerzahler die Leser seiner Zeitschrift „Der Steuerzahler“ nach eigenen Werten gefragt. „Die Berechnung beruht auf Einzelbeispielen unserer Leser – diese sind nicht repräsentativ, sondern zeigen eine Richtung“, so Isabel Klocke, Leiterin der Abteilung Steuerrecht und Steuerpolitik. Für Mainz habe sich ein Hausbesitzer gemeldet. „Das Mainzer Beispiel ist außergewöhnlich, weil die Grundsteuer in diesem Beispiel aktuell sehr niedrig ist. Sollte der kommunale Hebesatz so bleiben wie bisher, kommen wir auf eine Steigerung von 683 Prozent.“ Konkret handelt es sich bei dem Beispiel um ein Einfamilienhaus mit 100 Quadratmetern Wohnfläche, Baujahr 1998, für das der Besitzer derzeit eine Grundsteuer von 62,50 Euro pro Quartal zahlt. Nach dem neuen Modell würde dieser Betrag auf 489,31 Euro steigen, also um 683 Prozentpunkte.

Stellschraube Hebesatz

Auch Mieter könne eine solche Erhöhung treffen: „Derzeit darf die Grundsteuer auf die Mieter umgelegt werden, sodass letztlich alle Einwohner die Steuer zahlen. Viele wissen das nicht, können den Betrag aber auf ihrer Nebenkostenabrechnung einsehen.“

Damit es nicht zu einer so starken Steigung komme, gebe es eine Stellschraube: die Hebesätze. In Mainz liegt der laut Stadtverwaltung derzeit bei 480 Prozent. „Die Kommunen bestimmen die Hebesätze – das ist die Stellschraube, mit der sie beeinflussen, wie viel teurer oder günstiger das Ganze für den Hausbesitzer wird“, so Klocke. „Der Schlüssel zu einer maßvollen Grundsteuer liegt also bei den Kommunen.“

Bislang sei allerdings noch nicht absehbar, wie sich die Grundsteuerreform auswirke. „Da bislang noch keine flächendeckenden Daten vorliegen, ist eine abschließende Berechnung noch nicht möglich“, sagt Klocke. Auch deswegen möchte sich die Stadt Mainz noch nicht zu der geplanten Grundsteuerreform und dem Umgang mit ihr konkret äußern. Dazu liegen noch keine Details des Gesetzgebers vor, sagt Stadtsprecher Marc André Glöckner. „Wir können noch nicht abschätzen, welche Auswirkungen die Reform hat.“ (pk)

Logo