Mord an Kleinkriminellem: Letzte Spur führt nach Mainz

In 54 Jahren „Aktenzeichen XY... ungelöst“ gab es auch einige besonders mysteriöse Fälle. Der bis heute nicht geklärte Mord an einem Hamburger Kleinkriminellen wirft viele Fragen auf. Die letzte Spur des erschossenen Mannes führt nach Mainz.

Mord an Kleinkriminellem: Letzte Spur führt nach Mainz

Seit 1967 unterstützt das ZDF mit der Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ Ermittler dabei, Verbrechen aufzuklären. Seitdem wurden mehr als 4700 Fälle gezeigt, in denen auch besonders tragische Verbrechen im Fokus standen. In unserer Serie stellen wir Euch die bewegendsten Fälle vor. Der Mord an Dieter K. im Winter 1967, der tot in einem Kanal gefunden wurde, ist bis heute ungeklärt. Unklar ist auch, warum die letzten Spuren in diesem Fall nach Frankfurt und Mainz führen.

Leben als Kleinkrimineller

Am Ostermontag 1967 entdeckt ein Zoll-Assistent am Elb/Trabe-Kanal, etwa 30 Kilometer von Hamburg entfernt, auf seinem täglichen Streifengang auf der Kanal-Brücke einen leblosen Körper im Wasser. Der Tote hieß Dieter K. Seinen Lebensunterhalt finanzierte er hauptsächlich durch kleinere Diebstähle. Vom Hamburger Jugendgericht wurde er deswegen 1965 zu einem Jahr Jugendstrafe verurteilt.

Nach seiner Entlassung nahm er verschiedene Arbeitsstellen an, gab diese aber jeweils nach kurzer Zeit auf und beging wieder Diebstähle. Die gestohlenen Gegenstände versetzte er für ein paar Mark in Hamburger Leihhäusern. Am 5. Januar 1967 zieht K. dann aus der Wohnung seiner Eltern aus. Wo K. dann in den nächsten Wochen gewohnt hat, ist bis heute nicht bekannt. Aber er wird in diesen Tagen noch mehrfach in Hamburg, vor allem auf Sankt Pauli, von Zeugen gesehen.

Stand er skrupellosen Verbrechern im Weg?

Vermutlich geriet K. in der Folgezeit mit skrupellosen Verbrechern in Kontakt, ohne zu wissen, wie gefährlich das ist. Bekannt ist noch, dass er in der Nacht zum 18. Januar 1967 einen Einbruch in das Haus eines ehemaligen Bekannten verübt hat. Zwei Tage später, am 20. Januar, wurde K. dann noch einmal in Bremen gesehen. Dann fehlte zunächst jede weitere Spur.

Als er am 27. März aus dem Kanal geborgen wurde, war K. schon seit mehreren Wochen tot. Er wurde ermordet. Nicht am Kanal, aber an einem bis heute unbekannten Ort. Und: Er war bereits tot, als er ins Wasser geworfen wurde. Die Beamten, die ihn zuerst untersuchten, entdeckten zwei Schussverletzungen an seinem Körper. In den Taschen Ks fanden sie keinerlei Papiere, dafür aber den Schlüssel zum Schließfach Nummer 24 im Zentral-Omnibus-Bahnhof in Hamburg. Ein dort in einem Koffer gefundener Annahmeschein einer chemischen Reinigung führte zu einer anderen wichtigen Spur – zu einem Reinigungsbetrieb in Hamburg. Dort hatte K. kurz vor seinem Tod eine Jacke abgegeben, die ihm aber nicht gehörte und deren Besitzer die Polizei bis heute nicht gefunden hat.

Letzte Spuren führen ins Rhein-Main-Gebiet

Auch in anderen deutschen Städten tauchen in den nächsten Tagen und Wochen noch Spuren auf, die entweder Dieter K. oder sein Mörder hinterlassen haben müssen. In einem Parkhaus in Frankfurt ist am 31. Januar ein Auto geparkt worden, dass in der Nacht zuvor in Hamburg gestohlen worden war. Den Parkschein für dieses Auto findet die Kripo später in Mainz in einer Sporttasche, die am 5. Februar in einem Schließfach im Hauptbahnhof deponiert worden war. Hier fand die Polizei außerdem Dieter Ks. Brieftasche und wiederum einige Gegenstände, von denen bis heute nicht bekannt ist, woher sie stammen.

Ob K. das Schließfach in Mainz noch selbst belegt hat oder ob es sein Mörder war, konnte bis heute nicht festgestellt werden. Hinweise aus der Kriminellen-Szene, wonach ein gewisser Mann, der vier Jahre lang in Frankfurt gelebt haben soll, Hintergründe zum Mord an Dieter K. wüsste, verliefen im Sand. Bis heute konnte Dieter Ks Mörder nicht gefunden werden. In Mainz und Frankfurt verloren sich schließlich die letzten Spuren in diesem mysteriösen Mordfall. (df)

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