Festung an der Neutorstraße entdeckt

Bei der Baustelle für das Archäologische Zentrum Mainz an der Neutorstraße stießen die Arbeiter auf die Überreste einer Festung aus dem 17. Jahrhundert. Am heutigen Montagvormittag informierten die Archäologen über den Stand der Ausgrabungen.

Festung an der Neutorstraße entdeckt

Etwa drei Meter tief ist die Baugrube an der Neutorstraße. Hier wird seit September 2015 das Archäologische Zentrum Mainz (AZM) gebaut. Doch Arbeiter sind momentan damit beschäftigt, Mauerwerke freizulegen. Denn auf der Bauarbeiten wurde eine Festung aus dem 17. Jahrhundert gefunden. "Uns war klar, dass wir hier auf Funde stoßen, aber was wir hier vorfinden, übertrifft unsere Vorstellungen", sagte Dr. Marion Witteyer, Leiterin der Mainzer Außenstelle der Direktion Landesarchäologie der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz.

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Aktuell legt die GDKE die Gemäuer frei. Am heutigen Montagvormittag informierte sie gemeinsam mit dem Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB), dem Bauherrn des AZM, über den aktuellen Stand der Ausgrabungen.

Reste der Bastion „Catharina“

Witteyer zufolge handelt es sich bei den Mauerwerken vorwiegend um die Reste der Bastion Catharina, welche im 17. Jahrhundert errichtet wurde. Gemeinsam mit der Bastion Nikolaus lag sie in unmittelbarer Nähe des Rheins und gehörte mit der Mainzer Zitadelle zum ersten Festungsring um die Stadt. "Die Mauerstärke beträgt teils über drei Meter", so Grabungsleiter Thomas Diderer.

Darüber hinaus sei bei den Erdarbeiten auch Teile des Neutors, einem der Stadteingänge aus dem 17. Jahrhundert, gefunden worden. Aufgrund des verstärkten Verkehrsaufkommens Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Neutor schließlich 1894 abgerissen.

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Den Archäologen zufolge wurden aber auch Relikte aus anderen historischen Epochen gefunden: "Wir haben vier bis fünf Öfen aus der Zeit von Mitte des 13. bis 14. Jahrhundert entdeckt. In ihnen wurden Bodenfliesen hergestellt", so Dederer. Diese seien beispielsweise für Kirchen oder Adelshöfe verwendet worden. Laut Witteyer wurden ähnliche Fliesen im Kloster Eberbach verwendet.

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Die Archäologen entdeckten außerdem Scherben, eine Schnalle und den Scheidenbeschlag eines Kurzschwerts aus der fränkischen Zeit vom 5. bis 7. Jahrhundert. Neben diesen Relikten habe man auch Steinkugeln, die von einer mittelalterlichen Wurfmaschine geschleudert wurden, entdeckt. "Insgesamt ist das eine sehr interessante Baustelle, da wir aus allen Epochen der Geschichte was finden", so Dederer.

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Ausgrabungen bis Februar

Die Ausgrabungen werden zukünftig durch die Bauarbeiten unter dem AZM verschwinden: "Heutzutage wird das alles in 3D dokumentiert und aufgenommen. Dann haben wir das alles noch", so Witteyer. Laut Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE werden nach Erreichen der geplanten sechs Meter Tiefe für das Fundament auch die archäologischen Forschungen eingestellt. "Wir begleiten lediglich die Baumaßnahme. Es handelt sich um keine Grabung, die Forschungszwecken dient", so Metz.

Witteyer zufolge dürfen die Archäologen noch bis Ende Februar nächsten Jahres graben. Danach beginnen die Bauarbeiten an den Betonfundamenten. Laut Holger Basten, Geschäftsführer des LBB, arbeiten Archäologen und Bauherrn „Hand in Hand“. Parallel zu den archäologischen Grabungen werde in der Baugrube demnächst schon gebaut: So sollen in naher Zukunft Entwässerungs- und Fernwärmeleitungen für das AZM verlegt werden.

Bis Ende 2019 soll das AZM fertiggestellt werden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 51,4 Millionen Euro. Dazu steuert die Stadt Mainz einen Anteil von zehn Millionen Euro bei. Das Land Rheinland-Pfalz trägt mit 26,5 Millionen Euro die Hauptlast der Finanzierung. Der Bund schießt die restlichen 14,9 Millionen hinzu.

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