Abzock-Vorwurf gegen Biontech und Pfizer

Rechercheverbund veröffentlicht brisante Verhandlungsdetails

Abzock-Vorwurf gegen Biontech und Pfizer

Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech und der US-Pharmakonzern Pfizer wollten bei Verhandlungen mit der EU im Sommer 54,08 Euro pro Impfstoff-Dosis. Das berichten NDR, WDR und die Süddeutsche Zeitung (SZ). Insgesamt ging es um eine EU-Abnahme von 500 Millionen Dosen, das entspräche 27 Milliarden Euro. Mit der Menge an Impfstoff hätte knapp die Hälfte aller EU-Bürger geimpft werden können.

Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, Wolf Dieter Ludwig, nannte dieses Angebot von Biontech und dem US-Pharmakonzern Pfizer in einem SZ-Artikel „unseriös“. Weiter sagte er: „Ich sehe darin ein Profitstreben, das in der jetzigen Situation der Pandemie in keiner Weise gerechtfertigt ist.“ Auch deshalb, weil Biontech zuvor von staatlichen Fördergeldern profitierte.

Biontech-Chef Ugur Sahin hatte im Juni noch in einem „Spiegel“-Interview erklärt, kein Pharmaunternehmen wolle sich mit dem Corona-Impfstoff „eine goldene Nase verdienen“. Dem Rechercheverbund nach war einen Tag nach dem Interview ein streng vertrauliches Angebot im Namen von Pfizer und Biontech bei der EU-Kommission eingegangen, in dem die gravierenden wirtschaftlichen Folgen der Pandemie skizziert worden sein sollen. Jeder Tag koste die EU demnach 3,8 Milliarden Euro, aufs Jahr gerechnet 1,4 Billionen Euro. Nur ein Impfstoff sei der Weg aus dieser Notlage.

Nach wochenlangen Diskussionen darüber, ob die EU frühzeitig mehr Impfstoff-Dosen bei Pfizer und Biontech hätte bestellen können, werfen die Rechercheergebnisse von NDR, WDR und SZ nun ein neues Licht auf die Verhandlungsstrategie der EU.

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