Was passiert mit den historischen Forts am Hartenberg?

Neben dem Hartenbergpark entstehen neue Wohnungen. Teilweise kollidieren die Baupläne mit den historischen Forts. Was passiert mit den alten hauptsächlich unterirdischen Bauten, wenn die Arbeiten beginnen?

Was passiert mit den historischen Forts am Hartenberg?

Bis zu zehn Meter unter dem Hartenbergpark liegen die Überreste des Forts Hartmühl und des Forts Hartenberg - alten Befestigungsanlagen. Nun entstehen mit dem Projekt „Wohnen am Hartenbergpark“ neue Wohnhäuser, die teilweise dort gebaut werden sollen, wo die Festungen sind. Die Immobiliengesellschaft Emag GmbH und die Wohnbau Mainz GmbH sind die Investoren des Projekts; sie wollen mit den eigentlichen Bauarbeiten zum Jahreswechsel beginnen. Viele Leser fragen sich nun, was mit den Forts passieren soll. Was spricht für die Erhaltung der Forts und was sind überhaupt die Pläne der Bauherren?

Interessengemeinschaft gegründet

Widerstand gibt es bereits gegen das Projekt. So gründeten einige Bürger eine Interessensgemeinschaft: die IG Hartenbergpark. Ihr Ziel ist es, den Hartenbergpark weiterhin so zu nutzen wie bisher: zum Grillen, Spielen und Seilbahn-Fahren. Durch die künftige Bebauung werde dies jedoch schwierig. Auf der Internetseite der IG heißt es: „Die Interessensgemeinschaft Sportplatz im Hartenbergpark sorgt sich um die Qualität des Hartenbergparks und setzt sich für den Erhalt und den Ausbau des Parks und des angrenzenden Sportplatzes ein.“ Auch die alten Festungsanlagen kommen zur Sprache. Die Interessensgemeinschaft setzt sich zwar nicht vordergründig für die Forts ein, doch es liegt auch in ihrem Interesse, sie zur weiteren Aufwertung des Parks zu erhalten.

Andreas Scherer ist Festungs-Experte und forscht seit über 15 Jahren zu Festungsanlagen. Er ist ebenfalls davon überzeugt, dass die Überreste der Forts erhalten bleiben sollten. Sie seien bereits zwischen 1826 und 1834 entstanden und dienten zur Verteidigung gegen feindliche Angriffe. Nachdem die Festungen teilweise abgerissen wurden, nutzten Ausgebombte vor allem die unterirdischen Räume als Notwohnungen. Aus dieser Zeit seien Tapeten und Einrichtungen erhalten. Scherer sagt: „Hier könnte an einem authentischen Ort demonstriert werden, wie beengt die Ausgebombten nach 1945 gelebt haben.“ Außerdem seien die Forts im Hartenbergpark zwei der wenigen noch vorhandenen Forts aus dem frühen 19. Jahrhundert.

Unterschiedliche Leser-Meinungen

Nicht alle sind der Meinung, dass die Festungsanlagen erhalten werden sollten. Leser Phil schreibt: „Wollen wir alles, was wir ausbuddeln aufheben oder mal an die Zukunft denken? Man muss nicht alles, was unter der Erde liegt, auf irgendeine Art schützen und erhalten. Wir wollen auch mal eine moderne Stadt.“ Dieser Kommentar löste bei den Lesern Diskussionen aus, wobei sich die meisten dafür aussprachen, die Überreste zu erhalten.

Mainz ist Mitglied im Netzwerk der Festungsstädte Forte Cultura, einer Nicht-Regierungsorganisation, die sich zur Erhaltung des Kulturerbes von Festungsstädten einsetzt. Unter diesem Aspekt liege es laut Scherer nahe, die Forts im Hartenbergpark nicht zu entfernen, sondern sie im Gegenteil zugänglich zu machen. „Es wäre in meinen Augen schon seltsam, dass eine Stadt in einem Festungsnetzwerk gut erhaltene und auch nutzbare sowie sehenswerte Reste einfach abreißen lässt“, sagt Scherer.

Alte Forts als Treffpunkt mit Park und Museum?

Er stellt sich die Forts als weiteren Treffpunkt für Anwohner vor, der eventuell ein Museum und ein Restaurant mit einschließen könnte. „Gärtnerisch attraktiv gestaltet kann dieser Festungsrest nicht nur für Fachbesucher interessant sein“, so Scherer. Luxemburg habe es vorgemacht: Dort sollten die Reste des Forts Lambert einem Parkhaus weichen. Nach Protesten der Bürger wurde das Fort in das Parkhaus integriert und durch eine Parkanlage aufgewertet.

Die ersten Baumaßnahmen des Projekts „Wohnen am Hartenbergpark“ haben aber bereits begonnen (wir berichteten). Mit den Tiefgaragen und dem Rohbau der Häuser wird jedoch erst am Ende dieses Jahres begonnen. Laut Claudia Giese, der Pressesprecherin der Wohnbau Mainz GmbH, ist der Bebauungsplan am 9. Mai im Stadtrat verabschiedet worden. „Im Rahmen der Entwicklung des Bebauungsplans sind auch die denkmalschutzrechtlichen Belange abgestimmt worden“, sagt Giese. Der Plan regelt genau, welche Bereiche der Forts entfernt werden dürfen und welche erhalten bleiben müssen. Dort wo die Gemäuer der Forts auf die geplanten neuen Wohnungen treffen, müssen sie ihnen weichen. Außerdem werden die Forts laut Giese in absehbarer Zeit nicht für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht oder in anderer Form genutzt.

Logo