Wer in Mainz die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt, muss sich auf lange Wartezeiten einstellen. In manchen Fällen dauert die Bearbeitung bis zu drei Jahre. Das geht aus einer Antwort der Stadtverwaltung auf eine Anfrage der FDP-Stadtratsfraktion hervor.
Die kürzeste Bearbeitungszeit liegt laut Stadt bei rund sechs Monaten, die längste bei zwei bis drei Jahren. Eine durchschnittliche Dauer kann die Verwaltung nicht nennen, da dies nicht auswertbar sei. Die Zahl der Anträge ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen: Wurden 2024 noch 1050 Anträge gestellt, waren es 2025 bereits 2007. Demgegenüber stehen 566 abgeschlossene Einbürgerungen im Jahr 2024 und 995 im Jahr 2025.
Immer mehr Klagen gegen die Stadt
Die langen Verfahren führen dazu, dass immer mehr Antragsteller eine sogenannte Untätigkeitsklage einreichen. Gab es im gesamten Jahr 2025 insgesamt 21 solcher Klagen, waren es allein bis Anfang Juni 2026 schon ebenso viele.
Für die Stadt bedeutet jede Klage zusätzlichen Aufwand und Kosten. So müssen Akten für das Gericht kopiert und Stellungnahmen verfasst werden. Im Jahr 2025 beliefen sich die Verfahrenskosten auf insgesamt rund 12.500 Euro. Die Verfahren werden in der Regel beendet, sobald die Einbürgerung erfolgt ist.
Stadt will Prozesse verbessern
Die Verwaltung strebt nach eigenen Angaben kürzere Bearbeitungszeiten an, ist dabei aber auch auf die Zuarbeit anderer Behörden angewiesen. Um die Wartezeiten zu verkürzen, habe die Stadt seit 2024 Personal eingestellt, einen Online-Antrag eingeführt und interne Verfahren umgestellt. Für das Jahr 2027 sei die Einführung der elektronischen Akte geplant, was die Sachbearbeitung weiter vereinfachen soll.
Die Stadt räumt ein, dass die Kommunikation mit den Antragstellern verbesserungswürdig sei. Aufgrund der hohen Anzahl an Anfragen sei es aber nicht möglich, auf jede einzelne zu antworten, wenn gleichzeitig Anträge bearbeitet werden müssten.