Heimspiel ohne Fans: Warum muss der Stadionsprecher trotzdem ran?

Das gab es noch nie in der Bundesliga-Geschichte von Mainz 05! Am kommenden Sonntag findet gegen RB Leipzig erstmals ein Heimspiel ohne Fans statt. Warum Stadionsprecher Andreas Bockius trotzdem im Einsatz sein muss, hat er Merkurist verraten.

Heimspiel ohne Fans: Warum muss der Stadionsprecher trotzdem ran?

Am 8. März fand zum bislang letzten Mal ein Bundesliga-Heimspiel des FSV Mainz 05 in der Opel Arena statt. Rund um die Begegnung gegen Fortuna Düsseldorf durften Merkurist-Reporter einen Tag lang Stadionsprecher Andreas Bockius bei seinem „normalen“ Job begleiten. In den Wochen danach musste die Liga wegen der Corona-Krise pausieren, ob die Saison fortgeführt werden kann, war lange Zeit unklar. Doch seit einer Woche rollt der Ball wieder und am kommenden Sonntag (24. Mai) kann Andreas Bockius endlich wieder seiner Arbeit als Stadionsprecher nachgehen - obwohl wegen der Corona-Krise immer noch keine Fans ins Stadion dürfen.

Für Bockius bedeutet das eine Umstellung: Denn statt 25.000 bis 34.000 Fans sind am Sonntag gegen Leipzig maximal 300 Spieler, Trainer, Betreuer, Ordner und Medienschaffende in der Arena - unter strengen Hygienevorschriften. Trotzdem wollte Bockius unbedingt dabei sein: „Ich habe im Vorfeld Kontakt gehalten und signalisiert, dass ich auf jeden Fall als Stadionsprecher bereit wäre, wenn man mich braucht“, sagt er gegenüber Merkuirst. Und Bockius wird gebraucht: Er dient nicht nur als Tor-Ansager oder Stimmungskanone - auch als Sicherheitssprecher. Sollten Notfälle rund um das Spiel eintreten, informiert er die Menschen im Stadion, wie sie handeln sollen.

Rituale werden beibehalten

„Trotzdem behalten wir viele Rituale von den normalen Heimspielen bei“, sagt Bockius. Wenn die Mainzer Mannschaft zum Aufwärmen auf den Platz kommt, wird Musik laufen. Die Aufstellung der 05er wird vor dem Anpfiff trotzdem verlesen und wenn Quaison oder Onisiwo ein Tor erzielen, läuft natürlich der Narhallamarsch. Und auch auf seine Markenzeichen, das langezogene „Guuudeee“, will Bockius nicht verzichten. Eine wichtige Änderung gibt es aber dennoch für den Stadionsprecher: „Normalerweise stehe ich zwischen den Trainerbänken am Spielfeldrand. Um den Abstand zu allen Beteiligten halten zu können, ziehe ich nun hoch auf die Terrasse vor dem VIP-Raum auf der Haupttribüne.“

Und was erwartet der Stadionsprecher von seinem ersten Geisterspiel: „Ich bin gespannt, wie sich das anfühlen wird, so etwas habe ich noch nicht erlebt. Selbst bei eher weniger besuchten Testspielen sind ja immerhin noch ein paar Fans im Stadion“, sagt Bockius. Das erste Spiel der Mainzer nach der Corona-Pause am vergangenen Sonntag in Köln hat Bockius am TV verfolgt. Nicht nur als Fan, auch als Kollege der Stadionsprecher des 1. FC Köln. „Ich habe natürlich schon geschaut, wie man dort mit der Situation umgeht.“ Bei aller Inspiration steht für ihn fest: „Ich denke, ich werde bei Toren genau so emotional reagieren als wenn die Arena voller Fans wäre.“ (rk)

Logo