Berliner Kollektiv: Biontech-Mitarbeiter sollen Impfstoff-Formel verraten

Plakataktion in Mainz und Marburg

Berliner Kollektiv: Biontech-Mitarbeiter sollen Impfstoff-Formel verraten

Das Berliner Kollektiv-“Peng!“ fordert Mitarbeiter des Mainzer Pharmakonzerns Biontech auf, die Formel für den Corona-Impfstoff im Internet öffentlich zu machen. Am Mittwoch waren vor den Biontech-Standorten in Mainz und Marburg Plakate der Aktivisten zu sehen, auf denen stand: „Deine Arbeit kann Leben retten – oder Profite maximieren“.

Ärmere Staaten sollen somit selbst den mRNA-Wirkstoff herstellen, der gegen das Coronavirus schützt. Auf der Website biontech-leaks.org erklärt das „Peng!“-Kollektiv: „Doch das von der Gesellschaft mitfinanzierte Impfstoff-Wissen liegt jetzt in den Händen von BioNTech. Dabei brauchen weltweit Milliarden Menschen das Vakzin!“ Weiter heißt es: „Eine Studie zeigt: 9 von 10 Menschen in ärmeren Ländern werden 2021 keine Impfung erhalten – aktuelle Verzögerungen in der Lieferung können diese Ungleichheit noch verstärken.“ Auf der Website selbst ist Abschnitt eingerichtet, in dem Biontech-Mitarbeiter ihr Wissen teilen können.

Über 100 Staaten hatten sich bereits einer Initiative aus Indien und Südafrika angeschlossen, wonach die geistigen Eigentumsrechte auf Corona-Impfstoffe ausgesetzt werden sollten. Anfang Oktober scheiterte der Antrag aber bei der Welthandelsorganisation (WTO) am Widerstand der USA, der Schweiz und Deutschlands.

Wie das „Peng!-Kollektiv“ erklärt, seien die mRNA-Impfstoffe wie der von Biontech vergleichsweise einfach herzustellen. Sollten Mitarbeiter von Biontech also illegaler Weise Daten herausgeben, könnten ärmere Staaten selbst in Produktion gehen. Hans-Georg Feldmeier, der Vorsitzende des Bundesverbands der pharmazeutischen Industrie widerspricht in der „Zeit“ allerdings dieser Aussage. Demnach hätten nur ausgewählte Firmen die notwendige Technologie dafür. „Eine Auslizensierung zu anderen Herstellern würde ungeachtet der rechtlichen Implikationen nach unserer Einschätzung mindestens 12 Monate oder länger dauern, bis aus dieser Fertigung Impfstoff zur Verfügung steht. Unter diesen Vorzeichen stellt sich die Frage nach Produktlizenzen nicht.“ Biontech selbst hat sich bisher nicht zur Aktion geäußert.

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