So geht es am Zollhafen weiter

Das Quartier am Zollhafen nimmt immer weiter Gestalt an. Wie weit ist der Bau und werden die Mainzer tatsächlich bald im Hafenbecken schwimmen gehen können?

So geht es am Zollhafen weiter

Es ist ein warmer Tag im Sommer 2025. Am Zollhafen ist einiges los. Viele Mainzer und Besucher der Stadt flanieren um das Hafenbecken, gehen einkaufen oder holen sich ein Bier beim Imbiss „Zum Schorsch“. Auf den Rheinwiesen am Flussufer sitzen einige Leute, andere machen Sport. Und während in den Neubauten um das Hafenbecken herum die einen arbeiten und die anderen leben, schwimmen Jung und Alt im neuen Naturbad im Nordbecken.

Ungefähr so könnte ein Tag am Zollhafen in einigen Jahren aussehen. Bis 2025 entsteht dort das neue Hafenquartier. Während einige Bauprojekte schon jetzt abgeschlossen oder mitten im Bau sind, stehen andere noch ganz am Anfang der Planung oder warten auf Investoren.

„Die erwarteten Herausforderungen führen zu keinen nennenswerten Verzögerungen.“ - Peter Zantopp-Goldmann, Zollhafen GmbH

„Die Quartiersentwicklung läuft nach Plan“, sagt Peter Zantopp-Goldmann von der zuständigen Zollhafen Mainz GmbH & Co. KG. „Die erwarteten Herausforderungen wie Altlasten, Schall- und Hochwasserschutz sind eingeplant und führen zu keinen nennenswerten Verzögerungen.“ Auch die Corona-Krise habe abgesehen von der Schließung der Gastronomien und der Kunsthalle nicht für Schwierigkeiten gesorgt. Den Gastronomen wolle man nach dem Lockdown ein besonderes Angebot machen, das die Einbußen durch Pandemie und Baustellen mildern soll. Welches, könne Zantopp-Goldmann noch nicht sagen.

Nahezu alle Bauflächen an Investoren übergeben

Von den insgesamt 28 Bauprojekten auf dem rund acht Hektar großen Areal wurden seit 2010 elf bereits fertiggestellt. Darunter ein Großteil der Wohnungen und Einzelhandelsflächen an der Rheinallee und die Quartiersgarage. Gerade aufgebaut werden unter anderem die Wohn- und Gewerbeflächen vor der Kunsthalle sowie die Wohnungen und das Hotel direkt daneben in der Rheinallee. Das Bürogebäude am Ende des Nordhafens „ZigZag“ befindet sich im ersten Bauabschnitt und auch das Wohn- und Gewerbegebäude nebenan auf der Hafeninsel wird derzeit gebaut.

Noch in der Planung sind unter anderem die Mehrzweckhalle an der Gassnerallee und die Wohnkomplexe direkt am Hafenbecken. Insgesamt vier Baufelder direkt am Rheinufer, die vor allem zum Wohnen gedacht sind, warten noch auf passende Investoren. Wenn alle Bauvorhaben fertiggestellt sind, soll das Hafenquartier Platz für 2.500 Bewohner und etwa 4.000 Arbeitsplätze bieten.

Um die Gestaltung der zukünftigen Grünflächen an der Nordmole wird sich das Büro „SINAI Landschaftsarchitekten“ aus Berlin kümmern. Erst Ende des vergangenen Jahres setzten sich die Architekten mit ihrem Konzept in einem Freiraumwettbewerb gegen fünf weitere Büros durch. Bis 2025 sollen unter anderem eine Parkwiese als Liege- und Freizeitfläche, Fitness- und Bewegungsangebote, mehrere Aufenthaltsbereiche und ein Ort für eine temporäre Gastronomie entstehen.

Könnte ein Naturschwimmbad kommen?

Ein weiteres großes Projekt am Zollhafen steht noch ganz am Anfang. Der Mainzer Diplom-Ingenieur Alexander Kiefer würde gerne unter dem Namen „Heilige Makrele“ ein Naturschwimmbad im Nordbecken bauen lassen. Seine Vorstellung: Das Wasser wird durch ein spezielles biologisches Filtersystem so rein, dass es ohne Chlor auskommt. Besucher können die langen Bahnen zum Schwimmen nutzen, oder auf Holzdecks, Inselpontons und an Sand- und Kiesstränden Sonne tanken.

„Für mich wäre es das schönste, wenn ich meiner Lieblings- und Heimatstadt so etwas schenken könnte.“ - Alexander Kiefer, Diplom-Ingenieur und Ideengeber

Alexander Kiefers auf Wasserbau spezialisiertes Ingenieurbüro Francke + Knittel GmbH hatte bereits 2015 die Marina im Zollhafen geplant. Als ihn dann seine Tochter bei einem Spaziergang am Zollhafen im vergangenen April fragte, ob er nicht ein Schwimmbad im Hafenbecken bauen könne, war die Idee geboren. „Das wäre ein Leuchtturmprojekt für Mainz und für mich wäre es das schönste, wenn ich meiner Lieblings- und Heimatstadt so etwas schenken könnte“, sagt Kiefer. Bald soll eine 3-D-Designerin, die auch für das Wiesbadener Architekturbüro Büro „3deluxe“ arbeitet, seine Ideen visualisieren. Erst vor Kurzem hatte das „3deluxe“ die Umnutzung der Mombacher Brücke vorgeschlagen.

„Das Konzept eines Naturschwimmbades im Zollhafen ist reizvoll.“ - Peter Zantopp-Goldmann

Mit der Idee habe er bei den Verantwortlichen von Stadt und Land „offene Türen eingerannt“, erzählt der Ingenieur. Er habe sie verschiedenen Akteuren vorgestellt und nur positive Rückmeldungen erhalten. So auch von der Zollhafen GmbH: „Das Konzept eines Naturschwimmbades im Zollhafen ist reizvoll“, sagt Peter Zantopp-Goldmann. Es müssten aber noch wesentliche Punkte geklärt werden.

Die Badequalität müsse sichergestellt werden, es müssten Rheinpegelschwankungen über sechs Meter und Schallschutzanforderungen berücksichtigt werden. „Nicht zuletzt ist die Finanzierung für Bau und Betrieb zu klären. Hier sind wir weiter im Gespräch mit den Ideengebern“, so Zantopp-Goldmann. Um all diese Fragen kümmert sich Alexander Kiefer aktuell, sagt er. Wenn seine Pläne genehmigt werden, könnten die Mainzer vielleicht schon 2024 oder 2025 im Zollhafen schwimmen gehen.

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