Mainzer Fälle bei „Aktenzeichen XY... ungelöst“: Fenstersturz endet in Tragödie

In 53 Jahren „Aktenzeichen XY... ungelöst“ standen auch Mainzer Fälle im Mittelpunkt. Manche von ihnen konnten gelöst werden, andere sind bis heute ungeklärt. Der Befreiungsversuch eines Studenten nach einem Raubüberfall endet in einer Tragödie.

Mainzer Fälle bei „Aktenzeichen XY... ungelöst“: Fenstersturz endet in Tragödie

Seit 1967 unterstützt das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) mit der Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ Ermittler dabei, Verbrechen aufzuklären. Seitdem wurden mehr als 4600 Fälle gezeigt, in denen auch Mainz einige Male im Mittelpunkt stand. In unserer Serie stellen wir Euch die bewegendsten Fälle vor.

Iraner wird zufällig Opfer

Was dem Studenten Reza S. im Juni 1983 in der Steingasse passierte, bezeichnete Moderator Eduard Zimmermann in der Sendung vom 13. Januar 1984 als „ein ungewöhnliches Verbrechen, an dem sich die Mainzer Polizei die Zähne ausbeißt“. Dabei wurde der Iraner eher zufällig das Opfer eines Raubüberfalls, der schließlich in einer Trägödie endete.

Erst wenige Tage vor dem Verbrechen war Reza S. nach Mainz gereist. Dort besuchte er seinen Neffen Medi H., einen iranischen Geschäftsmann, der im ersten Stock eines Hauses in der Steingasse einen Laden mit exklusiven Orientteppichen betrieb. Als H. zu einem Termin nach Hamburg aufbrechen musste, übernahm Reza kurzfristig den Geschäftsbetrieb – und so nahm das Schicksal seinen Lauf.

Am Morgen des 3. Juni betrat ein unbekanntes Paar, von dem die Polizei annimmt, dass es bereits eine Woche zuvor das Geschäft auskundschaftete, das Haus in der Steingasse. Mit dabei hatten die beiden Werkzeug, um die Ladentür aufzuhebeln. Offenbar wussten der Mann und die Frau auch, dass sich der Geschäftsinhaber H. auf Dienstreise befand. Obwohl die beiden an der Tür klingelten, rechneten sie aber anscheinend nicht damit, dass ihnen jemand die Türe öffnen würde.

Befreiungsversuch endet in Tragödie

Kurz nachdem das Paar von Reza S. hereingelassen wurde, überwältigten sie den jungen Studenten, legten ihm Handschellen an und verbanden ihm mit Klebeband Mund und Augen. Zudem fesselten sie seine Beine. Dann begannen sie, die wertvollen Teppiche aus dem Geschäft in einen vermutlich in der Nähe geparkten Wagen zu schaffen.

In der Zwischenzeit schaffte es der junge Iraner jedoch, seine Fußfesseln zu lockern und sich an die große Fensterfront heranzutasten. Dort sprang er mit dem Rücken mehrfach gegen die Glasscheibe, um auf sich aufmerksam zu machen. Das bekam wahrscheinlich auch das Verbrecher-Pärchen im Treppenhaus mit und flüchtete. In den nächsten Sekunden wurden die Passanten in der Steingasse dann schließlich Zeugen eines dramatischen Zwischenfalls: Bei einem seiner Befreiungsversuche durchstieß der Iraner die Fensterfront und stürzte hinterrücks aus dem ersten Stock mitten in die Fußgängerzone.

Dabei zog sich der Student schwere Hirnschäden, innere Verletzungen und mehrere Knochenbrüche zu und fiel anschließend ins Koma. Seine Verletzungen erwiesen sich als so schwer, dass der junge Mann letztlich zwei Jahre nach dem Raubüberfall starb. Die Täter flüchteten mit fünf Teppichen im Gesamtwert von 50.000 Euro.

Lange Zeit konnte der Fall nicht aufgeklärt werden. Zwar gestand eine 45-Jährige Monate später an dem Überfall beteiligt gewesen zu sein, vom Hauptäter fehlte aber weiterhin jede Spur. Doch letztlich konnte die Polizei den Mann aufgrund von Zeugenhinweisen der XY-Zuschauer festnehmen. Er wurde wegen Raubes und Freiheitsberaubung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt.

Vor Kurzem haben wir bereits von dem Fall des „Uni-Mörders“ (1997) und von einem in der deutschen Kriminalgeschichte einzigartigen Fall (2002) berichtet.

(pk)

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