Zollhafen Mainz: Attraktiv oder doch monoton?

Seit 2010 wird auf dem Gelände des alten Zollhafens gebaut. Die Meinungen über die neu entstandenen Gebäude gehen innerhalb der Mainzer Bevölkerung stark auseinander. Doch was stört die Mainzer eigentlich konkret? Wir haben nachgefragt.

Zollhafen Mainz: Attraktiv oder doch monoton?

Kaum ein anderes Bauprojekt wird in Mainz zurzeit so kontrovers diskutiert, wie die Neubauten auf der Fläche des alten Zollhafens. Hier entstehen Eigentums- und Mietwohnungen, Bürogebäude, Gewerbeflächen und Hotels. Bis 2025 sollen auf der rund 30 Hektar großen Fläche 1400 Wohnungen gebaut werden. Einige Projekte sind schon fertiggestellt, andere noch im Bau oder in Planung.

Laut Webseite der Zollhafen Mainz GmbH und Co. KG will man die historische Hafenatmosphäre bewahren, die Neustadt mit dem Rhein verknüpfen und eine gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln garantieren. Auch neue Aufenthaltsmöglichkeiten am Rhein und im Hafengebiet und ein „ansprechendes Gastronomie- und Einzelhandelsangebot“ sollen geschaffen werden. Aber wurden diese Planungsziele bisher erreicht?

Das meinen die Merkurist-Leser

Leser Axel bezeichnet den Zollhafen sogar als „Bausünde“. Doch wie beurteilen zwei Bewohner der neuen Gebäude das Viertel?

Das sagen die Anwohner

Moritz wohnt mit seiner Freundin seit März im neuen Gebäude Rheinallee III. Auf die Frage, was er an seiner Wohnung schätzt, erklärt er: „Ich mag die Ruhe in meiner Wohnung sehr. Von der stark befahrenen Rheinallee höre ich dank der dicken Fenster und Türen so gut wie nichts.“ Diese Ruhe in Kombination mit der sehr zentralen Lage empfinde er als Luxus. „Natürlich ist die Aussicht auch sehr schön.“

Bezüglich der Optik meint er: „Ich finde die Gebäude baulich sehr schön, modern und luxuriös-komfortabel. Seine Freundin finde das Viertel zu verbaut und würde sich mehr Grünfläche wünschen oder einen kleinen Park. „Viele Gebäude sind noch nicht fertig: Wir schauen zu einer Seite auf eine Baustelle, auch Fußwege sind teilweise gesperrt. Ich denke, die endgültige Wohnqualität wird erst einschätzbar sein, wenn alle Grünanlagen und Gebäude fertig sind.“

Kritik an ÖPNV-Anbindung

Was Moritz stört, ist die schlechte Taktung der Straßenbahnlinie 59. Um einen Mehrwert für Mainz darzustellen, sollte die Stadt seiner Ansicht nach darauf achten, dass ein Teil der Fläche für geförderten Wohnraum genutzt wird. „Ich wünsche mir, dass das Viertel nicht zu einer Art ‘Gated Community’ der Wohlhabenden wird, sondern durchmischt bleibt. Auch ein Studentenwohnheim im Zollhafen könnte ich mir vorstellen“, sagt er.

„Mainz hat meiner Meinung nach einige Bausünden, die Neubauten am Zollhafen gehören nicht dazu.“ - Anwohner Anton

Auch Anwohner Anton sei vor allem wegen der zentralen Lage in seine Wohnung im Gebäudekomplex Südmole gezogen, sagt er. Aus ästhetischer Sicht findet er die Südmole sehr gelungen: „Es gibt kleinere Gartenanlagen zwischen den Häusern und es wirkt nicht zu sehr zugepflastert. Auch das Weinlager wirkt an dieser Stelle gut integriert.“ Weiter erklärt er: „Ich finde es gut, dass modern gedacht und gebaut wurde. Mainz ist für mich nicht nur klassisch, sondern auch industriell, modern und gemütlich. Das verkörpert für mich der Baustil am Zollhafen.“ Aber auch Anton bemängelt die Anbindung an den ÖPNV, die noch stark ausbaufähig sei.

Was sagt ein Architekt?

Tobias von Pastau ist Architekt und Geschäftsführer des Mainzer Architekturbüros „mz³“. Ihm gefällt am Zollhafen, dass die besondere Lage am Wasser aufgegriffen wurde: „Es wurden robuste Materialien verwendet, die den Hafencharakter spiegeln. Das Kopfsteinpflaster, Klinkerfassaden, die Hebebrücke und der alte Verladekran - all das halte ich auf jeden Fall für gelungen.“ Dazu gehören für von Pastau auch die Schiffsanlegestellen: „Die Diskussion um die Anlegestellen kann ich nicht nachvollziehen. Um den Hafencharakter zu stärken, ist es für mich klar, dass die Anlegestellen dort hin müssen. Sonst wäre es ja wieder ein x-beliebiges Wohnviertel.“

Allerdings bewertet er auch einige Aspekte negativ. „Die sehr geschlossene Bebauungsweise entlang der Rheinallee hat das negative Bild der Mainzer vom Zollhafen geprägt. Das hätte man besser lösen können: Beispielsweise durch Öffnungen der Gebäude im Erdgeschoss, die das Hafenbecken von der Rheinallee aus sichtbar gemacht hätten.“ Was von Pastau außerdem stört: Der große Zaun, der das Viertel entlang der Rheinallee abgrenzt. „Er soll Hafencharakter darstellen, vermittelt aber eher den Einduck des Abkapselns.“ Außerdem habe man versäumt, regionale Planer und Firmen mit einzubeziehen. „Man ist auf sehr große Investoren gegangen, die dann wiederum mit sehr großen nationalen und internationalen Firmen agiert haben. Hier hätte man versuchen können, mehr Mainzer an der Entstehung zu beteiligen“, so von Pastau. Es müsse zudem unbedingt darauf geachtet werden, dass sich vielfältige Gastronomie ansiedele.

Kein vorschnelles Urteil

„Wenn am Ende alles fertig ist, dann wird es nicht mehr so monoton sein, weil es einzelne Blickfänge gibt, die bewusst anders sind: Zum Beispiel das ‘Pandion’, die Grünflächen auf der Nordmole und das ‘ZigZag’-Gebäude. Man darf sich nicht blenden lassen vom jetzigen Baustand, wo man grade bei den Baustellen auch noch viel Beton sieht“, erklärt der Architekt. „Bauen heißt nunmal verändern und ein paar Einschränkungen, aber man muss es am Ende bewerten und nicht vorher schon kaputtreden während es noch entsteht.“ (pk)

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