Ein Verbrechen, das „es in Deutschland so noch nie gegeben“ hat

In 53 Jahren „Aktenzeichen XY... ungelöst“ standen auch Mainzer Fälle im Mittelpunkt. Manche von ihnen konnten gelöst werden, andere sind bis heute ungeklärt. Die Entführung eines Goldschmieds gilt als einer der „spektakulärsten Fälle“ überhaupt.

Ein Verbrechen, das „es in Deutschland so noch nie gegeben“ hat

Seit 1967 unterstützt das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) mit der Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ Ermittler dabei, Verbrechen aufzuklären. Seitdem wurden mehr als 4600 Fälle gezeigt, in denen auch Mainz einige Male im Mittelpunkt stand. In unserer Serie stellen wir Euch die bewegendsten Fälle vor.

Einer der spektakulärsten Fälle der deutschen Kriminalgeschichte

Was dem Mainzer Goldschmied Richard W. am 17. Dezember 2002 passierte, bezeichnete Moderator Rudi Cerne in der Sendung vom 25. April 2003 als ein Verbrechen, das „es in Deutschland so noch nie gegeben“ hat. Der bekannte Juwelier, der sogar Papst Johannes Paul II. als Kunden hatte, wurde am Abend in seiner Garage von zwei unbekannten Männern überfallen. Anschließend raubten sie sein Haus aus und hielten ihn über Nacht in einem Transporter gefangen.

Doch damit war der Überfall nicht beendet: Die unbekannten Männer legten W. am Morgen des 18. Dezember 2002 eine Bombe an – später stellte sich heraus, dass es sich um eine Attrappe handelte – und verlangten von ihm, ins Geschäft in der Großen Bleiche zu fahren, Schmuck zu holen und diesen zu einem vereinbarten Treffpunkt zu bringen. Käme die Polizei ins Spiel, so die Täter, würden sie die Bombe explodieren lassen.

„Dies scheiterte, da die Polizei zwischenzeitlich von einem Zeugen informiert worden war und vor dem Juweliergeschäft wartete“, sagt Andrea Keller, leitende Oberstaatsanwältin in Mainz. Trotz intensiver Ermittlungen gegen zwei mögliche Tatverdächtige wurde das Verfahren laut Keller im November 2003 eingestellt, da sich der Tatverdacht nicht bestätigte. Zwar sei in den Folgejahren regelmäßig versucht worden, die Täter zu ermitteln, bis heute sei das jedoch nicht gelungen.

„Im Nachhinein betrachtet ist das Ganze ja gar nicht so wild.“ – Richard W. gegenüber der „Welt“

Wie die Tageszeitung „Die Welt“ wenige Tage nach dem Verbrechen berichtete, habe sich W. nach seiner Befreiung bei Freunden versteckt. „Im Nachhinein betrachtet ist das Ganze ja gar nicht so wild“, habe er nach dem Überfall gegenüber der Polizei gesagt. Zwar habe er Angst gehabt, real in Gefahr sei er aber nicht gewesen. „Der Ric ist eben ein ganz robuster Mann. Den bringt nichts aus der Ruhe“, sagte Heribert Grebner, Präsident des Mainzer Automobilclubs, in dem auch W. Mitglied war, gegenüber der „Welt“.

Der Mainzer Carneval Club (MCC), in dem W. Komiteemitglied und Ordensschmied war, und der Mainzer Automobilclub berichteten, dass der Juwelier Mitte 2014 im Alter von 79 Jahren starb. Dem MMC zufolge hinterließ das Verbrechen „tiefe Spuren“ bei ihm. „Auch die Art und Weise, wie manche Menschen mit dem Ereignis umgingen, hat ihn zutiefst getroffen und ruhiger werden lassen. Erst in den letzten Jahren wurde er wieder mehr der Alte“, heißt es in dem Bericht von 2005.

Vor Kurzem haben wir bereits vom Fall des „Uni-Mörders“ berichtet, der 1977 in „Aktenzeichen XY… ungelöst“ vorkam. Hier könnt Ihr den Artikel lesen.

(rk)

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