Diese Mainzer wurden zu Helden

Lebensretter im Cinestar, Polizei-Praktikantin mit ungewöhnlichem Einsatz und ein mutiger Straßenbahnfahrer - diese Mainzer wurden im Alltag zu Helden.

Diese Mainzer wurden zu Helden

Sie sind weder berühmt noch haben sie Superkräfte, aber im Kleinen haben sie Großes geleistet. Merkurist stellt in einer neuen Serie Mainzer vor, die im Alltag zu Helden wurden.

Lebensretter aus dem Cinestar

Ende Juli 2017 wollten viele Mainzer wissen: Wer ist der unbekannte „Schutzengel“ aus dem Cinestar? Eine ältere Mainzerin hatte einen Herzinfarkt im Kino in der Holzhofstraße erlitten. Dank des schnellen Eingreifens eines Ersthelfers überlebte die Frau den schweren Hinterwandinfarkt. Merkurist veröffentlichte einen Artikel zu dem Vorfall, wenige Tage später meldete sich schließlich der Schutzengel: Es war Dominik Zitoun.

Gegenüber Merkurist erzählte er, wie er zum Lebensretter wurde: „Als wir in den Kinosaal im Obergeschoss des Gebäudes gehen wollten, bemerkte ich, wie eine Frau auf einem Stuhl saß und sich ein Kinomitarbeiter gerade um sie kümmerte.“ Wo viele andere wohl vorbeigegangen wären, blieb Dominik stehen. Der Grund: Er ist ausgebildeter Notfallsanitäter. Er vermutete sofort einen Herzinfarkt. „Ich habe dann meine Kollegen auf der Rettungsleitstelle angerufen und detailliert von den Beschwerden der Frau erzählt.“

Später bedankte sich der Sohn der Mainzerin bei Dominik . „Nur aufgrund Ihrer schnellen und professionellen Hilfe konnte meine Mutter unverzüglich behandelt und letztendlich gerettet werden. Im Namen meiner Familie möchte ich mich sehr bei Ihnen bedanken. Vielen, vielen herzlichen Dank!“ Einige Wochen später trafen sich Dominik und die Frau, die er gerettet hatte - natürlich im Kino.

Polizei-Praktikantin wird zur Heldin

Johannisnacht 2019, Freitagabend gegen 18 Uhr: Eine 24-jährige Mainzerin fand auf einer Toilette am Mainzer Rheinufer eine Geldbörse mit weit über 1000 Euro. Da sich kein Hinweis auf die Besitzerin finden ließ, ging die 24-Jährige ohne zu zögern zum Altstadtrevier und übergab dort einer jungen Polizei-Praktikantin die Geldbörse.

Die 22-jährige Praktikantin ahnte sofort, dass es sich um die Einnahmen eines Standes der Mainzer Johannisnacht handeln könnte. In der Geldbörse selbst befand sich aber nur ein Brillenpass einer Optikerkette mit einer Kundennummer. Die Praktikantin begann die Ermittlungen schließlich bei der Optikerkette und erhielt dort einen Namen. Später ermittelte die Praktikantin eine Handynummer und telefonierte mit einer jungen Frau. Es stellte sich heraus, dass die Mutter der jungen Frau die Geldbörse verloren hatte. Die Mutter ist Betreiberin eines Imbissstands, die Einnahmen, die sich in der Geldbörse befanden, hatte sie eigentlich schon abgeschrieben. Umso glücklicher war die 39-Jährige, als sie dann am Samstagmorgen ihre Geldbörse wieder in Empfang nehmen konnte. Der ehrlichen Finderin versprach sie einen großzügigen Finderlohn und eine Einladung zum Essen.

Straßenbahnfahrer verhindert Schlimmeres

An einem Donnerstagmorgen im Dezember 2016 wartete die Mainzerin Marie* an der Haltestelle Münsterplatz auf ihre Straßenbahn. Bevor aber ihre Tram ankam, näherte sich ihr ein Mann. „Er kam zu mir, und fasste mich oberhalb der Brust an. Dann griff er meine Hand und schaute mich nur an“, erzählte Marie gegenüber Merkurist. Als sie in die Straßenbahn einstieg, stieg auch er ein. Der Mann setzte sich neben sie auf einen Vierersitz. Zu einem älteren Herrn habe er dann gesagt: „Siehst du die Schlampe dort, die ficke ich auch noch.“ Marie stand auf, der Mann hielt ihre Hand fest. Sie riss sich los und lief nach vorne zum Fahrer. „Ich sagte zu ihm: Können Sie bitte mal schauen, der Typ da hinten fasst mich die ganze Zeit an und folgt mir schon seit dem Münsterplatz.“ Marie fing an zu weinen.

Der Straßenbahnfahrer reagierte sofort. Mit Wucht schlug er die Tür zu und schrie: „Was ist los?“ Zu Marie sagte er: „Du brauchst keine Angst haben, ich bin hier.“ In der Büdinger Straße ließ er sie aussteigen und hinderte den Mann daran, die Bahn zu verlassen. „Er hielt den Mann recht lange auf, ich war aber so gelähmt, dass ich mich vor einem Haus versteckte, bevor ich zur Arbeit ging.“ Via Merkurist bedankte sich Marie bei dem unbekannten Straßenbahnfahrer. „Es war eine wirkliche Heldentat von ihm, ich bin ihm etwas schuldig“, sagt sie. „Ich möchte gar nicht wissen, was passiert wäre, wenn er mir nicht geholfen hätte.“ Es müsse mehr Menschen wie den Straßenbahnfahrer geben. „Möge ihm nur Gutes in seinem Leben geschehen.“

Lebensretterin aus der Straßenbahn

Eigentlich wollte Dietmar mit seiner Frau Heidrun einen neuen Fernseher kaufen. Am Samstag, den 9. Juli 2016 stieg das Ehepaar um 9:30 Uhr an der Haltestelle Bismarckplatz in die Straßenbahn. Kurz danach wurde dem 65-jährigen Mainzer plötzlich übel, dann ging alles ganz schnell. „Mein Mann hat sofort einen Sitzplatz gesucht, dann ist er zusammengesackt und hat einen epileptischen Anfall bekommen“, sagte Heidrun gegenüber Merkurist.

Eine etwa 25 bis 30 Jahre alte Frau reagierte sofort. Sie legte Dietmar auf den Rücken und begann mit einer Herzmassage. Nach etwa 30 Sekunden kam der 65-jährige wieder zu sich. Kurze Zeit später traf der Rettungsdienst ein. Schnell stellte sich heraus, dass die Situation äußerst kritisch war: Dietmar hatte einen Schlaganfall erlitten. „Die Sanitäter haben mir gesagt, dass die Ersthelferin meinem Mann das Leben gerettet hat. Ich hätte mich noch gern bei ihr bedankt, aber da war sie schon weg“, sagt Heidrun. Als Dankeschön wollte sie der jungen Frau einen großen Blumenstrauß schenken. Die Helferin konnte nicht mehr ausfindig gemacht werden, doch ihre Tat bleibt vorbildhaft. (df)

*Name geändert

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