Mainzer Gastronom mit langem Facebook-Post zur Corona-Situation

Seit Mittwoch gelten für Gastronomen in Rheinland-Pfalz weitere Lockerungen. Doch damit verschwinden nicht alle Probleme – der Mainzer Gastronom Michael Vogt macht das mit einem langen Facebook-Post deutlich.

Mainzer Gastronom mit langem Facebook-Post zur Corona-Situation

Seit mehr als 20 Jahren arbeitet Michael Vogt in der Mainzer Gastronomie, 2001 eröffnete er die Kult-Kneipe „Good Time“, ein Jahr später kam der Hardrockclub „Alexander The Great“ (ATG) dazu – beides im Bleichenviertel. Doch „so einen Scheiß“ hätte sich Vogt nie zu träumen gewagt, wie er auf Facebook mitteilt (hier zum kompletten Post).

Vogt schreibt: „Mein ganzer Stolz war der Hardrockclub ‘Alexander The Great’. Meine Musik, meine Konzerte, genau meine Gäste. Lief alles gut, dachte mir immer, wenn ich jetzt keinen Scheiß baue, dann hab ich das bis ans Ende meiner Tage.“ Doch dann kam Corona. Und Tanzlokale und Clubs wie das ATG dürfen weiterhin nicht öffnen. Für die restliche Gastronomie gibt es seit Mittwoch neue Lockerungen, so dürfen Restaurants und Kneipen etwa bis 24 Uhr öffnen.

„Prinzip des Taubenfütterns“

In das „Good Time“ dürfe er mittlerweile zwar wieder Gäste einlassen, so Vogt, doch nur in stark reduzierter Anzahl und zeitlich begrenzt – „aber wenigstens etwas“. Ob am Ende des Monats die Rechnung aufgehe, müsse man abwarten. Die Soforthilfe sei schon nach zwei Monaten aufgebraucht gewesen, die Stundungen liefen diesen Monat aus und die Betriebskosten „schießen jetzt nach der Öffnung wieder nach oben“. Die Regeln seien von Leuten aufgestellt worden, die anscheinend noch nie einen Club oder eine Kneipe von innen gesehen hätten. „Wobei manche sowieso nicht bei mir rein kämen.“

Die aktuellen Hilfen sind für Vogt wie „das Prinzip des Taubenfütterns“: „Da werden paar Brotkrümel gestreut, die eh schon Fettesten und Stärksten picken sie auf, die Schwächeren kommen erst gar nicht in die Nähe.“ So sei es auch mit der Erweiterung des Außenbereichs. „Wenn ich keinen habe, dann kann ich auch nichts erweitern.“ Aber: „Ich missgönne auf keinen Fall eines anderen seinen Biergarten, es muss aber auch mal dran gedacht werden wie unsereiner weiter kommt.“

Er sei dankbar, dass sein Verpächter momentan die Pacht stunde, doch sei es unklar, für wie lange noch. Vogt schreibt: „Wenn heut oder morgen der Hammerschlag kommt, dann ist es das gewesen.“ Angesichts der Ungewissheit habe er immerhin noch einen Zukunftstraum. „Klingt deprimierend? Ist es auch.“

Forderung nach rundem Tisch

Für den Strom im Keller müsse er monatlich 360 Euro zahlen, 600 für die GEMA-Gebühren und weitere 800 für die Krankenversicherung. Im „Alexander the Great“ beliefen sich die Betriebskosten an einem Abend auf rund 800 Euro. „Da müssen 15 Leute reichlich für trinken, ja gar saufen bis zum umfallen. Gleich wieder aufstehen und weiter machen“, so Vogt.

Mit Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) habe er persönlich gesprochen. „Das hat mich auch sehr gefreut, dass er sich die Zeit dafür nahm. Tut ja auch mal gut wenn Dir jemand zuhört. Aber er kann da auch nicht viel machen, so viel Freiraum für Entscheidungen hat er auch nicht“, schreibt Vogt. Doch auch der habe nicht mehr machen können als Vogts Empfehlungen an die Landesregierung weiterzureichen. Zwar hätten die Lockerungen vielen Gastronomen geholfen, doch viele blieben immer noch auf der Strecke. „Von anfänglich betroffenen Gastronomen waren es 100 Prozent aller, dann waren es nur noch 75, dann 40, letztendlich sind es noch vielleicht 5 Prozent.“ Nämlich Clubs, Konzertbühnen und Discos. Vogt fordert, dass sich die Verantwortlichen die Zeit nehmen und sich mit Betroffenen unterhalten. „So etwas wie einen runden Tisch könnte die Stadt zum Beispiel ohne Wenn und Aber einrichten.“ Auch Vogt weiß: „Die Pandemie einfach so verschwinden zu lassen ist nicht möglich, das ist mir klar.“

Auch andere Mainzer Gastronomen äußerten sich bereits kritisch zu den Corona-Maßnahmen. So kritisierten die Inhaber vom „Großen Gatsby“ und „Quartier Mayence“ gegenüber Merkurist die eingeschränkten Öffnungszeiten (wir berichteten). Mittlerweile wurden diese auf 6 bis 24 Uhr erweitert. Für Clubs, Diskotheken und Tanzlokale gibt es hingegen weiterhin keine Öffnungsperspektive. (mo)

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