Mainzer Kripo rätselt über nackte Leiche im Rhein

In 53 Jahren „Aktenzeichen XY... ungelöst“ standen auch Mainzer Fälle im Mittelpunkt. Manche von ihnen konnten gelöst werden, andere sind bis heute ungeklärt. Bis heute mysteriös bleibt der Fund der nackten Leiche von Karl Heinz G. im Rhein.

Mainzer Kripo rätselt über nackte Leiche im Rhein

Seit mehr als 50 Jahren unterstützt das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) mit der Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ Ermittler dabei, schwere Verbrechen aufzuklären. Seitdem wurden mehr als 4600 Fälle gezeigt. Auch Mainz stand dabei einige Male im Mittelpunkt. In unserer Serie stellen wir Euch die bewegendsten Fälle vor.

Nackte Leiche im Rhein

Ein mysteriöser Fall beschäftigte die Kripo Mainz im Juli 1977: Im Rhein wurde die Leiche eines nackten Mannes gefunden. Von der Kleidung und dem Gepäck fehlte jede Spur, deshalb gab dieser Fall der Kripo lange ein Rätsel auf. Nach langwierigen Ermittlungen stellte sich heraus: Bei der Leiche handelte es sich um den Homburger Karl Heinz G. (47).

Die letzte bekannte Person, die ihn damals gesehen hatte, war seine Tante. Bei ihr übernachtete er immer, wenn er wieder in seiner Heimat Homburg zu Besuch war. So auch dieses Mal. Am frühen Abend des 23. Juli machte er sich von dort aus mit dem Zug auf den Weg nach Duisburg. Seiner Tante hatte er erzählt, dass er in Duisburg eine neue Arbeitsstelle bei einer Aluminium-Hütte antreten wolle. Um 18:14 stieg G. in Homburg in den Zug Richtung Kaiserslautern, mit Zwischenstopps in Bad Kreuznach und Mainz. In Duisburg kam G. aber nie an.

Schließfach blockiert

Drei Tage später, am 26. Juli, stellte ein Bundesbahnbeamter in Bingerbrück fest, dass ein Schließfach seit drei Tagen blockiert war. Er öffnete das Schließfach und übergab die darin befindlichen Sachen dem Zentralen Fundbüro der Bahn in Frankfurt. Wie sich später herausstellte, hatte G. bei seinem Zwischenstopp in Bingerbrück seine Tasche und eine Plastiktüte in dem Schließfach deponiert. In Bingerbrück war er vermutlich schon seinem Mörder begegnet.

Weitere zwei Tage später wurde eine nackte Leiche im Rhein entdeckt. Jetzt war es ein Fall für die Mainzer Polizei. Gerichtsmediziner stellten auffällige Tattoos an beiden Armen des Opfers fest: Ein Anker mit einem St.Pauli-Schriftzug und auf dem anderen Arm ein Tattoo mit Palmen. Die Untersuchung der DNA des Opfers ergab, dass es sich bei der Leiche um G. handeln musste. Die Gerichtsmediziner fanden zudem heraus, dass G. Opfer eines Gewaltverbrechens war: Er hatte Verletzungen am Kopf, mehrere Rippenbrüche, ein Schnitt am Hals und ein Stich im Rücken. Kurz vor seinem Tod soll er zudem stark betrunken gewesen sein. Von seiner Kleidung sowie dem Personalausweis und dem Schlüssel von G. fehlt bis heute jede Spur.

Falsche Spur nach Mannheim

Auch wo genau G. starb, ist bis heute nicht bekannt. Denn die Leiche konnte aufgrund der Strömung kilometerweit durch den Fluss getrieben sein. Ein Zugschaffner und ein Taxifahrer sorgten bei den Ermittlungen der Kripo zudem mit ihren falschen Aussagen dafür, dass die Beamten in Mannheim lange einer falschen Spur nachgingen. In Mannheim war G. in der Schwulenszene bekannt - das aber hatte mit seinem Verschwinden nichts zu tun, wie sich später herausstellte.

Erst der Fund seiner Sachen aus dem Schließfach im September 1977 brachte die Ermittler auf die richtige Spur. Doch trotz monatelanger Ermittlungen konnte die Kripo den Fall G. nicht lösen. Seine Jacke, sein Shirt, Hose und auch Socken und Schuhe sind bis heute nicht aufgetaucht. Ob er aufgrund seiner Neigung ermordet wurde, bleibt ein Rätsel. Genau wie die Frage, warum er nackt im Rhein trieb.

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