Wie viel Mainz steckt im Mainz-Tatort?

Hauptbahnhof und Theodor-Heuss-Brücke: Einige der Schauplätze des Mainzer „Tatorts“ waren bereits bekannt. Doch wie viel Mainz steckt sonst in dem ARD-Krimi? Merkurist hat ihn sich angeschaut.

Wie viel Mainz steckt im Mainz-Tatort?

Bus 80 startet vom Mainzer Hauptbahnhof, fährt danach die Gaustraße runter, hält am Brückenkopf in Kastel und fährt schließlich weiter zur Endhaltestelle Höfchen. Moment, irgendetwas stimmt hier nicht. Hat die Mainzer Mobilität ihre Routen in einen Zickzackkurs geändert? Nein, wir sind mitten im Mainzer „Tatort“, der am Ostermontag in der ARD ausgestrahlt wird. Ellen Berlinger, gespielt von Heike Makatsch, wurde von Freiburg nach Mainz versetzt, weil hier Cousine Maja wohnt, die Berlinger bei der Betreuung ihrer Tochter hilft.

Doch wie viel Mainz steckt wirklich in dem Mainzer Tatort? Der allererste Schnitt zeigt bereits ein vertrautes Bild: Eine 16-Jährige läuft die Treppe hoch zu den Kupferbergterrassen. Dass sie kurz darauf an einem Gewächshaus vorbei und in eine verlassene Fabrik kommt, ist dann wieder künstlerische Freiheit. Und in diesem Fall auch Nebensache: Denn kurz darauf ist das Mädchen tot. In Verdacht gerät Jonas, der eigenartige, aber hochintelligente Sohn von Maja.

Fußball, Fastnacht, Marktfrühstück?

Rund drei Minuten dauert es, bis zum ersten Mal ein Mainzer Kennzeichen im Bild ist. Es gehört zum VW von Kommissarin Berlinger, die mit Jonas auf die gegenüberliegende Rheinseite zum Angeln fährt. Dabei ist immer wieder die beeindruckende Theodor-Heuss-Brücke im Bild, die auch später - wie der Mainzer Hauptbahnhof - zum Schauplatz für eine Lösegeldübergabe wird.

Wer im Mainz-Tatort Lokalkolorit erwartet, wird allerdings enttäuscht. Und das nicht nur, weil Teile des Films in Berlin gedreht wurden. Rheinhessischer Dialekt ist im ganzen Tatort nicht zu hören, die drei Mainzer Religionen Fußball, Fastnacht und Marktfrühstück werden nicht erwähnt. Vielleicht ist das auch gut so: Im letzten echten Mainzer Tatort, „Der gelbe Unterrock“ (1980), wird die Fastnacht durchweg als „Karneval“ bezeichnet. Nicht nur deshalb landete er im Giftschrank und gilt heute als einer der schlechtesten Filme der Reihe. Also: Lieber gar nicht anbiedern als falsch.

„Grau und grottenlangweilig“

Von Mainzer Lebensfreude oder Weinseligkeit ist genauso wenig zu sehen. So ist der Tatort mit Heike Makatsch von Anfang an sehr düster, Tageslicht bekommt der Zuschauer nur in wenigen Szenen zu sehen. Die Tageszeitung „Welt“ kommt schon zu dem Urteil: „In Mainz sieht es in diesem Film aus wie überall. Grau und grottenlangweilig.“ Grau vielleicht, langweilig aber nicht. Dafür sorgen allein die guten Schauspieler, allen voran Sebastian Blomberg, der Berlingers Kollegen Martin Rascher spielt.

Achso: Was Ellen Berlingers Verwandter Jonas mit dem Tod der 16-Jährigen zu tun hat und welche Rolle eine blutdurchtränkter Pullover spielt, davon könnt Ihr Euch am Montag selbst überraschen lassen. Um 20:15 Uhr in der ARD.

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