Allianzhaus: Flüchtlinge ziehen Mitte April ein

Einen Monat vor Eröffnung der Flüchtlingsunterkunft im Allianzhaus hat sich die Stadt am Dienstag den Fragen der Anwohner gestellt. Dabei zeigte sich, dass die neue Unterkunft die Menschen immer noch polarisiert.

Allianzhaus: Flüchtlinge ziehen Mitte April ein

Am 15. April eröffnet die bisher zentralste Unterkunft für geflohene Menschen in Mainz: im Allianzhaus an der Großen Bleiche haben dann bis zu 290 Bewohner Platz. Bei einem Infoabend am gestrigen Dienstag im Haus der Jugend gab die Stadt Anwohnern die Gelegenheit, Fragen zu der Unterkunft und den damit verbundenen Plänen der Stadt zu stellen. Dabei wurde deutlich, dass über das Flüchtlingsheim weiterhin kontrovers diskutiert wird. Einige Anwohner ließen durchblicken, dass sie die Unterkunft weiterhin lieber in den Außenbezirken von Finthen und Bretzenheim gesehen hätten. Andere zeigten sich bereit, sich für die Flüchtlinge zu engagieren.

Stadt macht keine Angaben zu Kosten

Etwa 150 Leute kamen, um sich über die Pläne der Stadt für die neuen Nachbarn zu informieren. Wie Sozialdezernent Kurt Merkator sagte, sollen die ersten Menschen am 15. April die 61 Zweier- bis Achterzimmer im ersten bis vierten Stockwerk des ehemaligen Allianzhauses beziehen. Weil nur wenige Außenflächen zur Verfügung stehen, wird es im Inneren große Gemeinschaftsräume geben, in denen Kinder spielen und Erwachsene sich treffen können.

Mit dem Besitzer des Kulturklubs SchonSchön im Erdgeschoss habe sich die Stadt auf einen etwas niedrigeren Lärmpegel geeinigt. Verantwortlich für die soziale und psychologische Betreuung ist das Deutsche Rote Kreuz. Über die Kosten für die Unterkunft gab die Stadt keine Auskunft. Das sei nicht öffentlich: „Wir nehmen diejenigen Kosten in die Hand, die dieser Umbau kostet“, sagte Merkator und entgegnete dem Vorwurf, es werde „wieder gemauschelt“. Neben Merkator sprachen auch Sozialpädagogen und ein Bauleiter über die neue Unterkunft. Ein Vertreter, der für die Mainzer Flüchtlinge und künftigen Bewohner sprach, fehlte jedoch.

Kontroverse Diskussion

In der anschließenden Diskussionsrunde gab es dann neben überwiegend sachlichen Beiträgen teils extreme Meinungen zu der neuen Flüchtlingsunterkunft und deren Bewohnern. So befürchte bespielsweise eine Neustädterin, morgens beim Bäcker von den „Menschen mit Migrationshintergrund“ angeschrien zu werden. Eine Frau, die sich ehrenamtlich für die Flüchtlinge engagiert, war in Sorge um die neuen Bewohner. Sie war der Meinung, dass drei rund um die Uhr patrouillierende Sicherheitskräfte nicht genug Schutz für die Asylsuchenden böten - auch wenn es, wie die Stadträte sagten, in Mainz bisher keinerlei Übergriffe von Rechtsradikalen auf Heime gegeben habe.

Ein Punkt, der für mehrfache Nachfragen sorgte, war, wer genau in die Unterkunft einziehen soll. Familien, unbegleitete Minderjährige oder Alleinstehende? Das stehe noch nicht fest, sagte Merkator. Die Stadt werde Menschen aus anderen Unterkünften dorthin schicken und eine gemischte Bewohnerschaft anstreben. „Für junge Leute ist die Innenstadt natürlich attraktiver als für Kinder, die um sieben ins Bett müssen“, so Frank Panscher vom Deutschen Roten Kreuz. Hier seien die außerhalb gelegenen Unterkünfte mit Spiel- und Fußballplätzen geeigneter. Letztlich, so Merkator, könne die Zusammensetzung aber niemand vorhersehen, schließlich würden der Stadt jede Woche neue Flüchtlinge vom Land zugewiesen.

Christian Gottas koordiniert den Einsatz von Ehrenamtlichen rund um das neue Wohnheim. Unsicherheit über die genaue Zusammensetzung der Bewohner, lässt er nicht als Grund für Ängste gelten. „Es ist eigentlich auch scheißegal, wer da einzieht. Sie haben auch keinen Einfluss darauf, wer in die Nachbarwohnung einzieht, es sei denn Sie sind der Vermieter.“ Nicht nur am Applaus im Saal konnte man erkennen, dass sein Aufruf, die Menschen einfach kennenzulernen, Gehör fand. Denn am Ende der Veranstaltung herrschte der größte Andrang um seinen kleinen Tisch vor dem Ausgang, wo sich die Besucher als ehrenamtliche Helfer für Sprachkurse, eine Fahrradwerkstatt oder die Hausaufgabenhilfe eintragen konnten.

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