Mainzer Ladenbesitzerin: „Ich habe Umsatzeinbußen von zwei Dritteln“

Nicht nur in der Boppstraße wird derzeit gebaut, auch die Einmündung der Kurfürstenstraße ist gesperrt. Darüber ärgern sich einige Einzelhändler - und kritisieren das Vorgehen der Stadt.

Mainzer Ladenbesitzerin: „Ich habe Umsatzeinbußen von zwei Dritteln“

Seit Anfang Oktober ist die Einmündung der Kurfürstenstraße wegen Bauarbeiten gesperrt. Die Auswirkungen spüren auch einige Einzelhändler in der Gegend - selbst hinter dem Gartenfeldplatz. „Ich bin auf Laufkundschaft angewiesen. Doch im Moment kommt wegen der Sperrung viel weniger Kundschaft zu uns. Ich habe Umsatzeinbußen von zwei Dritteln“, sagt Jana Blume, die hier das Vintage-Mode-Geschäft „Zweitstelle“ betreibt. „Die ersten Wochen dachte ich, es liege an mir. Meine Angestellten haben teilweise Angst, mir die Umsätze des Tages zu melden. Das tut mir total leid, weil ich ja weiß, dass sie ihr Bestes geben.“

November und Dezember seien eigentlich die umsatzstärksten und damit wichtigsten Monate. „Dieses Mal hatten wir wegen der Sperrung aber starke Verluste. Das sollte der Januar wieder auffangen - nur besteht die Sperrung ja immer noch.“ Besonders auffällig: Gerade Radfahrer, die oft vor ihrem Laden anhalten und dann bei ihr stöbern, meiden derzeit die Strecke, sagt Blume. „Das hat enorm abgenommen, die meisten fahren halt lieber die schönen Strecken als durch das Baustellenkreuz, wo sie dann noch einmal absteigen müssen.“

Auch Tina Beitz, Inhaberin der Stern Apotheke, hat mit Einbußen zu kämpfen. „Ich bekam etwas Panik, da immer weniger Kunden kamen. Im Endeffekt sind es zehn Prozent weniger als üblich. Da ist man schon etwas angespannt.“ Eigentlich sei sie davon ausgegangen, dass die Sperrung auf ihr Geschäft keine Auswirkungen habe. „Die Leute haben ja ihre Rezepte und lösen sie ein.“ Matthias Dölger, Besitzer der Buchhandlung „Bukafski“, sagt: „Natürlich ist die Situation für alle Geschäfte in der Umgebung der Boppstraße momentan nicht optimal. Dem Gefühl nach hätte gerade das für den Buchhandel wichtige Weihnachtsgeschäft etwas stärker ausfallen dürfen.“

Kritik der Einzelhändler

Blume und Beitz kritisieren vor allem das Vorgehen der Stadt. „Der Abschnitt Kurfürstenstraße war in den Vorplanungen gar nicht erwähnt. Umso überraschter war ich, als die Einmündung Anfang Oktober gesperrt wurde. Wir dachten, die paar Wochen, das überstehen wir schon“, sagt Beitz. „Dieses Jahr feiert meine Apotheke 50-jähriges Bestehen. Daher wollte ich eigentlich umbauen. Das habe ich nun aber erst einmal verschoben.“ Und Blume ergänzt: „Die Arbeiten sollten nach Aussage der Stadt Ende Dezember abgeschlossen sein. Das ist nicht der Fall.“

Sie fühlt sich von der Stadtverwaltung nicht ernst genommen. „Ich finde es schade, dass die Einzelhändler nicht in die Planungen einbezogen worden sind. Ich hätte mir da mehr Kommunikation gewünscht. Da vermisse ich das Miteinander.“ Dölger sagt: „Von Seite der Stadt wünschen wir uns natürlich, die Situation nicht unnötig lang, etwa durch bürokratische Hürden, aufrecht zu erhalten und hoffen, dass eine neue und verschönerte Boppstraße uns und alle anderen Gewerbetreibenden für die schwierige Zeit entschädigt.“

Das sagt die Stadt

Die Stadtverwaltung sieht indes kein Problem an der Kurfürstenstraße. Es habe bislang keine negativen Rückmeldungen der Gewerbetreibenden gegeben, sagt Ellen König von der Pressestelle der Stadt Mainz. Ausgleichszahlungen werde es ebenfalls nicht geben. Ein Anspruch darauf bestehe nur, wenn die sogenannte Opfergrenze überschritten werde. Bei Umwegen oder Sichtbehinderungen sei dies beispielsweise nicht der Fall, so König. In Einzelfällen aber kann laut Industrie- und Handelskammer Köln eine Entschädigung gezahlt werden, etwa wenn die Existenz des Betriebs gefährdet ist.

Zudem seien die Arbeiten in der Kurfürstenstraße angekündigt worden. „Das wird auch aus den Präsentationen von Juni 2018 und Mai 2019 ersichtlich.“ An dieser Stelle werden Gas- und teilweise auch Wasseranschlüsse in mehreren Wohnungen erneuert. Dafür müssen die Wohneinheiten für die Arbeiter zugänglich sein. „Bei einem im Dezember geplanten Termin war dies aber nicht der Fall, sodass diese Arbeiten nicht durchgeführt werden konnten“, sagt König. „Ein neuer Termin findet nun in der ersten Februarwoche statt.“ Zudem habe ein größerer Rohrschaden in der Josefsstraße zu Verzögerungen geführt. „Ziel ist, dass die gesamten Arbeiten bis Mitte Februar abgeschlossen werden können.“

Auch die Kritik der Einzelhändler an der Kommunikation mit der Verwaltung weist die Stadt zurück. „Wir haben diesbezüglich keine Rückmeldung erhalten.“ Es liegen genügend Informationen aus, die Quartiersmanager seien ansprechbar bei Problemen. Außerdem habe es vor Baubeginn zwei Beteiligungs- sowie Informationsveranstaltungen gegeben. Auch zu einer Baustellen-Sprechstunde seien die Einzelhändler eingeladen worden, so König.

„Es geht hier um Existenzen, auch von Mitarbeitern.“ - Jana Blume, Einzelhändlerin

Jana Blume kann das nicht verstehen. „Ich finde, das ist zu einfach gedacht.“ Sie habe keine Informationen erhalten, weder per Post noch sei jemand persönlich vor Ort gewesen. „Wir Einzelhändler fühlen uns ohnmächtig.“ Das bestätigt auch Apothekerin Tina Beitz. „Man resigniert schon beziehungsweise denkt: Hoffentlich geht die Straße nächste Woche auf.“

Blume habe mehrfach versucht, die Stadt zu kontaktieren - bisher habe es aber keine Rückmeldung gegeben. „Meine Existenz hängt davon ab“, sagt sie. „Ich verstehe, dass die Arbeiten nötig sind, aber für meine Begriffe passiert nichts an der Boppstraße / Ecke Kurfürstenstraße. Ich sehe da nie jemanden arbeiten - außer, dass dort morgens die Autos abgestellt werden.“ Das sagt auch Beitz: „Ich bin mir sicher, dass nie besprochen wurde, dass die Straße komplett gesperrt wird. Die Baustelle vor unserer Tür wird momentan eher als Parkplatz genutzt.“ Und Blume fügt hinzu: „Es geht hier um Existenzen, auch von Mitarbeitern. Es wird nichts dafür getan, dass man den Einzelhandel, der die Stadt Mainz prägt, unterstützt.“

Bis zum geplanten Ende der Arbeiten Mitte Februar will Blume durchhalten. Dass der Termin eingehalten werde, daran glaube sie aber nicht. „Sollten die Arbeiten immer noch nicht beendet sein, muss ich mich entscheiden, was ich mache. Und wenn ich aus diesem Grund meinen Laden schließen muss, wäre das der ungerechteste Weg, nachdem ich drei Jahre lang daran gearbeitet habe, dort etwas aufzubauen. Das tut dann richtig weh.“ (rk/pk)

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