Mainzer Innenstadt: So soll sie jetzt attraktiver werden

Rosige Aussichten für die Mainzer Innenstadt? Während viele ihre Entwicklung kritisieren, wollen Einzelhändler und Gastronomen sie nun zur Einkaufs- und Erlebnisstadt machen.

Mainzer Innenstadt: So soll sie jetzt attraktiver werden

Ist die Mainzer Innenstadt noch attraktiv? An dieser Frage scheiden sich seit Jahren die Geister. Während einige Akteure schon seit längerer Zeit ein Umdenken in der städtischen Entwicklungspolitik forden und sonst für die Zukunft des Einzelhandels in Mainz schwarz sehen (wir berichteten), gibt es auch viele Gewerbetreibende vor Ort, die gemeinsam an einer positiven Entwicklung der Einkaufsstadt Mainz mitarbeiten. Dazu gehört auch der Inhaber des Juwelier-Geschäfts Willenberg am Schillerplatz, Jan Sebastian, der unter anderem Präsident des Handelsverbands Rheinland-Pfalz ist sowie stellvertretender Vorsitzender des Mainzer Citymanagements. Er sieht die Innenstadt im Aufwind, benennt aber auch Punkte, die noch verbessert werden können.

Mainz soll „Einkaufs- und Erlebnisstadt“ werden

Wie der Geschäftsmann gegenüber Merkurist sagt, sehe er bereits viele gelungene Ansätze und vor allem eine „Aufbruchsstimmung“ unter den Händlern und Gastronomen. Dies sei auch ein Verdienst der aktuellen Citymanagerin Sandra Klima. „Unter den Protagonisten ist nun ein starker Zusammenschluss und ein Gemeinschaftsgefühl entstanden.“ Man arbeite jetzt strukturierter zusammen und auch der Informationsaustausch laufe jetzt viel schneller. Für das kommende Jahr habe man bereits einige Pläne in der Schublade, um die Innenstadt voranzubringen und vor allem Kunden dorthin zu bringen.

Was genau geplant ist, möchte Sebastian momentan noch nicht verraten. Dies sei auch der Pandemielage geschuldet. Erst wenn man sicher sagen könne, ob etwas Geplantes auch durchführbar ist, gehe man damit nach außen, so Sebastian. „Klar ist aber, dass wir Mainz zur Einkaus- und Erlebnisstadt machen wollen.“ Dafür würden sich alle mitwirkenden Akteure voll und ganz einsetzen. Doch auch in der Vergangenheit habe man schon einige Anreizpunkte gesetzt, wie beispielsweise das „Parken aufs Haus“ oder den „Kaffee aufs Haus“, sagt Sebastian.

Dauerbrenner Parkgebühren

Einen Erfolg gebe es auch beim Leerstandmanagement zu vermelden. So stünden inzwischen weniger Läden leer. Konzepte wie Pop-up-Stores würden greifen. Als Paradebeispiel nennt Sebastian hier das Mainzer „Lulu“. Durch die Verzahnung mit der „Banksy“-Ausstellung erhalte der Handel hier noch einmal Auftrieb. Trotz der von ihm positiv benannten Punkte sieht der Mainzer Geschäftsmann noch Raum für Veränderungen, um die Attraktivität der Innenstadt zu steigern. Wie Sebastian sagt, ginge es dabei in Mainz seit jeher schon um das Thema Parken. Hier würde er sich nochmals eine „Harmonisierung“ der Parkgebühren wünschen. „Eine minutengenaue Abrechnung der Parkzeit wäre hier zu begrüßen“, so Sebastian. Kunden erzählten ihm auch immer wieder von dem Dilemma, beim Shoppen nicht ständig auf die Uhr gucken zu wollen aus Angst, in einen neuen, teureren Tarif zu rutschen.

Es bleibe die Hoffnung, hier vielleicht noch etwas nachbessern zu können. „Gleichwohl müssen wir die Kunden davon überzeugen, dass sie die Gebühren möglicherweise als eine Art Eintrittskarte zur Innenstadt begreifen“. Hier liege es vor allem an den Händlern, dem Kunden diesen Mehrwert deutlich zu machen. Dewegen solle es vor Ort auch schöner und attraktiver werden und eine angenehme Atmosphäre geschaffen werden.

Hier setzten er und seine Kollegen auf die „Quartiersbildung“. Das heißt, kleinere Gebiete in der Innenstadt, wie zum Beispiel der Schillerplatz oder aber die Augustinerstraße, sollen sich selbst vermarkten und andere von ihren Vorzügen überzeugen. Denn der Filialisierungsgrad, so Sebastian, sei in der Innenstadt - bis auf den Brand - noch relativ niedrig und biete den Geschäftsleuten gute Möglichkeiten, sich positiv zu präsentieren.

Was wird aus der Großen Bleiche?

Es tue sich also etwas in der Mainzer Innenstadt. Auch viele neue Existenzgründer siedelten sich an und die Stadt investiere zudem in die Infrastruktur, sagt Sebastian. Nach Beseitigung der ganzen Baustellen, unter denen man durchaus leide, könne es in fünf bis zehn Jahren in der Innenstadt richtig gut werden. Bis dahin müsse man den Kunden die schöne Seite der Stadt präsentieren - dazu zählten auch Sauberkeit und Sicherheit, die man bieten müsse. „Das gilt es nun auch selbst in die Hand zu nehmen, anstatt immer nur zu kritisieren und nach der Unterstützung der Stadt zu rufen“, so Sebastian. Und das wolle man auch im nächsten Jahr tun.

Einen kleinen Vorgeschmack, was passieren könnte, kündigte „mainz gemacht“ am Dienstag auf Facebook an und nimmt dabei den Leerstand in der Großen Bleiche ins Visier. So heißt es in dem Post vielversprechend: „In der Großen Bleiche 1 gibt es viel Raum für Ideen und wir wollen ein paar davon zum Leben erwecken. Seid gespannt, was dort passiert.“

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