Rollstuhlfahrer aus Mainz-Bingen strandet nach Zugausfall stundenlang in Bayern

Ein umgestürzter Baum hat zu einer Streckensperrung und damit für einen Elektro-Rollstuhlfahrer aus dem Kreis Mainz-Bingen zu einer Odyssee geführt. Er strandete in Bayern und kam erst am nächsten Morgen nach Hause.

Rollstuhlfahrer aus Mainz-Bingen strandet nach Zugausfall stundenlang in Bayern

Was für viele Reisende nur ein Ärgernis gewesen wäre, ist für einen Elektro-Rollstuhlfahrer aus dem Landkreis Mainz-Bingen in der vergangenen Woche zu einer stundenlangen Odyssee geworden. Wie Justin aus Undenheim gegenüber Merkurist berichtet, strandete er nach einer Streckensperrung für mehrere Stunden in Bayern und erreichte sein Zuhause erst mit rund sechs Stunden Verspätung.

Justin war am Donnerstag (4. Juni) mit dem Zug von Bad Mergentheim in Richtung Aschaffenburg unterwegs. Seine Reise hatte er zuvor ordnungsgemäß bei der Mobilitätsservice-Zentrale der Deutschen Bahn angemeldet, sagt er. Gegen 20 Uhr musste der Zug jedoch in Miltenberg halten, da ein umgestürzter Baum die Strecke blockierte. Während andere Fahrgäste auf Taxis oder private Abholmöglichkeiten umstiegen, sei dies für den Undenheimer keine Option gewesen. Denn sein rund 200 Kilogramm schwerer Elektro-Rollstuhl passe nicht in normale Fahrzeuge.

Engagierte Helfer ohne Rückhalt

Wie Justin erzählt, kontaktierte er sofort die Mobilitätsservice-Zentrale der Bahn, erhielt dort aber keine konkrete Hilfe. Man habe ihm lediglich mitgeteilt, dass ihm in Aschaffenburg geholfen werde, sobald er dort ankomme. Dorthin kam er aber vorerst nicht. „Mehrere Verbindungen fielen aus oder verspäteten sich erheblich. Den letzten Anschluss zur Heimreise hatte ich bereits verpasst“, so Justin.

Besonders positiv hebt er jedoch das Engagement einzelner Bahnmitarbeiter vor Ort hervor. Ein Triebfahrzeugführer und eine Kundenbetreuerin der Westfrankenbahn hätten stundenlang versucht, eine Lösung zu finden. Doch zahlreiche Telefonate mit den Leitstellen der Bahn blieben offenbar erfolglos. „Die Mitarbeitenden vor Ort wollten helfen. Mein Eindruck war jedoch, dass ihnen die Hände gebunden waren“, schildert der Rollstuhlfahrer die Situation.

Kritik an fehlenden Notfallplänen

Mit großer Verspätung habe er schließlich Aschaffenburg erreicht. Von dort habe die Kundenbetreuerin eigenständig seine Weiterfahrt nach Frankfurt organisiert und die dortige Bahnhofsmission informiert. Diese nahm Justin gegen 1:20 Uhr nachts in Empfang und betreute ihn, bis er in den frühen Morgenstunden über Mainz weiterreisen konnte. Gegen 6 Uhr morgens sei er schließlich in Undenheim angekommen.

Seine Kritik richte sich nun nicht an die Mitarbeiter, sondern an die Strukturen der Deutschen Bahn. „Der umgestürzte Baum war höhere Gewalt. Dafür kann niemand etwas“, sagt er. „Aber ich frage mich, warum es offenbar keinen funktionierenden Notfallplan für angemeldete Rollstuhlfahrer gibt. Warum konnte mir niemand sagen, wie es weitergeht? Und warum konnten selbst engagierte Mitarbeiter keine konkrete Hilfe organisieren?“ Der Vorfall zeige grundsätzliche Mängel im Umgang mit mobilitätseingeschränkten Fahrgästen auf, sagt Justin.

Der Undenheimer hat jetzt eine Beschwerde bei der Deutschen Bahn und der Westfrankenbahn eingereicht und um eine Stellungnahme gebeten. Was diese Beschwerde nun bringt, bleibt abzuwarten.