Mord am Schwimmbad: Kamen die Täter aus Alzey?

In 53 Jahren „Aktenzeichen XY... ungelöst“ erregten einige Fälle besonderes Aufsehen. Der Mord an der 15-jährigen Jutta H. im Jahr 1986 erschütterte viele Menschen. Das Mädchen traf in der Nähe eines Schwimmbads auf ihre Mörder.

Mord am Schwimmbad: Kamen die Täter aus Alzey?

Seit 1967 unterstützt das ZDF mit der Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ Ermittler dabei, Verbrechen aufzuklären. Seitdem wurden mehr als 4600 Fälle gezeigt, in denen auch besonders tragische Verbrechen im Fokus standen. In unserer Serie stellen wir Euch die bewegendsten Fälle vor. Der Mord an der 15-jährigen Jutta H. im Sommer 1986 gibt der Polizei bis heute Rätsel auf — genauso wie ein Auto mit Alzeyer Kennzeichen.

Alleine auf dem Heimweg

Am Sonntag, den 29. Juni 1986, dem Tag des Fußball-WM-Endspiels zwischen Deutschland und Argentinien (2:3), besuchte Jutta H. gemeinsam mit ihrer Mutter das Freibad in Lindenfels (Hessen). Die Anlage liegt etwas außerhalb des Orts in einem Waldgebiet. Juttas Mutter blieb an diesem Nachmittag nur bis etwa 15 Uhr im Bad. Ihrer Tochter bot sie an, sie später abzuholen. Gegen 17:45 Uhr verließ dann auch Jutta das Bad. Das Angebot ihrer Mutter, sie abzuholen, nahm sie nicht in Anspruch. Und auch auf ihre Freunde, die erst eine halbe Stunde später heim gingen, wollte sie nicht warten.

Sie ging also alleine zu Fuß. Um vom Schwimmbad in die Ortsmitte zu gelangen, gibt es zwei Wege — eine asphaltierte Autostraße und einen steil ansteigenden Waldweg. Jutta benutzte fast immer den Waldweg, auf dem sie etwa 15 Minuten zu gehen hatte. Auf diesem Weg muss das Mädchen dann Opfer eines Verbrechens geworden sein. Das ergibt sich ziemlich eindeutig aus Zeugenbeobachtungen. Vor Jutta ging nämlich eine Spaziergängerin mit ihrer kleinen Tochter an diesem Nachmittag denselben Weg.

Zwei angsteinflößende Männer

Es war ungefähr 17:50 Uhr, als der Spaziergängerin zwei fremde Männer begegneten, die ihr unheimlich vorkamen. Ängstlich schaute sich die Frau daher nach weiteren Spaziergängern um. Zu ihrer Beruhigung stellte sie fest, dass sie nicht alleine war. In einiger Entfernung folgte ihr ein Mädchen — mit großer Wahrscheinlichkeit Jutta H. Da die Frau mit dem Kleinkind nur recht langsam vorankam, hätte Jutta H. sie auf dem weiteren Weg eigentlich überholen müssen. Das ist aber, wie sie später der Polizei berichtete, nicht passiert.

Eine halbe Stunde später machte eine Urlauberin auf demselben Weg eine andere merkwürdige Entdeckung. Am Wegrand fand sie einen weißen Schuh und eine Badematte. Beides, so stellte die Kripo später fest, gehörte Jutta H. Die Frau nahm die Badematte mit, den Schuh ließ sie liegen. Kurze Zeit darauf, so sagten andere Zeugen übereinstimmend aus, war der Schuh dann aber ebenfalls verschwunden.

Auto mit Alzeyer Kennzeichen

Auf dem Waldweg, den Jutta H. benutzte, zweigt ein schmaler Pfad ab, der zum städtischen Friedhof führt. Dort registrierten um die gleiche Zeit Friedhofsbesucher einige Ungereimtheiten, die die Polizei später mit dem Verschwinden des Mädchens in Zusammenhang brachte. Auf dem Parkplatz vor dem Friedhof sahen Zeugen, wie zwei Männer hektisch am Kofferraum eines Autos mit Alzeyer Kennzeichen herumhantierten. Als die Zeugen näher kamen, verschwanden die Männer. Direkt neben dem Auto entdeckte eine Zeugin dann einen weißen Damenschuh, ließ ihn aber liegen.

Auf dem Friedhof waren die beiden Männer, die an dem Wagen standen, aber nicht. Die Zeugin hörte plötzlich einen lauten Schrei, kümmerte sich aber nicht weiter darum. Als sie wieder auf den Parkplatz zurückkam, war der weiße Damenschuh verschwunden. In diesem Moment startete der Wagen mit Alzeyer Kennzeichen, in dem die zwei Männer saßen, die zuvor am Kofferraum gestanden hatten. Da die Zeugin keinen Stift und Zettel dabei hatte, notierte sie sich das Kennzeichen erst zu Hause. Dabei konnte sie sich aber nicht mehr an alle Zahlen korrekt erinnern, so dass die Kripo bei der Überprüfung der Daten nicht weiterkam.

Die Polizei ging bereits wenig später nach dem Verschwinden von Jutta H. davon aus, dass das 15-jährige Mädchen Opfer eines Verbrechens geworden ist. Nicht ganz zwei Jahre später bestätigte sich schließlich der schlimme Verdacht. Jutta Hs Leiche wurde in einem Waldstück in der Nähe des Schwimmbads, unweit von der Stelle, an der sie das letzte Mal lebend gesehen wurde, gefunden. Jutta Hs. Mörder sind bis heute nicht gefasst. (df/ts)

Logo