Clubbetreiber sauer: „Jeden Tag derselbe Müll“

Sie schlossen zuerst und werden wohl als letzte wieder öffnen: Für Clubs und Diskotheken bedeutet die Corona-Krise eine sehr lange Zeit ohne Einnahmen. Der Betreiber des „Bellini Clubs“ setzt jetzt ein Zeichen – und macht seinem Ärger Luft.

Clubbetreiber sauer: „Jeden Tag derselbe Müll“

Wer derzeit auf der Rheinallee am Mainzer Nordbahnhof vorbeikommt, sieht die Botschaft klar und deutlich: „Rettet die Clubs“ wurde dort mit Großbuchstaben neben das „Bellini“ gesprüht. Den Club am Rande der Mainzer Neustadt ereilte im März dasselbe Schicksal wie alle anderen Clubs und Diskotheken in Deutschland: Sie mussten auf unbestimmte Zeit schließen. Auch fast ein Jahr später ist keine Öffnung in Sicht.

„Mit der Aktion wollen wir auf den Notstand der Clubs aufmerksam machen“, sagt Inhaber Matteo Bellini gegenüber Merkurist. Von der Politik fühle er sich im Stich gelassen. „Es kommt einfach nichts, man macht uns keine Hoffnung mehr. Am Anfang war immer mal von der Veranstaltungsbranche die Rede, jetzt hört man gar nichts mehr.“

Staatliche Hilfen reichten für zwei Monate

Dasselbe gelte auch für die staatlichen Hilfen. Bellini sagt: „Von der Novemberhilfe kam noch kein Cent, genauso wenig von der Dezemberhilfe. Und in einer Woche haben wir Februar.“ Lediglich für die Monate März bis Mai habe er Geld bekommen – insgesamt 9000 Euro. „Das hat etwa für zwei Monate gereicht.“ Denn Fixkosten wie Miete und Strom müssen Clubbetreiber auch weiterhin zahlen. „Es gibt da auch gar keinen richtigen Ansprechpartner. Man kann eine Mail schreiben und bekommt dann als Antwort, dass der Fall bearbeitet wird.“

Im Sommer habe Bellini immerhin seinen Außenbereich als Barbetrieb öffnen können. „Aber das ist einfach nicht dasselbe. Die Leute wollen wieder bis zum Morgen tanzen.“ Andere Clubs hätten auch im Sommer keine Möglichkeit gehabt, zu öffnen. Für viele sei die Situation noch etwas härter als für ihn. „Jeder Club hat vorher unterschiedlich gewirtschaftet, hat unterschiedliche Kosten. Bei mir ist das noch human, andere müssen fünfstellige Mieten zahlen.“

Von den Aussagen der Politiker ist Bellini nur noch genervt. „Ich beobachte die Situation und kann es ehrlich gesagt nicht mehr hören. Man wird alleingelassen. Im Fernsehen kommen immer nur irgendwelche Zahlen. Es wird gar nicht auf die Menschen eingegangen. Jeden Tag der selbe Müll.“

„Wir wollen vor allem Aufmerksamkeit“

Außerdem setze die Politik auf die falschen Maßnahmen. Bellini sagt: „Lasst doch die jüngeren Leute wieder mehr ihr Leben leben. Und entwickelt Konzepte, wie man Ältere effektiv schützen kann, ohne sie wegzusperren.“ Außerdem sei von Anfang an immer erzählt worden, dass die Pandemie erst mit einer Impfung in den Griff zu bekommen sei. „Wie kann es dann sein, dass in Deutschland der Impfstart komplett verpennt wurde?“

Mit dem Graffiti neben seinem Club will Bellini nun auf die verzweifelte Lage der Clubbetreiber aufmerksam machen. Ein Stammgast des Bellini Clubs hat die Botschaft an die Wand gesprüht. Auch Bellinis dazugehöriger Beitrag auf Facebook wurde schon rund 80 Mal geteilt. „Es ist auch ein kleiner Hilferuf, aber vor allem wollen wir Aufmerksamkeit“, so Bellini. „Ich weiß nicht, wie viele Clubs es überleben werden.“

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