Als NBA-Star Dirk Nowitzki in Mainz stationiert war

Er hat alles erreicht, was man im Profisport erreichen kann. Vor 25 Jahren kannte Basketball-Star Dirk Nowitzki aber kaum jemand. Was viele nicht wissen: In dieser Zeit war er in Mainz stationiert – und hinterließ einen bleibenden Eindruck.

Als NBA-Star Dirk Nowitzki in Mainz stationiert war

Kein anderer europäischer Basketballer war jemals so erfolgreich wie Dirk Nowitzki (40). Er war wertvollster Spieler der US-Liga NBA, gewann mit seinen Dallas Mavericks die Meisterschaft, US-Präsident Barack Obama lud ihn ins Weiße Haus ein. 2019 beendete er seine Karriere. Vor 25 Jahren konnte sich hingegen wohl niemand vorstellen, dass Nowitzki diese Karriere vor sich haben wird. Auch Dieter Herrmann nicht. Er war von 1991 bis 1998 Leiter der Sportfördergruppe in Mainz. In dieser Zeit betreute er rund 50 Sportsoldaten. Einer von ihnen: Dirk Nowitzki.

„Dirk war damals schon ein Netter“, erinnerte sich Herrmann 2018 im Gespräch mit Merkurist. Nowitzki trat im September 1997 seine Grundausbildung in der Kurmainz-Kaserne an. Am Anfang war Herrmann noch nicht klar, wen er da vor sich hatte. „Ich wusste über seine Sportart nicht viel.“ Außerdem war Nowitzki zwar ein großes Basketball-Talent und spielte mit dem DJK Würzburg in der zweiten Liga, ein Star war er aber noch nicht. Dass Herrmann mit Nowitzki keinen gewöhnlichen Soldaten in seinen Reihen hatte, wurde ihm aber bald bewusst.

Spätestens nach einem Telefonat mit Nowitzkis Trainer Holger Geschwindner. „Er erklärte mir, welchen Stellenwert Dirk bereits hatte, dass er von Scouts aus Amerika beobachtet werde und kurz vor dem Sprung in die NBA stehe.“ Herrmann verstand die Botschaft. „Mir war klar, dass ich entsprechend sensibel mit ihm umgehen muss.“ Entsprechend sensibel, das hieß: Nowitzki sollte nicht zu sehr mit „militärischen Angelegenheiten traktiert“ werden.

Laufen im Mainzer Sand

Das Resultat: „Dirk kam so gut wie nie“, so Herrmann. Für die Spitzensportler der Sportfördergruppe Mainz galt damals ohnehin die Regelung: 70 Prozent Freistellung für Training und Wettkampf, 30 Prozent militärische Aus- und Weiterbildung. Bei Nowitzki drückte Herrmann zusätzlich ein Auge zu. So konnte der kommende Star weiter regelmäßig für den DJK Würzburg auflaufen. In der Biographie Dirk Die Dirk-Nowitzki-Story erinnert sich der Star an diese Zeit:

„[In Mainz] lief es relativ relaxt ab. In der Sportfördergruppe hatten wir ständig frei, da mussten wir einmal im Monat für drei, vier Tage anrücken, den Rest durften wir zu Hause trainieren. Das war okay.“

Nach Nowitzkis Rechnung war er in der Zeit von September ‘97 bis Juni ‘98 also etwa zehn Mal in Mainz. Und wenn er da war, sei das Programm relativ locker gewesen, so Herrmann. „Wir sind zum Beispiel durch den Mainzer Sand gelaufen.“ Einmal habe es auch eine Wandertour mit Übernachtung gegeben. „Aber ich weiß nicht mehr, ob Dirk dabei war.“

„Ein Typ zum Pferde stehlen“

Auch Boris Obergföll erinnert sich an Nowitzkis Zeit in der Kurmainz-Kaserne. Obergföll ist heute Bundestrainer der deutschen Speerwerfer und war damals wie Nowitzki ein Spitzenathlet. 1993 machte er seine Grundausbildung in der Sportfördergruppe und blieb danach als Sportsoldat. „Als Dirk 1997 nach Mainz kam, fiel er schon ziemlich auf“, so Obergföll. „Er lief meist gebückt, weil er sonst nicht durch die Türen kam.“ Dem 2,13 Meter großen Nowitzki passte auch seine Uniform kaum. „Er hatte immer ‘Hochwasserhosen’ und seine Stiefel waren viel zu klein. Als er endlich passende Klamotten hatte, war seine Bundeswehr-Zeit auch schon vorbei“, erzählt Obergföll.

Doch Nowitzki sei nicht nur wegen seiner körperlichen Größe aufgefallen – sondern auch wegen seiner menschlichen. „Er war damals wie heute vollkommen entspannt und lustig, hatte für jeden ein offenes Ohr, hat alle respektiert. Ein Typ zum Pferde stehlen.“ Zu manchen Kameraden aus der Bundeswehr-Zeit habe Nowitzki noch heute Kontakt. „Ich selbst habe Dirk später zwei Mal in Dallas besucht und mir Spiele der Mavericks angeschaut.“ Auch heute schreibe Nowitzki noch Mails zum Geburtstag oder zu Weihnachten. „Er ist einfach auf dem Boden geblieben“, sagt Obergföll.

„Gibt es den Dieter Herrmann noch?“ - Dirk Nowitzki bei seiner Rückkehr

Das zeigte sich auch, als Nowitzki 2008 wieder nach Mainz kam – als Olympionik. Denn in Mainz fand die Einkleidung des deutschen Olympia-Teams statt. Nowitzki, der wenige Wochen später bei der Eröffnungsfeier in Peking die deutsche Fahne tragen sollte, wurde am 21. Juli in der Kurmainz-Kaserne eingekleidet. Leiter der Sportfördergruppe war mittlerweile Stefan Kainath, der diese Position auch heute noch hat. „Ich habe ihn mit den Worten begrüßt: ‘Willkommen in deiner alten Kaserne – es sieht hier noch genauso aus wie zu deiner Zeit’“, erzählte Kainath 2018 gegenüber Merkurist.

Den NBA-Star interessierte zehn Jahre nach seiner Bundeswehr-Zeit vor allem eines. „Seine erste Frage war: ‘Gibt es den Dieter Herrmann noch?’“, erinnert sich Kainath. „Das hat mich beeindruckt, dass er sich noch an den Namen des damaligen Leiters erinnern konnte.“ Davon erfuhr später auch Herrmann. Er sagt: „Ich habe mich schon sehr gefreut, dass Dirk nach all den Jahren nach mir gefragt hat.“ Und das, obwohl Nowitzki nur selten in Mainz war. „Vielleicht war das auch der Grund. Ich war sehr vorsichtig, was seine Belange anging, bin ihm nicht auf die Füße getreten – auch wenn das nicht immer im Sinne meines Arbeitgebers war.“

„Die ein oder andere Kneipe kennengelernt“

Nowitzkis Zeit in Mainz endete am 30. Juni 1998, noch im selben Sommer wechselte er zu den Dallas Mavericks in die NBA und startete in die Saison-Vorbereitung. An seine Zeit in Mainz erinnerte er sich noch 2016. Damals führte er eine Promi-Elf zu Ehren von Michael Schumacher auf den Rasen der Opel-Arena. Über seine Bundeswehr-Zeit sagte er bei einem Pressetermin: „Da bin ich acht Monate lang immer nach Mainz geschippert.“ An viele Ecken könne er sich nicht mehr erinnern, nur: „In Mainz habe ich die ein oder andere Kneipe kennengelernt.“

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