Die Top-10-Fragen zur Energiewende (und gute Antworten darauf)

Blogger Jan Hegenberg („Der Graslutscher“) widmet sich in seinem morgen erscheinenden Buch dem Thema Klimakrise. Einen Auszug könnt ihr vorab bei Merkurist lesen.

Die Top-10-Fragen zur Energiewende (und gute Antworten darauf)

Jan Hegenberg ist seit Jahren als „Graslutscher“ bekannt. In den sozialen Medien hat er Tausende Follower, die er vor allem mit unterhaltsamen Beiträgen zum Klimawandel informiert. Jetzt hat er sein erstes Buch geschrieben. „Weltuntergang fällt aus“ (Komplett-Media-Verlag) ist ab Dienstag, 2. August, im Handel erhältlich. Merkurist darf bereits vorab einen Auszug aus dem Buch präsentieren: Die Top 10 der häufigsten Fragen (und gute Antworten darauf):

Kann Deutschland allein überhaupt genug erneuerbare Energie erzeugen?

Ja. Die Technik ist so effizient geworden, dass wir jährlich 1500 Terawattstunden aus Erneuerbaren auf einer vernachlässigbar kleinen Fläche erzeugen können (etwa 1 Prozent Deutschlands).

Können wir anstatt dieses Zubaus nicht einfach Energie sparen?

Erneuerbare sparen automatisch eine Menge Energie, weil fossile Technik verglichen damit in niedrigen Wirkungsgraden arbeitet und den Großteil der Energie in Öl und Kohle verschwendet.

Können wir nicht einfach die verbliebenen Kernkraftwerke weiterlaufen lassen?

Ja, können wir, aber sie würden nur einen Bruchteil des Stroms liefern. Wir müssen Kraftwerke zubauen. Energiewende ist außerdem nicht nur Stromerzeugung, sondern auch Umstellung unserer Gesellschaft, um mit Strom Auto zu fahren, zu heizen etc.

Können wir nicht einfach Wasserstoff nehmen?

Wasserstoff ist ein Energieträger, keine Energiequelle. Um eine Maschine mit Wasserstoff zu betreiben, müssen wir im ersten Schritt mehr Energie aufwenden, um den Wasserstoff herzustellen (das Gleiche gilt für E-Fuels, Methanol etc.).

Aber was machen wir, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht geht?

Das passiert eher selten. Mit einem vernünftigen Zubau hätten wir an den meisten Tagen einen satten Strom-Überschuss, weil Wind und Sonne sich wunderbar ergänzen. Kurze Phasen ohne Sonne und Wind werden wir mit Batteriespeichern oder mechanischen Speichern überbrücken. Saisonal können wir Energie speichern, indem wir mit Strom große Mengen Wasserstoff, Methan usw. synthetisieren.

Woher sollen wir all die Rohstoffe nehmen? Ist das nicht schlecht für die Umwelt?

Jede Technologie benötigt Rohstoffe und ist ein Eingriff in die Natur. Erneuerbare Technik benötigt aber nicht ständig neuen Brennstoff und kommt dadurch mit viel weniger Ressourcen aus, die zudem recycelt werden können.

Verursacht die Produktion eines E-Autos nicht schon so viel Klimagase, dass sich das nicht lohnt?

Nein. Die Batterieherstellung ist in wenigen Jahren schon so effizient geworden, dass der Klimarucksack eines E-Autos nach einem Bruchteil der Lebensfahrleistung ausgeglichen wird.

Was bringt es, wenn Deutschland allein versucht, die Welt zu retten?

Deutschland ist früh in seine Energiewende gestartet, ist damit aber schon lange nicht mehr allein. Wind- und Solarkraft, Batteriespeicher, E-Verkehr und Wärmepumpen haben weltweit große Zuwächse. Es ist eine Team-Arbeit.

Was passiert, wenn wir uns verrechnen und doch mehr Energie brauchen? Geht dann überall das Licht aus?

Nein, Deutschland wird noch lange über Backup-Kraftwerke verfügen und diese erst dann sukzessive abschalten, wenn das neue System robust genug ist. Manche Kraftwerke wie Gaskraftwerke werden auch weiter im System sein und mit klimaneutralem Gas laufen. Der Worst Case wäre, diese zur Not mit Erdgas zu betreiben. Das, was heute der Normalfall ist.

Brauchen wir nicht erstmal 10 Pfund Innovationen, bevor wir alles umstellen?

Wir haben heute schon die technischen Lösungen für den absoluten Großteil der Emissionen, die müssen wir einfach mal umsetzen. In anderen Feldern wird noch nach Lösungen gesucht. Dort müssen wir innovativen Firmen helfen, indem wir den Preis für fossile Technik nicht weiter künstlich unten halten, sodass deren neue Lösungen die alten verdrängen können.

Jan Hegenberg, geboren in Wiesbaden und Vater von drei Kindern, hat eigentlich BWL studiert und eine IT-Beratungsfirma gegründet, entdeckte aber im Jahr 2014 seine Liebe zum Schreiben und gründete eher als Hobby einen Blog. Der Name Graslutscher.de hatte zum Ziel, selbstironisch die typischen Beschimpfungen zu entkräften, denen er als Vegetarier ausgesetzt war. Mittlerweile ist der Blog aber größtenteils spendenfinanziert und beschäftigt sich - immer garniert mit einer Prise Humor - mit den Themen Nachhaltigkeit, Energiewende, E-Mobilität, Verkehrswende und veganer Lebensweise.

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