Grüne und Linke fordern: Straßen mit „NS-Belastung“ sollen umbenannt werden

Pfitznerstraße, 117er Ehrenhof und Hindenburgstraße betroffen

Grüne und Linke fordern: Straßen mit „NS-Belastung“ sollen umbenannt werden

Die Ortsbeiratsfraktionen der Grünen sowie der Linken aus der Mainzer Neustadt beantragen die Umbenennung von drei Straßen im Stadtteil. Konkret geht es um die Pfitznerstraße, den 117er Ehrenhof und die Hindenburgstraße. Die Straßennamen seien nationalsozialistisch belastet, argumentieren die Fraktionen.

„Wir beantragen einerseits, die Umbenennung der Pfitznerstraße zeitnah vorzunehmen“, so Ortsbeirätin Clara Wördsdörfer. Denn der Komponist Hans Erich Pfitzner habe sich noch im Juni 1945 in publizistischen Äußerungen als Verehrer Hitlers, Rassist und unverbesserlicher Antisemit gezeigt. Entsprechend sei die 2011 eingesetzte Arbeitsgruppe „Historische Straßennamen“ in ihrem Abschlussbericht zu der Einschätzung gekommen, die Straße umzubenennen.

„Darüber hinaus“, so Wörsdörfer weiter, „sprechen wir uns dafür aus, den 117er Ehrenhof wieder nach dem Mainzer Naturforscher Georg Forster zu benennen und einen Prozess zur Umbenennung von Hindenburgstraße und Hindenburgplatz in die Wege zu leiten. Wir möchten nicht einfach verschämt und ‚geräuschlos’ den Namen Pfitzner tilgen. Wir glauben, dass es an der Zeit ist für eine umfassende und von der Bürgerschaft getragene Auseinandersetzung mit nationalsozialistisch und rassistisch motivierter Ehrungskultur in unserem Stadtraum.“

Im Fall des 117er Ehrenhofs sei die Situation etwas komplizierter. Der früher nach Georg Forster benannte Platz wurde im Zuge der Errichtung eines Ehrenmals für das 1919 aufgelöste Hessische Infanterie-Regiment Nr. 117 umbenannt – die Errichtung wurde allerdings von den Nationalsozialisten als Demonstration gegen den Versailler Vertrag inszeniert. „Bis heute“, so Wörsdörfer, „vermittelt der leicht verwahrloste Platz, jenseits von Gedenken an gefallene Soldaten, eine Botschaft militaristischer Propaganda und Feier deutschen Großmachtstrebens.“

In vielen deutschen Städten seien zudem Umbenennungsverfahren von Hindenburgstraßen eingeleitet worden. Die jüngere Forschung habe herausgearbeitet, dass Hindenburg nicht altersseniles Opfer war, sondern bis zum Ermächtigungsgesetz die NS-Politik der Verfolgung und Zerstörung legitimierte. „Er ist nicht zu leugnender Teil der deutschen Geschichte“, so Wörsdörfer. „Aber: Er gehört als Steigbügelhalter Hitlers eindeutig nicht mehr zum Kreis derer, auf die wir uns traditionsbildend berufen sollten.“

Marco Neef, Fraktionssprecher der Grünen, sagt: „Die Stadt sollte alle Kosten von Gebühren übernehmen, die im Zuge der Umbenennung für die Bürger entstehen und auf die die Stadt einen Einfluss hat. Das wird auch in Darmstadt bei der Umbenennung der Hindenburgstraße so gehandhabt.“

Ursprünglich war der Antrag bereits im März eingereicht worden, die Ortsbeiratssitzung fiel allerdings wegen der Corona-Krise aus. Die Neustadt-SPD hatte bereits im Februar erklärt, sich mit einem Antrag für eine Umbennenung der Pfitznerstraße einzusetzen. „Hans Erich Pfitzner war Antisemit und glühender Anhänger Hitlers. Nach so einem Menschen sollte keine Straße in Mainz und schon gar nicht in der Mainzer Neustadt benannt sein“, erklärte Erik Donner, Vorsitzender der Neustadt-SPD damals. Nun stehen die Anträge von Linken, Grünen und der SPD in der Sitzung am Mittwoch, 24. Juni, auf der Tagesordnung. (df)

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