Mainzer Polizeibeamte üben für den Ernstfall

Schwer bewaffnete Polizisten, Schüsse aus einem Schulgebäude: Am Mittwoch wurde zwischen 8 und 15 Uhr im Willigis-Gymnasium kein Actionfilm gedreht - die Mainzer Polizei bereitete sich auf den Ernstfall vor.

Mainzer Polizeibeamte üben für den Ernstfall

Am Mittwochvormittag hallen Schüsse aus dem Gebäude des Mainzer Willigis-Gymnasiums. Kurz darauf laufen bewaffnete Polizisten in Schutzausrüstung die Goldenbrunnengasse hinauf. Nachdem sie schnell die Lage geprüft haben, stürmen sie das Gebäude und weitere Schüsse fallen.

Auf den Ernstfall vorbereiten

Was an eine Szene aus einem Krimi oder Actionfilm erinnerte, war eine Übung der Polizeiinspektion Mainz 1, um die Streifenbeamten auf sogenannte lebensbedrohliche Einsatzlagen vorzubereiten - wie einen Amoklauf an der Schule. „Statistisch gesehen kommt jeder Beamte einmal in seinem Dienstleben mit einem solchen Notruf in Berührung“, erklärte Polizei-Pressesprecher Alexander Koch. Das Ziel sei, den Täter schnellstmöglich zu finden und die Lage individuell zu lösen. „Bei einem Amoklauf sind das in der Regel 20 bis 30 Minuten. Da bleibt keine Zeit, Spezialkräfte anzufordern.“

Die etwa 40 beteiligten Beamten übten mit den Kollegen, mit denen sie auch im regulären Einsatz zusammenarbeiten. Außer der speziellen Schutzausrüstung trugen sie während der Übung sogenannte „Rotwaffen“, die mit den Einsatzwaffen identisch sind, aber nicht abgefeuert werden können. Als einzige Information erhielten sie einen Notruf, bei dem ein Zeuge Schüsse aus der Schule meldet. „Anschließend folgen verschiedene Drehbücher mit überraschenden Situationen für die Einsatzkräfte“, so Koch. Während das erste Szenario mit dem Selbstmord des Amokläufers endete, wurden die Beamten beim zweiten Durchgang mit zwei Schützen konfrontiert. Das dritte Szenario sah vor, dass der Täter das Gebäude bereits verlassen hat und den Beamten auf der Straße entgegenkommt.

Keine Beeinträchtigungen für Straßenverkehr und Anwohner

Das Willigis-Gymnasium sei als Übungsort vor allem wegen seiner Lage ausgewählt worden, erklärte Koch. „Wir wollten für die Übung nicht den kompletten Verkehr in der Innenstadt lahmlegen.“ So kam es nur zu einer kurzen Sperrung der Weißliliengasse, die nach wenigen Minuten wieder aufgehoben wurde. Anwohner wurden im Vorfeld der Übung ebenso informiert wie die Bauarbeiter auf dem Schulgelände und vorbeikommende Passanten. Um Unfälle oder sonstige Gefahren für die Bürger auszuschließen, überwachten weitere Beamte, die sogenannten „Schiedsrichter“, die Übung, um sie im Notfall abzubrechen. Das war allerdings nicht nötig: Etwa 20 Minuten, nachdem der Notruf eingegangen war, verließen die Beamten das Schulgebäude.

Erfolgreicher Übungsdurchlauf

„Das ist ein schlimmes Gefühl, wenn man von hinten auf die Kollegen zielt“, erzählte Polizeihauptkommissar Bernd Mauritz, der beim zweiten Übungsszenario einen der beiden Täter darstellte. Als Schieß- und Einsatztrainer bereitet er seine Kollegen auf lebensbedrohliche Situationen vor. „Wir bringen den Leuten nicht bei, andere zu erschießen, sondern möglichst viel Sicherheit zu schaffen.“ Dazu gehört auch die taktische Notfallintervention: „Die Kollegen müssen sich beispielsweise darauf vorbereiten, Verletzte liegen zu lassen. In der Zeit, in der sie Erste Hilfe leisten würden, könnten andere sterben.“

Die Einsatzkräfte hätten gezielt und schnell versucht, den Täter zu lokalisieren, fasste Polizei-Pressesprecher Koch den zweiten Durchlauf zusammen. „Als die Schüsse fielen, haben sie kurz gezögert und sind dann, sobald eine Eigengefährdung ausgeschlossen war, reingegangen.“ Eine detaillierte Nachbereitung mit den beteiligten Beamten erfolgte laut Koch direkt im Anschluss an die Übung. „Was da genau besprochen wird, muss intern bleiben, um potenziellen Tätern keine Hinweise zu liefern, man kann sich das aber wie eine Spielanalyse beim Fußball vorstellen.“

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