Catcalling in Mainz: Jetzt wird Belästigung öffentlich angekreidet

Auf den Gehwegen am Höfchen, auf dem Campus oder am Hauptbahnhof: Immer häufiger tauchen Sätze wie „Bist du heute zu kaufen?“ oder „Nice Ass!“ mit bunter Kreide auf den Boden geschrieben auf. Was steckt dahinter?

Catcalling in Mainz: Jetzt wird Belästigung öffentlich angekreidet

Immer häufiger tauchen sie im Mainzer Stadtbild auf: Auf den Boden geschriebene Sätze, die sich nur unschwer als Belästigung erahnen lassen. Deutlich macht es dann der darunter geschriebene Hashtag „stopptbelaestigung“. Auch ein Link zu einem Instagram-Profil wird hinterlassen: „@catcallsofmainz“. Wer steckt dahinter und was ist die Idee? Merkurist hat mit einer der „Ankreiderinnen“ gesprochen.

Begonnen hat die Bewegung mit dem Instagram-Account „Catcalls of NYC“, der damals noch der einzige war, erzählt Lea, eine der Mainzer Aktivistinnen. Catcalling ist ein englischer Ausdruck für sexualisierte Belästigung in der Öffentlichkeit, also Hinterherrufen, Nachpfeifen, Hupen oder anzügliche Gesten. „Das ist für viele Menschen - meist Frauen - leider Alltag. Meistens bleiben Catcalls aber ohne Konsequenzen für die Täter, man geht halt schnell weiter und lässt das auf sich sitzen“, so die „Ankreiderin“ Lea. Sie ist Teil der Gruppe von Frauen, die sich im Rahmen der Organisation der Feministischen Aktionswoche 2020 gefunden hat.

Lea zufolge ist die Idee der Aktion, dass alle, die Belästigung in der Öffentlichkeit erfahren haben, ihnen ihre Geschichte zukommen lassen. „Wir gehen dann an den Ort und kreiden an – wir schreiben mit Straßenmalkreide auf den Boden, was passiert ist. Die Geschichte und das Bild davon wird dann anonym gepostet“, so Lea.

„Wenn man davon erzählt, wird einem oft nicht geglaubt“

Leider sei diese Aktion der Aktivistinnen nötig, so Lea, da vielen Menschen gar nicht bewusst sei, wie alltäglich diese Form von Belästigung ist. „Wenn man davon erzählt, wird einem oft nicht geglaubt oder man wird belächelt – ‘ist ja alles nicht so schlimm’. Dass das etwas mit jemandem macht, wir uns auf den Straßen oder auf dem Campus nicht sicher fühlen, soll mit den Catcalls of Mainz deutlich gemacht werden“, so Lea weiter.

Daher ginge es der Gruppe vor allem darum, etwas meist Unsichtbares, sichtbar zu machen. „Wir machen das, um Menschen bewusst zu machen, dass Catcalling überall passiert - um Menschen aufzurütteln“, so die Aktivistin. Die Stadt solle symbolisch zurückerobert und Betroffene durch diese Aktion bestärkt werden.

Als Aktionsgruppe erhoffe man sich auch einen Effekt und ein Umdenken. „Es wäre natürlich schön, wenn Männer uns am Ende glauben, was auf den Straßen passiert und zu Verbündeten werden. Wir müssen ja nicht unbedingt beschützt werden. Aber sie sollen endlich anfangen, auch in ihrem Kreis sowas nicht mehr durchgehen zu lassen“, so Lea. Weiter sagt sie: „Heute gibt es diese Instagram-Accounts in vielen Städten auf der ganzen Welt. Und solange wir uns nicht alle in der Öffentlichkeit sicher fühlen können, werden wir nicht schweigen.“ (mo)

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