So ist der aktuelle Stand der Bauarbeiten am Zollhafen

Seit Jahren wird am Zollhafen ein neues Quartier gebaut. Hat die Corona-Pandemie die Bauarbeiten in Verzug gebracht oder läuft alles nach Plan?

So ist der aktuelle Stand der Bauarbeiten am Zollhafen

Wer regelmäßig am Zollhafen spazieren geht, kann seit Jahren beobachten, wie sich ein neues Stadtquartier rund um das 80.000 Quadratmeter große Hafenbecken entwickelt. Dort entstehen neue Wohn- und Bürokomplexe, Grünflächen und eine Flaniermeile - alte Gebäude wurden saniert. In Zukunft soll das Quartier Platz für 2500 Bewohner und etwa 4000 Arbeitsplätze bieten. Wie laufen die Bauarbeiten und wann sind alle Gebäude fertiggestellt? Darüber informierte die Mainzer Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) gemeinsam mit Verantwortlichen des Projekts bei einem Pressegespräch.

„Das war der schwierigste Bebauungsplan, den die Stadt bisher gesehen hat.“ - Marianne Grosse, Baudezernentin

„Das war der schwierigste Bebauungsplan, den die Stadt bisher gesehen hat. Alle Komplikationen, die es auf der Welt gibt, findet man dort und wir haben sie alle bewältigt“, sagt Grosse. Erst nachdem der Plan vier Mal offen lag, bekam er Rechtskraft. Um das Quartier überhaupt bauen zu können, musste außerdem das Güterverkehrszentrum, das dort zuvor war, auf die Fläche nördlich der Kaiserbrücke umziehen.

Mittlerweile sind viele der insgesamt 30 Baufelder bereits bebaut. 12 Gebäude wurden bereits errichtet oder saniert und bezogen, sechs befinden sich noch im Bau und für fünf weitere wurden Wettbewerbsverfahren durchgeführt. Auch das Quartiersparkhaus, das Platz für 400 Fahrzeuge bietet, wurde vor Kurzem von der PMG in Betrieb genommen. Um die Gestaltung der zukünftigen Grünflächen an der Nordmole wird sich das Büro „SINAI Landschaftsarchitekten“ aus Berlin kümmern. Erst Ende des vergangenen Jahres setzten sich die Architekten mit ihrem Konzept in einem Freiraumwettbewerb gegen fünf weitere Büros durch. Dort sollen unter anderem eine Parkwiese als Liege- und Freizeitfläche, Fitness- und Bewegungsangebote, mehrere Aufenthaltsbereiche und ein Ort für eine temporäre Gastronomie entstehen.

„Wir sind auf der Zielgeraden angelangt.“ - Daniel Gahr, Mainzer Stadtwerke

Verantwortlich für die Entwicklung des Quartiers und Eigentümer der Fläche ist die Zollhafen Mainz GmbH & Co. KG – ein Unternehmen der CA Immo Deutschland GmbH und der Mainzer Stadtwerke AG. Trotz der Pandemie laufe alles nach Plan, wie Daniel Gahr, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke, erklärt. „Es ist nicht selbstverständlich, dass es so reibungslos läuft. Wir sind auf der Zielgeraden angelangt.“ Bis 2023/24 seien voraussichtlich alle Baufelder vermarktet. 2026 sollen dann alle Wohnungen und Gewerbeeinheiten gebaut sein.

Naturschwimmbad weiterhin in Planung

Ein weiteres mögliches Projekt am Zollhafen steckt währenddessen noch mitten in der Planung. Der Mainzer Diplom-Ingenieur Alexander Kiefer möchte unter dem Namen „Heilige Makrele“ ein Naturschwimmbad im Nordbecken bauen lassen. Seine Vorstellung: Das Wasser wird durch ein spezielles biologisches Filtersystem so rein, dass es ohne Chlor auskommt. Besucher können die langen Bahnen zum Schwimmen nutzen, oder auf Holzdecks, Inselpontons und an Sand- und Kiesstränden Sonne tanken.

Sein auf Wasserbau spezialisiertes Ingenieurbüro Francke + Knittel GmbH hatte bereits 2015 die Marina im Zollhafen geplant. Kiefers Tochter brachte ihn dann im vergangenen Jahr auf die Idee, ein Schwimmbad in das Becken zu bauen. „Das wäre ein Leuchtturmprojekt für Mainz und für mich wäre es das schönste, wenn ich meiner Lieblings- und Heimatstadt so etwas schenken könnte“, sagte Kiefer dazu gegenüber Merkurist.

„Die Mainzer Stadtwerke werden sich finanziell nicht engagieren können.“ - Daniel Gahr, Mainzer Stadtwerke

Noch ist allerdings nicht klar, ob das Projekt umgesetzt werden kann. „Wir kennen das Gebiet sehr gut und sehen natürlich Punkte, die gegen eine Realisierung sprechen“, sagt Daniel Gahr von den Stadtwerken. Letztlich sei es auch eine finanzielle Frage: „Wir wollen Herr Kiefer nicht bremsen, aber was klar ist: Die Mainzer Stadtwerke werden sich finanziell nicht engagieren können. Das könnte am Ende ein Knackpunkt sein. Auf der anderen Seite: Wenn jemand etwas so engagiert in die Hand nimmt - und Herr Kiefer hat ja auch die Expertise - warum nicht?“

Kiefer und sein Team fertigen derzeit eine Machbarkeitsstudie an, in der alle planungsrechtlichen Kriterien, Rahmenbedingungen und Entwurfspläne festgestellt werden. Dass sich die Stadt nicht finanziell beteiligen will, weiß der Ingenieur. Deshalb will das Team auch verschiedene Finanzierungsmodelle entwerfen, um die Idee des Hafenbads auch ohne finanzielle Unterstützung der Stadt umsetzen zu können.

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