Dramatische Situation: Mainzer Tafel am Limit

Die Mainzer Tafel ist am Limit. Die Zahl der Neuaufnahmen hat sich verfünffacht, Personal und Kapazitäten kommen an ihre Grenzen. Wir haben mit dem Vorsitzenden des Vereins gesprochen.

Dramatische Situation: Mainzer Tafel am Limit

Wer nur wenig Geld zum Leben hat, kann sich sein Essen bei der Tafel abholen – für lediglich 1,50 Euro pro erwachsener Person. Der Verein sammelt Lebensmittel für Bedürftige und gibt sie an bestimmten Tagen an die Menschen aus. Seit etlichen Monaten jedoch sind die Schlangen vor der Ausgabe in der Heidelbergerfaßgasse besonders lang.

Bereits Anfang April hatte der Verein zu Privatspenden aufgerufen, im Mai musste zum ersten Mal ein Aufnahmestopp verhängt werden, es konnten keine Bedürftigen mehr aufgenommen werden (wir berichteten). Der Grund: Zum einen Engpässe bei den Lebensmitteln, zum anderen eine gestiegene Nachfrage. Damals lag das Limit bei 1700 Menschen.

100 Neuaufnahmen im Monat

Inzwischen sind es mehr als 2000 Abholer. „Im August gab es 100 Neuaufnahmen“, erklärt Dieter Hanspach, erster Vorsitzender der Mainzer Tafel. Normalerweise seien das 20 bis 25 Leute, die einen Berechtigungsschein neu beantragen. Daher können seit dem 1. September wieder keine neue Menschen aufgenommen werden. „Mehr geht nicht aktuell“, so Hanspach. Das Personal komme an seine Grenzen, die Räumlichkeiten sind begrenzt.

Normalerweise gibt die Tafel lediglich Lebensmittel aus, die überschüssig, aber noch verwertbar sind. Eingesammelt werden diese mit insgesamt sechs Kühlwagen, etwa bei Supermärkten oder Bäckereien. „Wenn Engpässe sind, kaufen wir aber auch Lebensmittel zu“, erklärt Hanspach. Finanziert und getragen wird die Tafel ausschließlich von Spenden.

Eine Unterstützung von Seiten der Kommunen sei nicht geplant und von den Institutionen bisher auch noch nicht thematisiert worden, teilt der Mainzer Sozialdezernent Dr. Eckart Lensch (SPD) mit. Die AfD hatte bei der Stadtverwaltung angefragt, inwieweit sie die Arbeit der Tafel sowie des Brotkorbs der Caritas gerade in der jetzigen Situation unterstützt. Im Stadtrat sei bislang lediglich der Wunsch geäußert worden, bei der Suche nach einer größeren beziehungsweise geeigneteren Liegenschaft zu unterstützen. „Die Stadt kommt diesem Wunsch bereits nach“, so Lensch. „Erste Überlegungen beziehungsweise Hinweise konnten jedoch noch nicht realisiert werden.“

Auf die Frage, welche anderen Hilfsmaßnahmen es von Seiten der Stadt gebe, um Bedürftige mit Lebensmitteln zu versorgen, sagt Lensch nur: „Die Versorgung Bedürftiger wird von der Stadt Mainz im Rahmen der bestehenden bundeseinheitlichen Leistungsgesetze sichergestellt.“

Keine Wohnungslosen zurückgewiesen

Dass es so viele Bedürftige momentan gibt, liegt laut Tafel-Vorsitzendem Hanspach wohl nicht nur an den gestiegenen Lebenshaltungskosten. „Durch die ukrainischen Flüchtlinge haben wir einen enormen Zuwachs“, so Hanspach. Anspruch hat prinzipiell jeder, der nachweislich Grundsicherung erhält, Hilfe zum Lebensunterhalt oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Dass aber aktuell Menschen ohne festen Wohnsitz zurückgewiesen würden, stimme nicht, sagt der Vorsitzende. Dieser Vorwurf erhob ein Merkurist-Leser in einem Snip. Meistens würden sich Wohnsitzlose jedoch bei den Foodsharing-Regalen etwas zu essen holen, die ebenso regelmäßig gefüllt werden und frei zugänglich an verschiedenen Stellen in der Stadt stehen. Jedoch könne es sein, dass durch den Aufnahmestopp auch Wohnsitzlose betroffen seien.

Nun müsse demnächst geprüft werden, ob im Oktober wieder neue Menschen aufgenommen werden können. Plätze können nur frei werden, wenn andere abgesprungen sind, etwa weil sie Arbeit gefunden haben.

Wer die Tafel unterstützen möchte, kann dies in Form von verwertbaren Lebensmitteln (am besten Haltbares) oder Geldspenden tun. „Wir sind dankbar für jede Hilfe“, so Hanspach. Weitere Informationen findet ihr auf der Webseite des Vereins.

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