Hundeangriff auf Schwäne: So lief das Tierdrama am Winterhafen

Tierdrama am Winterhafen: Am Pfingstmontag griff ein Hund zwei Schwäne an und verletzte sie schwer. Wir haben mit einer Leserin gesprochen, die den Vorfall beobachtete.

Hundeangriff auf Schwäne: So lief das Tierdrama am Winterhafen

Seit Beginn der Corona-Krise gehen Merkurist-Leserin Nina (36) und ihr Freund beinahe täglich am Winterhafen spazieren. So auch am Pfingstmontag. Wie immer beobachteten sie dabei die Schwaneneltern, die sich dort mit ihren Küken aufhalten. „Wir haben dieses Mal auch Fotos für eine Freundin gemacht“, erzählt Nina gegenüber Merkurist. Doch kurz darauf sollte sich ein Drama abspielen.

Denn plötzlich sprang von einem Boot aus ein Hund ins Wasser. „Ich dachte erst, der geht einfach baden“, sagt Nina. Im Boot hätten ein „mittelaltes Paar“ und noch ein weiterer Hund gesessen. Das Paar habe dann versucht, den Hund im Wasser wieder zu sich zu rufen. Das habe nach einer Weile auch geklappt. Das Problem: „Dann sprang schon der andere Hund ins Wasser“, erzählt Nina. Und der sei direkt auf die Schwäne losgegangen.

Schwäne blutig gebissen

Nina erzählt: „Der Hund hat erst den einen Schwan gebissen und dann noch den anderen. Er hat sich richtig in ihnen festgebissen.“ Beide Schwäne seien offensichtlich verletzt worden, hätten geblutet. „Und sie haben die Flügel hinter sich hergezogen.“ Nina glaubt, dass die Schwäne normalerweise schnell geflüchtet wären, doch die Eltern wollten wohl ihre Brut beschützen.

Am Ufer sei unterdessen „helle Aufregung“ gewesen. Nina sagt: „Der Winterhafen war ja voll mit Leuten. Wir haben alle geschrien, dass das Paar endlich den Hund zu sich holen soll.“ Ein junger Mann habe sich schon bis auf die Unterhose ausgezogen, um ins Wasser zu springen. Andere Passanten hätten Steine geworfen, um den Hund von den Schwänen wegzukriegen.

Und die Hundehalter? „Die hatten den Hund nicht unter Kontrolle und haben sich auch nicht wirklich gekümmert“, sagt Nina. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie sich gut verhalten. Sie haben sich einfach im Boot verschanzt und ‘Komm her’ gerufen, statt etwas zu machen.“ Zudem seien beide Hunde nicht angeleint gewesen. Der ganze Angriff habe sich lange hingezogen, bis der Hund schließlich von den Schwänen abgelassen habe. Schließlich trafen Polizei und Feuerwehr ein. Nach einer längeren Einfangaktion (wir berichteten) konnte die Feuerwehr die Tiere retten und ins Tierheim bringen.

Not-OP bei Schwanenmutter

Und dort war man „sehr erschrocken“ über den Zustand der Familie, wie das Tierheim Mainz auf Facebook postete. „Alle sechs standen völlig unter Schock, die Küken waren so dreckig, nass und eiskalt, haben am ganzen Körper gezittert. Ein furchtbares Bild.“ Die Küken blieben jedoch unverletzt, anders als die Eltern. „Mama und Papa sind verletzt, beim Papa hing der Flügel runter, aber erstmal wohl kein Bruch zu fühlen. Mama ist im Gegensatz schwer verletzt, sie hat Bisswunden am Hals und einen augenscheinlich offenen Flügelbruch.“

Im Kleintierzentrum Walluf wurde die Schwanenmutter operiert. „Der Oberarm war gebrochen, konnte aber zum Glück gerichtet werden. Die Bisswunden werden wieder heilen“, so das Tierheim Mainz. „Mama Schwan muss jetzt mindestens 6-8 Wochen den Verband tragen, Ruhe halten und mit viel Glück kann es gut ausheilen.“

Ermittlungen laufen

Das Mainzer Tierheim bittet alle Hundehalter, ihre Tiere nicht von der Leine zu lassen. „Auch der bravste Hund kann auf einmal einen Jagdtrieb entwickeln.“ In der Jungtiersaison passierten ständig Unfälle mit wildernden Hunden. „Und bitte denkt bei etwaigen Kommentaren daran, die Hunde sind nicht die Schuldigen.“

Ob die Hundehalter „die Schuldigen“ sind, müssen jetzt die Ermittlungen der Mainzer Polizei zeigen. Ein Sprecher sagt: „Wir prüfen derzeit noch, ob es sich um einen Unfall oder um fahrlässiges Verhalten handelte.“ Wie ein Sprecher der Stadt sagt, soll den Hundehaltern zumindest der Einsatz in Rechnung gestellt werden. (mm)

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