Am Montag: Pflegeaufstand in Mainz

55 Delegierte kommen stellvertretend für 43.000 Pflegekräfte nach Mainz

Am Montag: Pflegeaufstand in Mainz

Das Pflegebündnis „Pflegeaufstand Rheinland-Pfalz“ zieht am Montag (8. März) durch Mainz. Ziel ist der Landtag, wo das Bündnis vier Forderungen an die Fraktionen abgeben will.

Julia Christina Stange, eine der Sprecherinnen des Bündnisses, erklärt, dass man von jeder der 55 Einrichtungen in Rheinland-Pfalz, die den Pflegeaufstand unterstützen, lediglich eine Person nach Mainz delegiere. „Wir werden dann im Gänsemarsch durch die Stadt zum Landtag ziehen und dort den Fraktionen noch vor der Landtagswahl unsere Forderungen übergeben.“ Um 15 Uhr treffen sich die Vertreterinnen aus den verschiedenen Einrichtungen am Mainzer Hauptbahnhof, um mit Abstand und Maske in einer Schlange durch die Mainzer Innenstadt zum Rheinufer in Höhe der Theodor-Heuss-Brücke zu ziehen. Am Rheinufer wird Julia Stange gegen 16 Uhr eine Rede halten und die Forderungen dann an die Vertreter von SPD, Grüne, FDP und CDU übergeben.

Fordern werden die Pflegekräfte folgendes:

  1. Mehr Personal und verbindliche Personalvorgaben für alle Bereiche der professionellen Pflege.

  2. Keine Pflegefachperson soll mehr alleine im Dienst sein.

  3. Eine tarifliche Bezahlung für alle und deutlich mehr Gehalt.

  4. Eine bedarfsgerechte Finanzierung und eine solidarische Pflegegarantie für die Altenpflege. Das DRG-System für die Krankenhäuser ist abzuschaffen.

Covid-19 mache wie in einem Brennglas deutlich: „Ohne den Pflegenotstand zu bekämpfen sind wir auf Dauer nicht in der Lage, die Lage zu bewältigen“, so der Gründer der Initiative „Pflegekräfte in Not“ Stefan Heyde. Pflegefachfrau Anja Grossmann berichtet, dass Pflegepersonen aktuell extrem durch die Pandemie gefordert seien. „Sie bringen vollen Einsatz, aber sie vermissen Weichenstellungen, damit sich ihre Situation grundlegend bessert.“

Bewusst am Internationalen Frauentag geplant

Der ver.di-Pflegebeauftragte Michael Quetting, dessen Gewerkschaft die Aktion der Pflegepersonen ebenfalls unterstützt, berichtet von 10.000 Pflegepersonen, die allein in Rheinland-Pfalz fehlen würden. „Um den Notstand zu beseitigen, braucht es eine Kehrtwende.“ Die Pflege dürfe nicht nach wirtschaftlichen Kriterien immer weiter ausgedünnt und geschwächt werden. „Wir brauchen eine Orientierung am Bedarf der uns anvertrauten Menschen. Um dies zu erreichen, müssen die Pflegesysteme umgebaut, die Arbeitsbedingungen der Pflegenden und die Bezahlung entscheidend verbessert werden“, so Quetting. „Dieser Umbau muss jetzt beginnen.“

Ganz bewusst finde die „Delegationsdemo“ am Internationalen Frauentag statt, denn über 85 Prozent aller Pflegepersonen sind weiblich, so Quetting. „Geringe Wertschätzung, schlechte Arbeitsbedingungen und Unterbezahlung haben viel mit der fehlenden Gleichberechtigung zu tun.“

Eigentlich hatte das Pflegebündnis eine große Demonstration am 20. März geplant. Aufgrund der Corona-Situation wurde diese allerdings in den Juli verschoben.

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