Mordfall Susanna: Vieles spricht für eine geplante Tat

Zwar hat der Angeklagte Ali B. den Mord an der 14-jährigen Susanna schon mehrfach gestanden. Er streitet aber ab, sie zuvor vergewaltigt zu haben. Immer mehr Zeugenaussagen zeichnen aber ein anderes Bild.

Mordfall Susanna: Vieles spricht für eine geplante Tat

Als einen Blackout, so hatte Ali B. den Mord an der 14-jährigen Schülerin Susanna aus Mainz bei seiner Aussage zu Prozessbeginn beschrieben. Gemeinsam seien sie in der Tatnacht im Feld bei Erbenheim gewesen, wo sie dann freiwillig mit ihm geschlafen habe. Weil sie wegen einer Verletzung, verursacht durch einen herunterhängenden Ast, zur Polizei gehen wolle, habe er sie dann erwürgt.

Durch die vielen Zeugenaussagen im Prozess entsteht aber Schritt für Schritt ein anderes Bild von dem, was in der Tatnacht geschah. Die Zeugen beschreiben einen Angeklagten, der schon lange mit aller Macht versucht hatte, mit dem Mädchen zu schlafen. Auch für die von ihm stets bestrittene Vergewaltigung, welche die Staatsanwaltschaft Ali B. zu Last legt, gibt es immer mehr Hinweise.

Ali war lange hinter Susanna her

Einige davon gab Mansoor Q., der auch am Montag wieder vor Gericht aussagt. Er gilt als eine Art Kronzeuge in dem Fall, da er der Polizei im Juni die entscheidenden Hinweise gab, die zum Auffinden von Susannas Leiche führten. Er schildert eine gemeinsame Busfahrt mit Ali B., in der der Angeklagte ihm von Susanna erzählt hatte. Diese habe aus Alis Sicht einen „geilen Körper“ und er wolle unbedingt Sex mit ihr haben. „Wenn ich sie nicht ficken kann, lass ich sie nicht in Ruhe“, soll er zu Mansoor gesagt haben.

Laut dem Zeugen soll Ali schon mehrfach erfolgreich versucht haben, sie anzufassen. Wenn Mansoor Susanna irgendwo in der Stadt sehe, solle er Ali gleich bescheid geben, habe Ali zu ihm gesagt. Als er Mansoor von dem Mord erzählt habe, soll er gesagt haben, dass sich Susanna heftig gegen den Geschlechtsverkehr gewehrt habe und Ali sie mit einem Stock um den Hals dazu gezwungen habe. Wie schon bei der Verhandlung in der vorherigen Woche muss der Angeklagte während der Aussagen von Mansoor Q. draußen bleiben, weil der Zeuge so große Angst vor ihm hat. Er beschreibt Ali als eine brutale Person, die ihm schon mal das Messer an den Hals gehalten habe, um ihn gefügig zu machen.

Ähnliches berichtet ein weiterer Zeuge, der am Montag vor dem Landgericht aussagt. Der 16-Jährige, der sowohl mit Ali als auch Susanna regelmäßigen Kontakt hatte, beschreibt den Angeklagten als einen aggressiven Menschen, mit dem man sich nicht gut unterhalten könne. Er berichtet von einem gemeinsamen Abend im Kurpark, wo Ali einen zufälligen Passanten überfallen, verprügelt und sein Gesicht in das Wasser des Kurweihers gehalten habe, um ihn anschließend auszurauben. Auch soll Ali dem Zeugen erzählt haben, dass er öfters Mädchen hinter einer Diskothek ausraube und vergewaltige.

Als er einmal mit Susanna unterwegs war, habe er einen Anruf von Ali B. bekommen. Er habe ihn gebeten, Nacktfotos von dem Mädchen zu machen und sie ihm zu schicken. Zwar kam der 16-Jährige dieser Forderung nicht nach, erzählte aber Susanna von dem Anruf. Diese habe dadurch noch mehr Angst vor Ali bekommen, als sie es schon zuvor gehabt hatte. Der Prozess wird am Mittwoch, den 10. April, um 9:30 Uhr fortgesetzt. (ts/ms)

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