Leben Radfahrer in Mainz gefährlich?

Täglich sind Tausende von Menschen mit dem Rad in Mainz unterwegs. Doch wie sicher ist die Stadt für Radfahrer? Merkurist hat sich unter anderem die Analysen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs angeschaut.

Leben Radfahrer in Mainz gefährlich?

Außer Bahnen, Bussen, Autos und Fußgängern sind in Mainz täglich auch viele Radfahrer auf den Straßen unterwegs. Rund 20 Prozent des Gesamtverkehrs macht laut Stadt Mainz der Radverkehr aus. Und gerade um deren Sicherheit steht es nach Meinung von Merkurist-Leserin Beatrix nicht gut, wie sie in ihrem Snip schreibt. Doch was ist da dran?

Betrachtet man zunächst die aktuelle Verkehrsunfallstatistik der Mainzer Polizei, die Anfang dieses Jahres vorgestellt wurde, hat sich die Zahl der Unfälle mit Radfahrern in den vergangenen zwei Jahren leicht erhöht. Im Schnitt verunglückte 2018 alle 15 Stunden ein Radfahrer. 576 Radfahrer waren es 2017, 2018 waren es insgesamt 587. Todesfälle gab es in den vergangenen zwei Jahren je einen. Die Zahl der Verletzten ging aber insgesamt zurück. Als Unfallursachen nannte die Polizei im Jahr 2017 unter anderem zu geringen Sicherheitsabstand und das Fahren auf dem Gehweg. Aber auch Fehler anderer Verkehrsteilnehmer wie die von Autofahrern waren laut Polizei oft die Ursache. Doch trägt auch die Infrastruktur in der Stadt zu den Unfällen bei?

Was sagen ADFC und ADAC?

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) führte im vergangenen Jahr eine große Umfrage zum Fahrradklima in deutschen Städten durch. Rund 170.000 Bürger beteiligten sich an der Umfrage und bewerteten insgesamt 683 Städte - darunter auch Mainz. Dabei gaben die Teilnehmer an, welche Aussagen zu Themen wie beispielsweise Sicherheit beim Radfahren und Stellenwert des Radverkehrs, zutreffen oder nicht zutreffen. Benotet wurde mit den Noten 1 bis 6. Die Stadt Mainz kam damals gerade einmal auf die Note 4,0. Besonders schlecht bewertet wurde der Zustand des Radverkehrs in den Punkten Breite der Radwege (Note 5), Führung an Baustellen (4,8), Ampelschaltung für Radfahrer (4,8), Winterdienst auf den Radwegen (4,5) und Hindernissen auf den Radwegen (4,8).

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) hat sich in einer Analyse mit den Kreuzungen beschäftigt. Hier schneidet Mainz mit der Note „gut“ ab. Insgesamt zehn Routen wurden untersucht, bei denen der ADAC diverse Stärken und Schwächen feststellte. Lob gibt es vom ADAC unter anderem für sicheres Linksabbiegen und die Haltelinien, auf denen die Radfahrer vor den Autos an Kreuzungen warten können. Zudem seien die Radwege oft farblich gut gekennzeichnet.

Kritik übt der ADAC aber an den Ampelschaltungen, die oft zugunsten von Autos und Lkw ausfallen. Als Beispiel nennt der Club hier die Kreuzung Holzhofstraße/Neutorstraße, an der Autos früher Grün bekommen als Radfahrer. Oft gebe es an viel befahrenen Straßen zudem keine Querungshilfen wie Ampelinseln. Außerdem bemängelt der ADAC die schlechten Sichtverhältnisse zum Beispiel an Grundstückseinfahrten oder auch an der Kreuzung Rheinstraße/An der Nikolausschanze.

Was plant die Stadt Mainz?

Soweit also der Ist-Zustand, an dem laut den Analysen von ADFC und ADAC noch einiges zu tun ist. Was aber plant die Stadt Mainz, um die Sicherheit für Radfahrer zu erhöhen? In Zukunft soll ein Punkteplan, der sogenannte Rad-Konsens zur Förderung des Radverkehrs beitragen. Wie die „Allgemeine Zeitung“ berichtet, seien bei einer ersten Bürgerbeteiligung schon Ideen und Forderungen genannt worden - darunter mehr Personal, flächendeckendes Tempo 30 und die Beseitigung von Hindernissen. Bis dieser Konsens in Kraft tritt, dürfte aber noch etwas Zeit vergehen. In diesem Jahr wurden zudem einige Verkehrssituationen entschärft oder verändert, darunter an der Bauhofstraße (wir berichteten) und in der Großen Bleiche (wir berichteten). Auch am Fort Gonsenheim/An der Allee wurde die Wegführung geändert, da sich hier Unfälle mit Radfahrern häuften. (mm)

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