Wird das Barfußlaufen in Mainz zum Trend?

Merkurist-Leser berichten, dass sie immer mehr Menschen in Mainz barfuß laufen sehen. Wird das zu einem Trend?

Wird das Barfußlaufen in Mainz zum Trend?

Barfußlaufen ist ein immer größer werdendes Thema in Mainz. Die Mainzer Volkshochschule hat im Sommer beispielsweise einen Kurs zum Thema „Barfuß-Lauftechnik“ angeboten und Merkurist-Leser Jeremy berichtet von „immer mehr Barfüßlern in Mainz“. Er fragt sich, ob das zum neuen Kult geworden ist.

Wachsende „Barfuß-Fangemeinde“

Merkurist hat bei der Barfußschuh-Kette Leguano nachgefragt, ob auch sie einen Kult im Barfußlaufen sieht. Leguano sei anfangs nur auf Läufermessen vertreten gewesen. Die Nachfrage an Barfußschuhen sei jedoch so hoch gewesen, dass die Marke 2013 in den Direktverkauf ging. Seitdem seien über 100 Filialen in Deutschland entstanden. Leguano sagt: „Ja. Die „Barfuß-Fangemeinde“ wächst stetig, Barfußschuhe sind längst ein Trend und auch gesellschaftsfähig geworden.“

Die Käufer von Barfußschuhen seien aus allen Altersgruppen von Kindern bis zu „Best Agern“. Sie kaufen die Schuhe für verschiedene Gelegenheiten: Freizeit-, Büro- oder Abendveranstaltungen. Auch Merkurist-Leser Michael berichtet, dass er Barfußschuhe zu verschiedenen Gelegenheiten trägt: „Es gab (schon vor Corona) Monate, in denen ich außer Flip-Flops auf der Arbeit keine Schuhe getragen habe, weder für Einkaufen noch Bahnfahren noch Sport noch Socializing.“

Was steckt hinter dem Trend?

Auf die Frage nach seinen Gründen zum Barfußlaufen antwortet Michael: „Man kriegt viel mehr von seiner Umgebung mit und nimmt sie bewusster wahr. Außerdem ist man unabhängiger von einem Kleidungsstück, man fühlt sich freier. Zudem fühlt es sich besser an und ist gesünder.“

Dass das Barfußlaufen positive Effekte auf die Gesundheit der Füße hat, bestätigt Diplom-Sportwissenschaftler Björn Boos vom Mainzer Orthopädie-Fachgeschäft Kußmann: „Wie jeder Muskel im menschlichen Körper sind auch die Fuß- und Unterschenkelmuskulatur auf eine regelmäßige Beanspruchung angewiesen, um Muskelschwund und Steifigkeit entgegenwirken zu können. Da unsere Füße evolutionär in ihrer Bauart für das Barfußlaufen gemacht sind, spricht somit zunächst aus medizinischer Sicht auch nichts dagegen.“

Evolutionsbedingt habe sich der Fuß zu einer Zeit entwickelt, in der Asphalt, Fliesen und Steinböden nicht zum typischen Untergrund zählten. Das ist heute anders. Hinzu komme die höhere Lebenserwartung in der heutigen Zeit, „was sich auf anatomische Abnutzungsprozesse und statische Anpassungsfaktoren wie Schonhaltungen und altersbedingten Muskelschwund im ganzen Körper auswirkt“, so Boos. Das Trainieren der Fuß- und Unterschenkelmuskulatur sei deshalb wichtig für den Fuß.

Gefahren des Barfußlaufens

Die medizinischen Vorteile des Barfußlaufens gelten allerdings nur für „gesunde Füße“, also wenn keine orthopädischen oder internistischen Einschränkungen bestehen. Bei einer Vorerkrankung des Fußes könne das Barfußlaufen zwar Teil eines heilenden Trainingsprogrammes sein, müsse aber von Regenerationsprozessen begleitet werden. Ganztägiges Barfußlaufen bringe in diesem Fall das Risiko einer Überlastung mit sich. In anderen Fällen der Vorerkrankung könne das Barfußlaufen die Erkrankung sogar noch verschlimmern.

Doch auch gesunde Füße müssen sich zunächst an das Barfußlaufen gewöhnen. Der Mensch sei schon im Alter von acht bis zwölf Monaten mit dem Tragen von Schuhen konfrontiert und gewöhne sich somit an den Schuh. Dadurch verändere sich sein ursprünglicher Entwicklungsprozess wie das Erlernen des aufrechten Gangs. Im Erwachsenen-Alter sei dann ein „langer Anpassungsprozess“ notwendig, um den Fuß wieder gänzlich an das Barfußlaufen zu gewöhnen.

Das Barfußlaufen berge zudem „immer eine direkte Verletzungsgefahr“ durch herumliegende Gegenstände und Dreck auf der Straße. Das sei jedoch kein „KO-Kriterium“ für das Barfußlaufen im öffentlichen Raum. Barfußlaufen in der Öffentlichkeit sei jedoch nach wie vor noch die Ausnahme und nicht die Regel.

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