Stadt Mainz gegen sechsspurige Ausbaupläne der A643

Oberbürgermeister Michael Ebling sowie Verkehrs- und Umweltdezernentin Janina Steinkrüger richten einen Appell an Verkehrsminister Volker Wissing.

Stadt Mainz gegen sechsspurige Ausbaupläne der A643

Mit einem Schreiben haben sich Oberbürgermeister (OB) Michael Ebling (SPD) sowie Verkehrs- und Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) an den Bundesminister für Digitales und Verkehr, Volker Wissing (FDP), gewandt. Darin fordern sie ihn auf, den geplanten sechsspurigen Ausbau der A643 durch das Naturschutzgebiet Mainzer Sand „nochmals zu überdenken“.

Erst kürzlich hatten sich Naturschutzverbände und einige Mainzer Politiker gegen die weiterhin geplante Erweiterung der Autobahn auf sechs Spuren ausgesprochen, zumindest zwischen der Anschlussstelle Mombach und dem Autobahndreieck. Denn dort durchläuft die Autobahn die Naturschutzgebiete Mainzer Sand und Lennebergwald. Kurz vorher hatte Wissing in einem Interview gesagt, dass der sechsspurige Ausbau auf dieser Strecke für ihn weiterhin „Priorität“ habe (wir berichteten).

Zeitweise Nutzung der Standspuren

OB Ebling und Verkehrsdezernentin Steinkrüger indes tendieren zu einer „4+2-Lösung“, also die zeitweise Nutzung der Standstreifen als weitere Fahrspuren. Auch Mainz stehe zunehmend vor der Aufgabe, sich den Herausforderungen des Klimaschutzes zu stellen, um auch zukünftig einen lebenswerten Stadtraum zu erhalten, so die Politiker. Gehandelt werden müsse dazu „„verstärkt im Bereich der Mobilität und Grünanlagen“. So würden in Mainz bereits Straßen umgestaltet und Flächen entsiegelt. Bekräftigt werde diese Entwicklung durch die Ausrufung des Klimanotstands durch den Mainzer Stadtrat im Jahr 2019. Ziel sei die „Klimaneutralität bis 2035“.

So sei es notwendig, dass die bestehenden Projekte neu geprüft werden müssten, darunter der durch das Stadtgebiet verlaufende Teil der A643. Mit einer 4+2-Lösung werde der großen Bedeutung des Gebiets für den Naturschutz und dem künftig zu erwartenden Verkehrsaufkommen „Rechnung getragen“. Der Lebensraum der im Mainzer Sand angesiedelten Pflanzen und Tiere sei bereits „erheblich durch vielfältigen Flächenverbrauch reduziert, zerschnitten und beeinträchtigt“ worden, so Ebling und Steinkrüger. Werde die Autobahn nun verbreitert, würde weiter Lebensraum verloren gehen. „Daher geht es bei dem Ausbau der A643 nicht nur um weitere Flächenversiegelung, sondern insbesondere auch um die unwiederbringliche Beseitigung eines begrenzten Lebensraumes für eine Vielzahl von seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten, für die die Bundesrepublik Deutschland eine besondere Verantwortung trägt.“

Die 4+2-Lösung sei ein Kompromiss, außerdem schneller zu realisieren und gekoppelt mit einem ausreichenden Lärmschutz. „6+2 führt zu langwierigen juristischen Auseinandersetzungen – mit ungewissem Ausgang“, so die Mainzer Politiker.

Eine weitere Alternative, die bislang kaum in der Politik diskutiert werde, bringt derweil Christian Henkes, Vorsitzender des NABU Mainz, ins Spiel: „Man könnte den gesamten Autobahnabschnitt auch unter die Erde verlegen“, so Henkes. „Dann würde das jetzt zerschnittene Gebiet wieder zusammengeführt werden, und der sechsspurige Ausbau könnte trotzdem realisiert werden.“

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