Nach 40 Jahren: Einer der letzten Handwerks-Bäcker in Mainz schließt

Nach 40 Jahren ist Schluss: Die Bäckerei und Konditorei Fuchs in Mainz-Hechtsheim schließt. Inhaber Günter Fuchs nennt persönliche und wirtschaftliche Gründe für diesen schweren Schritt.

Nach 40 Jahren: Einer der letzten Handwerks-Bäcker in Mainz schließt

Eine Ära in Mainz-Hechtsheim geht zu Ende: Nach 40 Jahren schließt die Bäckerei und Konditorei Fuchs am kommenden Sonntag (29. März) für immer ihre Türen. Inhaber Günter Fuchs hat sich nach langem Überlegen zu diesem Schritt entschieden, wie er gegenüber Merkurist erklärt. Man merkt, dass ihm der Abschied schwer fällt.

Die Gründe für das Aus sind vielfältig, wie Fuchs berichtet. Außer persönlichen Umständen, wie der Erkrankung seiner Lebensgefährtin, die seine Unterstützung benötigt, machen ihm vor allem wirtschaftliche Probleme zu schaffen. Anhaltender Personalmangel, stark gestiegene Energie- und Lebensmittelkosten sowie ein notwendiger Renovierungsbedarf in der Backstube hätten die Entscheidung letztlich unausweichlich gemacht.

Von der Euphorie zur Resignation

Dabei blickt Fuchs auf eine lange Erfolgsgeschichte zurück. Fast auf den Tag genau vor 40 Jahren hatte Fuchs zum 1. April 1986 die Räume der ehemaligen Bäckerei Molitor übernommen. „Damals war ich jung und euphorisch“, blickt Fuchs heute zurück. Der Laden lief sofort an und zählte in Spitzenzeiten bis zu 500 Kunden am Tag. Selbst während der Corona-Pandemie erlebte das Geschäft einen Boom. Doch zuletzt brachen große Aufträge weg und die Kundenzahl sank. Denn die Bäckerei und Konditorei lebte nicht nur von den Kunden im Geschäft, sondern belieferte auch Cafés und andere Kunden. Doch die seien nach und nach selbst weggebrochen, wie Fuchs sagt.

Die Nachricht von der Schließung trifft viele Stammkunden hart. „Heute war eine Stammkundin da, die sagte: ‘Mir blutet das Herz’“, erzählt Fuchs von einer emotionalen Reaktion. An der Tür bedankt er sich mit einem Aushang bei den Kunden für ihre jahrzehntelange Treue.

Die Zukunft nach dem letzten Backtag

Für die verbliebenen Mitarbeiter gibt es eine Perspektive: Sie hätten die Möglichkeit, bei Werners Backstube unterzukommen, wenn sie es wollten, so Fuchs. Günter Fuchs selbst geht in den Ruhestand und freut sich zumindest darauf, nach Jahrzehnten mit langen Arbeitstagen endlich Zeit für sich und seine Partnerin zu haben. Sein Arbeitstag habe in der Regel um 1:30 Uhr mitten in der Nacht begonnen und sei mit Büroarbeiten am Abend geendet. Zwischen 1989 und 2022 machte er nie Betriebsferien, wie er sagt. Mit all den Angestellten habe sich das finanziell nicht gelohnt.

Sein Blick auf die Zukunft des Bäckerhandwerks ist pessimistisch. Er glaubt, dass kleine Betriebe die steigenden Kosten kaum noch stemmen können. Dass jemand seinen Betrieb hätte übernehmen können, glaubt Fuchs nicht. „Wer will schon solche Arbeitszeiten und so viel Geld in die Hand nehmen? Dazu noch in solch unsicheren Zeiten, mit schrecklichen Kriegen, die die Preise in die Höhe treiben.“ Das Haus in der Bürgermeister-Schmitt-Straße, in dem seine Bäckerei 40 Jahre lang beheimatet war, soll verkauft werden.

Auf die Frage, was sein größter Erfolg in diesen 40 Jahren war, sagt Günter Fuchs: „Dass die Kunden immer zufrieden waren und dass der Laden immer gut lief.“