„Besonderer Affront“: Wissenschaftler schreiben Wutbrief an Uni-Leitung

Da ihre Arbeitsverträge überwiegend nur befristet sind, schlagen die wissenschaftlichen Mitarbeiter an der Uni Mainz Alarm. In einem öffentlichen Brief an die Hochschulleitung machen sie ihrem Ärger Luft.

„Besonderer Affront“: Wissenschaftler schreiben Wutbrief an Uni-Leitung

Um auf ihre prekären Beschäftigungsverhältnisse aufmerksam zu machen, haben die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Johannes Gutenberg-Universität (JGU) einen offenen Brief an die Hochschulleitung geschrieben. Darin kritisieren sie unter anderem, dass sie überwiegend befristete Arbeitsverträge erhalten. Zudem nehmen die Mitarbeiter Stellung zu der umstrittenen „Bayreuther Erklärung“, die auch die Mainzer Hochschulleitung mitunterzeichnet hat. In dieser Erklärung werden die Befristungen an deutschen Universitäten quasi als Beitrag gewertet, der zur Qualitätssicherung an den Hochschulen beitrage. Dadurch könnte sichergestellt werden, dass immer wieder qualifizierte Kräfte nachrücken könnten.

Mehr Wertschätzung gefordert

Für die Mitarbeiter ist diese Einstellung nicht hinnehmbar. „Mit großem Unverständnis haben wir die ‘Bayreuther Erklärung’ zu befristeten Beschäftigungsverhältnissen aufgenommen. Die ‘Bayreuther Erklärung’ stellt die befristet Beschäftigten und damit hochqualifizierte Mitarbeiter mit hervorragendem Hochschulabschluss, nicht selten abgeschlossener Promotion, als nicht ausreichend qualifizierten Wissenschaftsnachwuchs dar.“ Die Erklärung rechtfertige ein System, das prekäre Beschäftigung zum vermeintlichen Wesen der Wissenschaft erhebe, heißt es im Schreiben an Uni-Kanzlerin Dr. Waltraud Kreutz-Gers sowie an den Uni-Präsidenten Prof. Dr. Georg Krausch.

Dann werden die Mitarbeiter noch konkreter: „Dass es im Wesentlichen die wissenschaftlichen Mitarbeiter sind, die lehren und damit die Fachkräfte von morgen ausbilden; die einen großen Anteil der Universitätsabschlüsse (Bachelor und Master) vergeben, all das wird von Ihnen, Frau Dr. Kreutz-Gers, und den anderen Kanzlern übersehen – oder schlichtweg ignoriert.“

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter fordern die Uni-Leitung zum Umdenken auf: „Als Beschäftigte der JGU empfinden wir die ‘Bayreuther Erklärung’ als besonderen Affront.“ Die Erklärung mache deutlich, dass die Hochschulleitung der Universität wissenschaftlicher Arbeit nicht die gebotene Wertschätzung entgegenbringe. „Besonders schmerzlich ist das an einem Standort wie Mainz, an dem Lehre und Forschung auf internationalem Topniveau nur durch das besondere Engagement der (befristeten) Mitarbeiter sicherzustellen sind. Wir erwarten, dass Sie Ihre Positionen überdenken, um die Stellensituation des wissenschaftlichen Mittelbaus zu verbessern“, heißt es in dem Brief.

Doch wie reagiert man an der JGU auf den offenen Brief? Auf Anfrage von Merkurist teilt die Pressestelle mit, dass der Präsident der JGU in regelmäßigem Austausch mit den Vertretern der wissenschaftlichen Mitarbeitern sei. Das nächste Treffen werde bereits in dieser Woche stattfinden. Dabei werde es auch Gelegenheit geben, über die „Bayreuther Erklärung“ zu sprechen.

Politik reagiert

Mittlerweile hat die Politik eine erste Antwort auf die Forderung der Wissenschaftler geliefert. So hat das rheinland-pfälzische Wissenschaftsministerium am Montag bekanntgegeben, dass das Land den Hochschulen für die Jahre 2021 bis 2023 jährlich 140 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Zudem werden im Zuge der „Hochschulinitiative für gutes Studium und gute Lehre“ dauerhaft über 750 Stellen an den Hochschulen entfristet. Dies sei die größte wissenschaftspolitische Maßnahme seit Jahrzehnten, so das Ministerium.

An der JGU bewertet man den Vorstoß der Politik „als Verhandlungserfolg“. Demnach soll die Hochschule mittelfristig mehr als 19 Millionen Euro pro Jahr erhalten. Die vom Land geplante Anzahl von Dauerstellen sei allerdings nicht ausreichend, um hinreichend viele der befristeten Anstellungen in unbefristete Stellen umwandeln zu können, erklärt JGU-Präsident Krausch. „Hier sind wir weiterhin im Gespräch. Wir haben allerdings den Eindruck, dass sich die Landesregierung auf die Hochschulen zubewegt“, so Krausch. (pk)

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