„Die Wahlen hätten nicht zu einem Ergebnis geführt, das allen gerecht wird“

Im Gegensatz zu anderen Kandidaten, die von einer Kommission nicht für die Aufsichtsratswahl bei Mainz 05 zugelassen wurden, hätte Oliver Michels antreten dürfen. Trotzdem findet er die Entscheidung von Mainz 05 gut, die Wahlen zu verschieben.

„Die Wahlen hätten nicht zu einem Ergebnis geführt, das allen gerecht wird“

Am Dienstagabend platzte die Bombe: Nach tagelanger Kritik musste der FSV Mainz 05 seine geplante Mitgliederversammlung am 9. Februar verschieben. Wann sie nachgeholt wird, ist derzeit noch völlig unklar. Mitglieder und Fans der 05er hatten zuvor die Entscheidungen der Wahlkommission massiv kritisiert - denn bei der Mitgliederversammlung sollten Wahlen zum Aufsichtsrat und zum Vereinsvorsitzenden abgehalten werden. Die Kommission hatte bei 28 Bewerbungen vier der maximal möglichen 16 Bewerberplätze für den Aufsichtsrat unbesetzt gelassen. Zudem wurden vier aktuelle Mitglieder des Aufsichtsrats nicht zur Wahl zugelassen (wir berichteten).

Oliver Michels war als Kandidat für die Aufsichtsratswahl zugelassen, nach einer erfolglosen Kandidatur 2017 wollte er es nun nochmal wissen. Trotzdem ist er über die Absage der Mitgliederversammlung erleichtert. Gegenüber Merkurist sagt er in Bezug auf die Entscheidung der Wahlkomission: „Ich kritisiere, dass es bei dieser Entscheidung an Weitsicht gefehlt hat. Man hätte durchaus absehen können, was danach passiert. Die Entscheidung hat zu heftigen Diskussionen geführt, aber auch zu einer Reihe von Hypothesen - und damit ist das gesamte Wahlverfahren beschädigt worden.“ Was Michels meint: Fans und Mitglieder diskutieren derzeit, ob die Wahlkommission womöglich in ihrer Entscheidungsfindung beeinflusst wurde. Auch deshalb, weil die Kommission sich nicht zu den Gründen ihrer Entscheidung äußert.

„Die Wahlen hätten nicht zu einem Ergebnis geführt, das allen gerecht wird.“ - Oliver Michels

Die zugelassenen Kandidaten seien durch die Entscheidung der Wahlkommission „beschädigt“ worden, so Michels. „Die Kandidaten waren überhaupt nicht mehr von Interesse. Es ging nur noch um diese Entscheidung und die vier bisherigen Aufsichtsratsmitglieder, die nicht mehr zugelassen wurden. Ohne die Entscheidung bewerten zu wollen: Die Wahl stand unter diesen Voraussetzungen unter sehr, sehr schlechten Vorzeichen.“ Für die Aufsichtsratskandidaten selbst und ihre Kompetenzen habe sich von da an keiner mehr interessiert. Daher begrüße er auch die Verschiebung der Mitgliederversammlung und der Wahlen, so Michels weiter. „Die Wahlen hätten nicht zu einem Ergebnis geführt, das allen gerecht wird.“

Michels von Entscheidung überrascht

Dass die Wahlkommission vier Aufsichtsratsmitglieder nicht mehr zur Wahl zuließ, habe Michels „sehr überrascht“, wie er sagt. Ehrenpräsident Harald Strutz bezeichnete diese Entscheidung in einem Artikel der Bild-Zeitung am Sonntag sogar als „ehrverletzend und rufschädigend“. Über diese Entscheidung sagt Michels aber auch: „Es ist aus meiner Sicht kein Automatismus, dass jemand, der im Amt war, bei einer neuen Wahl automatisch gesetzt ist - das ist in der Satzung so nicht beschrieben.“ Nicht nachvollziehen konnte Michels dagegen, dass vier mögliche Kandidatenplätze einfach nicht besetzt wurden. „Dadurch wurde einer Reihe von Kandidaten die Chance genommen, an dieser Wahl teilzunehmen. Ob es dabei automatisch um die vier Plätze der bisherigen Aufsichtsräte gegangen wäre, sei dahingestellt. Es gab ja noch weitere Bewerber.“

Doch wie geht es jetzt weiter - und wann können die Mitglieder den Aufsichtsrat plus Vereinsvorsitzenden wählen? Michels interpretiert eine Vereinsmittelung des FSV vom Dienstagabend so: „Juristen werden sich nun mit der Satzung beschäftigen und einen Vorschlag für ein neues Auswahlverfahren machen. Dieser müsste dann von den Mitglieder legitimiert werden - zum Beispiel auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung. Außerdem müssten die Mitglieder dann eine neue Wahlkommission bestimmen - dann könnte das Auswahlverfahren für Bewerber neu gestartet werden.“

Stand jetzt würde er sich auch in diesem Fall wieder zur Wahl für den Aufsichtsrat stellen, sagt Oliver Michels. „Ich muss aber erst einmal wie alle anderen Kandidaten auch abwarten, was das nun zeitlich bedeutet. Die Frage ist schließlich, wann ein solches Wahlverfahren wieder starten kann. Ich werde das beobachten und in Gesprächen bleiben.“

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