Ärger um Baumaßnahmen auf der A643

Neben dem Naturschutzgebiet Mainzer Sand verläuft die Autobahn 643. Die Verbindung wird täglich von tausenden Autos und LKW befahren. Nun soll die Autobahn ausgebaut werden. Eine Gefahr für den Mainzer Sand?

Ärger um Baumaßnahmen auf der A643

Der geplante Ausbau der A643 sorgt für Ärger: Die Fahrbahn zwischen der Schiersteiner Brücke und der Anschlussstelle Gonsenheim soll auf sechs Spuren erweitert werden. Die Umweltschützer vom Bündnis „Nix in den (Mainzer) Sand setzen“, zu dem unter anderem auch die Stadt Mainz, der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gehören, sehen darin eine Gefährdung für das Naturschutzgebiet „Mainzer Sand“.

Was ist geplant?

Die A643 ist vielen Mainzern bekannt - vor allem, weil es dort durch das hohe Verkehrsaufkommen täglich zu vielen Staus kommt. Die Autobahn dient als Verbindungsspange zwischen A60 und A66 und führt in Richtung Wiesbaden über die Schiersteiner Brücke. Sie ist zudem auch Teil des Mainzer Rings, der einmal rund um die Stadt führt. Gerade gibt es in den beiden Fahrtrichtungen zwei Fahrstreifen und einen Seitenstreifen. Geplant ist ein sechsspuriger Ausbau.

„Der Ausbau der A643 erfolgt aufgrund der prognostizierten zukünftigen Verkehrsstärken auf sechs durchgängige Fahrstreifen mit Standstreifen. Im Übrigen entspricht dies auch den Zielen des Bedarfsplans des Bundes“, erklärt Birgit Küppers von der Pressestelle des Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz (LBM). Der Ausbau sei aufgrund der für 2030 erwarteten 42.307 Fahrzeuge pro Stunde in Richtung Wiesbaden, und 41.808 in Richtung Bingen in dieser Form notwendig.

Naturschützer befürchten Schäden am Mainzer Sand

In einer gemeinsamen Pressemitteilung fordern die Landesvorsitzenden von Nabu, BUND und der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (GNOR) ein Umdenken in der Verkehrspolitik. Sie plädieren für einen vorübergehenden Stopp aller Neubau- und Ausbaumaßnahmen im Straßenbau. Das betrifft den geplanten Ausbau der A643, aber auch weitere Bauvorhaben in der Region.

Ich bin dagegen, den Ausbau jetzt komplett zu stoppen. Aber vielleicht gibt es ja noch einen Kompromiss. - Christian Kanka, Ortsvorsteher Mombach

„Nach Auffassung der im Bündnis zusammengeschlossenen Verbände und Organisationen schadet der Ausbau den Naturschutzgebieten Mainzer Sand und Lennebergwald, die gleichzeitig höchsten europarechtlichen Status als Natura 2000-Gebiet haben“, erklärt Heinz Hesping, Sprecher des Bündnisses GNOR. Mögliche Folgen könnten unter anderem Insektensterben und massive Populationsrückgänge der Arten sein.

Auch der Mombacher Ortsvorsteher Christian Kanka (SPD) ist sich der Schwierigkeit des Themas bewusst: „Der größte Fehler war, vor 60 Jahren überhaupt die Autobahn durch das Naturschutzgebiet zu bauen. Dass die Strecke jetzt ausgebaut wird, kommt vom Bund.“ Trotzdem kann er beide Seiten verstehen: „Für den Verkehr wäre es wichtig, die Autobahn auszubauen, aber es ist auch wichtig, das Naturschutzgebiet zu erhalten.“

Das sagen die Verantwortlichen

„Das Naturschutzgebiet wurde selbstverständlich in die Planung mit einbezogen. Eine Gefährdung für das Naturschutzgebiet wird nicht gesehen“, sagt Birgit Küppers, LBM-Sprecherin. Derzeit befinde man sich noch im Planstellungsverfahren. Wann genau der Ausbau losgeht, ist noch offen. Der Ausbau der A643 wird voraussichtlich mindestens sieben Jahre dauern - hierfür sind bis jetzt 136,5 Millionen Euro an Baukosten veranschlagt. (df)

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