Horror-Fund in Brief: Abgetrennter Finger an Anwältin geschickt

Die Anwaltskanzlei „Hobohm & Kollegen“ hat am Donnerstag ein Drohschreiben mit einem abgeschnittenen Plastikfinger erhalten. In solchen Fällen sei der Täterkreis meist schnell eingrenzbar, wie ein Polizeisprecher erklärt.

Horror-Fund in Brief: Abgetrennter Finger an Anwältin geschickt

Es ist eigentlich ein ganz normaler Donnerstagmorgen, als die Auszubildende der Kanzlei Hobohm & Kollegen in Alzey wie immer die Post aufmacht. Das ändert sich schlagartig, als sie einen der Briefe öffnet: Plötzlich fällt ihr ein abgeschnittener mit Blut beschmierter Finger entgegen. Mit im Umschlag liegt ein Drohschreiben mit den Worten: „Ich werde dich erwischen – du altes Stück Scheiße“.

Brief und Fake-Finger an Anwältin für Familienrecht adressiert

„Ich habe einen Schrei aus ihrem Büro gehört, bin zu ihr gelaufen und habe dann gesehen, wie der Finger auf dem Tisch lag“, erzählt Dr. André Natalello, einer der drei Geschäftsführer der Kanzlei, einen Tag nach dem Vorfall. Er rief sofort die Polizei. Kurze Zeit später stellte sich heraus, dass es sich um einen Plastikfinger und Fake-Blut handelte. Adressiert waren Brief und Finger an die Fachanwältin für Familienrecht der Kanzlei.

„Beleidigungen sind schon vorgekommen. Persönliche Drohungen gab es aber noch nie.“ - André Natalello, Mitgeschäftsführer der Kanzlei

„Im Familienrecht werden natürlich hochemotionale Themen besprochen. Oft geht es auch um Dinge wie Scheidungen oder Sorgerecht“, sagt Natalello. Dementsprechend würden sich Beteiligte auch gegenüber der Anwältin oft emotional verhalten. Aber: „Beleidigungen sind schon vorgekommen. Persönliche Drohungen gab es noch nie.“

Polizei ermittelt – Täterfeld oft schnell eingrenzbar

Die Polizei ermittelt derweil, wie Frank Beatzel von der Alzeyer Polizei auf Merkurist-Anfrage bestätigt. „In solchen Fällen kann man das Täterfeld meist relativ schnell eingrenzen, da sich Täter und Anwalt wahrscheinlich kennen“, so Beatzel. Bei anonymen Drohungen im Internet sei das beispielsweise schwerer.

„Es gibt ein paar, die wir eingrenzen können. Das werten wir aktuell noch aus.“ - André Natalello

Natalello berichtet, dass der Brief in einer Postfiliale gestempelt wurde. Dort könnten dann eventuell weitere Erkenntnisse zum Täter eingeholt werden. Das Team der Kanzlei selbst gehe bereits Fälle durch, bei denen der Täter involviert sein könnte. „Es gibt ein paar, die wir eingrenzen können. Das werten wir aktuell noch aus.“ Das Team habe bereits Schutzmaßnahmen ergriffen und sei zuversichtlich, dass der Täter gemeinsam mit der Polizei ermittelt werden kann. Hinweise nehme die Kanzlei entgegen.

Die Auszubildende, die den Finger am Donnerstag gefunden hat, mache heute erst einmal nicht die Post auf, sagt Natalello. „Sie war die erste halbe Stunde natürlich erstmal traumatisiert, danach war sie aber wieder gefasst und sagt, sie kann damit umgehen.“

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