Rätsel gelöst: Das steckt hinter dem goldenen Turm in der Großen Langgasse

Gleich mehrere vermeintliche Bauprojekte in der Großen Langgasse sorgten in den vergangenen Wochen für Diskussionen. Jetzt ist klar, was hinter den Bauvorhaben steckt.

Rätsel gelöst: Das steckt hinter dem goldenen Turm in der Großen Langgasse

Es waren ambitionierte Pläne, die in der Großen Langgasse vermeintlich umgesetzt werden sollten: Zunächst sollte ein goldener Turm entstehen, der „innovatives Wohnen im Herzen der Stadt“ biete (wir berichteten). Dann wies ein neues Plakat in der Straße auf den Bau eines riesigen Windrads hin, das die lokale Energieversorgung sicherstellen werde (wir berichteten). Es folgten weitere Projekte, die ebenfalls angeblich in der Großen Langgasse entstehen sollten.

Verantwortlich war jeweils „Mainz4All“, das auch auf einer Webseite die Projekte anpries. Nachdem Merkurist über die vermeintlichen Bauprojekte berichtete, wurde in den sozialen Medien kontrovers diskutiert. Der goldene Wohnturm wurde mit Biontech, Donald Trump oder mit dem Wohngebäude Pandion Doxx im Zollhafen in Verbindung gebracht. Bei dem Windrad vermuteten viele Leser schon einen Aprilscherz.

„Schandfleck“ als Anstoß für Projekt

Um einen Scherz handelte es sich nicht – um reale Bauprojekte aber auch nicht. Wer sich das Impressum der „Mainz4All“-Webseite genauer angeschaut hatte, konnte direkt einen Zusammenhang zur Kunsthochschule entdecken. Denn das ist auch die Lösung des Rätsels: Bei den vermeintlichen Bauvorhaben handelte es sich um ein Gemeinschaftsprojekt der Kunsthochschule und des Instituts für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität.

„Ich begrüße Sie im Namen der Firma Mainz4All“, sagte Professor Martin Schwenk ironisch, als er das Projekt am Mittwochabend zusammen mit Dr. Christian Berger vorstellte. Als Ort für die Präsentation wurde die „Apotheke“ gewählt, die zusammen mit der „Orangerei“ seit vier Jahren externer Ausstellungsraum in der Großen Langgasse war. Die Räume sollten die Arbeiten der Kunsthochschule in der Innenstadt sichtbar machen – und dazu trug nun auch das Abschlussprojekt „Mainz4All“ bei.

Sowohl Passanten seien immer wieder auf die vermeintlichen Bauvorhaben aufmerksam geworden als auch die Medien. Im Ausstellungsraum wurde ein Banner ausgerollt mit Artikeln von der „Allgemeinen Zeitung“ und von Merkurist sowie allen Social-Media-Kommentaren zu den Artikeln. „Wir wollten subversiv vorgehen, polarisieren und Diskussionen anregen“, sagte Schwenk. Die Idee zum Projekt sei durch einen Artikel gekommen, in dem der Bereich um die Ausstellungsräume in der Großen Langgasse als „Schandfleck“ bezeichnet worden sei.

Kunsthochschule sucht neuen Raum

Mit den Bauprojekten wollte man ernsthafte Fragen anstoßen: Was ist ein Schandfleck? Was soll bleiben? Was soll weg? Wie wollen wir in Zukunft in einer Stadt leben? Um das Projekt zu realisieren, hätten die Studenten sehr viel Zeit investiert, auch in der vorlesungsfreien Zeit. Die Webseite wurde im typischen Werbesprech gestaltet, was immer wieder „für Heiterkeit und Übelkeit“ gesorgt habe, so Schwenk. Schließlich sei das Ziel erreicht worden: eine hohe Öffentlichkeitswirkung und Fragen, die ins Unterbewusstsein der Menschen eindringen.

Der „Schandfleck“ in der Großen Langgasse wird übrigens verschwinden: Die Mainzer Wohnbau will dort bis Ende 2024 zwei neue Wohngebäude errichten (wir berichteten). Die Kunsthochschule, die am Taubertsberg sitzt, ist jetzt erst einmal ohne externen Raum in der Innenstadt. Das soll sich bald ändern. Dr. Martin Henatsch, Rektor der Kunsthochschule, sagte: „Wir suchen ab sofort einen neuen Raum.“

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