Als ein Unbekannter versuchte, eine Prostituierte in Marienborn zu töten

In 53 Jahren „Aktenzeichen XY... ungelöst“ standen einige Fälle der Mainzer Polizei im Mittelpunkt. Manche von ihnen konnten gelöst werden, andere sind bis heute ungeklärt. Wir stellen Euch einen versuchten Mord an einer Prostituierten vor.

Als ein Unbekannter versuchte, eine Prostituierte in Marienborn zu töten

Die Geschichte des Uni-Mörders, ein tragischer Fenstersturz, die brutale Entführung eines Goldschmieds: In mehr als 4600 Fällen der Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ des Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) stand auch Mainz einige Male im Mittelpunkt. In unserer Serie stellen wir Euch die bewegendsten Fälle vor.

Vor zwölf Jahren versuchte ein unbekannter Mann, eine Prostituierte in Marienborn umzubringen. Die 44-jährige Theresa J. (Name von der ZDF-Redaktion geändert) mietete im Januar 2007 im vierten Stock eines Hauses Am Sonnigen Hang eine Terminwohnung an – eine eingerichtete Wohnung, in der Prostituierte Gäste empfangen können.

„Der Mann war offensichtlich ein Laufkunde. Sein Verhalten legt allerdings nahe, dass er gezielt in den vierten Stock wollte.“ – Hauptkommissar Knut Krieger

Am 19. Januar 2007 betrat der Unbekannte um 17:48 Uhr das Haus, verließ es vier Minuten später wieder. Wo genau er war und was er in dieser Zeit im Haus gemacht hat, ist unklar. Nach einer halben Stunde kam er zurück. „Der Mann war offensichtlich ein Laufkunde. Sein Verhalten legt allerdings nahe, dass er gezielt in den vierten Stock wollte“, so Hauptkommissar Knut Krieger in der Sendung vom 30. August 2007.

Zwar kam das Opfer laut Krieger den Wünschen des Kunden nach – doch danach wendete sich das Blatt. Mit einem Kabel begann er, Theresa J. zu würgen. Die 44-Jährige wehrte sich und schrie, doch der Unbekannte ließ erst von ihr ab, als Nachbarn klingelten. Während Theresa J. aus der Wohnung floh, zog sich der Täter an und flüchtete über den Balkon – wohin weiß bis heute niemand. Die Prostituierte überlebte den Angriff schwer verletzt.

Keine Spur trotz Phantombild

„Wir wissen in diesem Fall eigentlich schon ziemlich viel“, sagte Krieger in der ZDF-Sendung. Abgesehen von einer Kameraaufnahme und einem Phantombild liegen der Polizei Informationen über charakteristische Narben am Körper des Mannes vor. Doch es führte keine Spur zu dem Täter – bis heute fahndet die Polizei nach dem Unbekannten, wie auf der Internetseite einzusehen ist. Dort können Zeugen zudem Hinweise abgeben.

Als auffällig beschrieb Krieger das „etwas verlebte Äußere des Mannes“, der etwa 1,70 Meter groß und vor zwölf Jahren 35 bis 40 Jahre alt war. Laut Polizei hat er eine drahtige Figur und trug seine schwarzen, glatten Haare nackenlang. Auffällig: Eine Zahnlücke im seitlichen Oberkiefer und mehrere etwa fünf Zentimeter lange Narben auf der Brust.

Heute gibt es die Terminwohnungen Am sonnigen Hang nicht mehr. Die Verwaltung, Politik und Wohnungsverwaltungen griffen vor einigen Jahren durch, sagte der Marienborner Ortsvorsteher Dr. Claudius Moseler 2017 in einem Interview gegenüber Merkurist. „Mittlerweile ist der Sonnige Hang deutlich ruhiger geworden.“

Vor Kurzem haben wir bereits von dem Fall des „Uni-Mörders“ (1997), von einem tragischen Fenstersturz (1983), vom Mord an Peter W. (1991) und von einem in der deutschen Kriminalgeschichte einzigartigen Fall (2002) berichtet.

(mm)

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